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StartseiteCampus & KarriereZwei Stiftungslehrstühle für Provenienzforschung19.01.2016

Universität BonnZwei Stiftungslehrstühle für Provenienzforschung

Spätestens seit dem Fall Gurlitt ist der Bereich der Provenienzforschung - also die Erforschung der Herkunft und Sammlungsgeschichte eines Kunstwerks - massiv ausgebaut worden. Die Bonner Uni will diesen Forschungszweig nun ganz bewusst stärken mit zwei Stiftungslehrstühlen.

Von Antje Allroggen

Eine Studentin der Schulpädagogik schreibt am 17.10.2012 während einer Vorlesung in einem vollen Hörsaal in der Universität in Tübingen (Baden-Württemberg) mit. (picture alliance / dpa - Jan-Philipp Strobel)
Einer der Lehrstühle soll an der Juristischen Fakultät eingerichtet werden, der andere innerhalb der Kunstgeschichte (picture alliance / dpa - Jan-Philipp Strobel)
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Etwas versteckt residiert das Bonner Kunsthistorische Institut im Hauptgebäude der Uni, dem ehemaligen Kurfürstlichen Schloss. Ein schmaler Treppenaufgang führt in die noblen Räume, in denen sich das Institut seit mehr als 150 Jahren befindet. Abgüsse wertvoller Skulpturen aus dem Mittelalter und der Renaissance schmücken die Flure. Ein idealer Rahmen also für ein schöngeistiges Studium der Kunstgeschichte ohne großen Praxisbezug. Das könnte sich bald ändern. Denn die Bonner Kunstgeschichte soll sich zu einer Art Kompetenzzentrum für Provenienzforschung entwickeln.

"Provenienzforschung ist ja zu einem neuen wissenschaftlichen Gebiet geworden. Provenienzforschung hat es in der Kunstgeschichte schon immer gegeben, aber doch konzentriert auf die Frage der Originalität eines Kunstwerks. Es ist ein aktuelles, ein neues Forschungsgebiet geworden, und es ist ein Gebiet, das in den deutschen Hochschulen noch nicht etabliert war. Und das war ein Beweggrund zu sagen, wir können hier etwas anstoßen, das wissenschaftlich interessant ist, Aktualität hat und etwas in Bewegung bringt, was sonst so vielleicht nicht in Bewegung käme", sagt Thomas Kempf, Vorstandsmitglied der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach Stiftung in Essen.

Eine Stiftung, die das frühere Vermögen der Krupp-Familie verwaltet und sich vor allem für den Bereich der kulturellen Bildung engagiert. Erst vor Kurzem gab die Stiftung bekannt, dass sie an der Bonner Uni zwei Stiftungslehrstühle zur Provenienzforschung einrichten will. Dabei soll einer der Lehrstühle an der Juristischen Fakultät eingerichtet werden, der andere innerhalb der Kunstgeschichte. Damit ist Bonn die erste Hochschule, die einen Schwerpunkt innerhalb der Provenienzforschung setzt, meint Thomas Kempf.

"Deutschland ist in gewisser Hinsicht Vorreiter auf diesem Gebiet. Denn eine ähnliche Konzentration, eine ähnliche Schwerpunktsetzung in der wissenschaftlichen Provenienzforschung, wie wir sie künftig in Bonn haben werden, sehe ich in der Form in unseren Nachbarländern nicht."

Zusammenarbeit zwischen zwei Disziplinen

Das Tandem - ein Lehrstuhl für Kunstrecht und Kulturgutschutz innerhalb der Rechtswissenschaften, der andere zur Provenienzforschung innerhalb der Kunstgeschichte - soll die Zusammenarbeit zwischen beiden Disziplinen auf dem Feld der Provenienzforschung stärker als bisher verzahnen. Symposien und gemeinsame Lehrveranstaltungen werden den interdisziplinären Ansatz zusätzlich intensivieren. Georg Satzinger, Professur für Kunstgeschichte an der Universität Bonn.

"Es wird so sein, dass die Stelle zur Moderne, die wir haben, mit diesem Akzent Provenienzforschung / Sammlungsgeschichte zusätzlich profiliert wird. Also es wird ein großer Schwerpunkt auf der Geschichte von Kunstwerken im 20. Jahrhundert liegen, insbesondere der Zeit des Nationalsozialismus, aber auch weit darüber hinaus und in ganz grundsätzlicher Weise Geschichte des Sammelns und Geschichte von Provenienz schlechthin."

Zwei Millionen für beide Lehrstühle

Fünf Jahre lang stellt die Stiftung insgesamt zwei Millionen Euro für die beiden Lehrstühle bereit. Danach will die Universität beide Professuren aus eigenen Mitteln weiterführen. Außerdem wird die Bonner Uni eine neue Juniorprofessur einrichten, deren Finanzierung für sechs Jahre gesichert ist. Kooperationen sind unter anderem mit dem Bonner Weiterbildungsstudiengang Museumsstudien geplant, der sich noch in der Akkreditierungsphase befindet. Auch der Arbeitsmarkt dürfte sich über das neue Angebot der Bonner Uni freuen. Vor allem die Auktionshäuser klagen gerade heftig über den großen Nachwuchsmangel in der Provenienzforschung.

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