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StartseiteCampus & KarriereEin gemeinsamer Campus für Christen und Muslime14.06.2016

Universität MünsterEin gemeinsamer Campus für Christen und Muslime

Es ist ein großes Zukunftsprojekt der Universität Münster: Der Campus der Religionen. Die katholische und evangelische Fakultät sollen - gemeinsam mit den muslimischen Theologen - unter ein Dach ziehen. Das Vorhaben ist einzigartig in Deutschland, ja sogar in Europa.

Von Heike Zafar

Rotes Schloss, im Vordergrund eine grüne Wiese, auf der eine kleine Gruppe Menschen sitzt. (dpa/picture alliance/Daniel Kalker)
Sitz der Westfälischen Wilhelms-Universität im Fürstbischöflichen Schloss in Münster. (dpa/picture alliance/Daniel Kalker)
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"Für die Studierenden wird es besser, sie sind nicht zerstreut in einer Stadt." – "Wir als katholische theologische Fakultät freuen uns sehr." – "Ich denke das bietet für die Theologen und die Uni Münster große Chancen für die Zukunft." – "Ich finde den Campus unglaublich wichtig und es ist ein großartiger Schritt zu mehr Begegnungen und mehr Dialog der Theologien."

Egal ob katholisch, evangelisch oder Muslim: In diesem Punkt glauben die Theologen der Uni Münster an ihr gemeinsames Projekt: Ein Religionscampus, ein gemeinsames Haus der Lehre und Forschung soll es in Münster geben. Und davon werden alle profitieren, sagt Milad Karimi, Professor für islamische Theologie. "Das ist eine unglaubliche Begegnung. Theologie ist ja kein Einheitsbrei, wir sind ja unterschiedlich, dennoch gibt’s was Gemeinsames, und mit den christlichen Kollegen über Schriftauslegung zu sprechen. Das halte ich für sehr sinnvoll. Man muss nicht die Traditionen der anderen übernehmen, aber austauschen, das ist was, was in der Zukunft so sein wird, und wenn Studierende das hier üben können, ist das eine schöne Sache."

Die Finanzierung ist schon gesichert

Noch steht der geplante Campus der Religionen nicht, die Uni Münster plant einen Neubau: Und dabei wird nicht gekleckert, sondern geklotzt. Die katholische und die evangelische Fakultät in Münster sind die größten in Deutschland, auch das bisherige Zentrum für islamische Theologie hat mit 600 Studierenden die meisten bundesweit. Der Religionscampus soll Platz für mindestens 5.000 Studierende bieten, rund 50 Millionen Euro wird er kosten. Die Finanzierung ist schon gesichert, sagt Uni Sprecher Norbert Robers: "Wir gehen davon aus, dass es insgesamt für den innerislamischen Dialog und das Verhältnis von Christen und Muslimen einen wichtigen Baustein liefert, weil die Muslime an diesem Beispiel hoffentlich erkennen, dass die Anerkennung nicht nur daher  geredet und praktiziert wird, alles wird analog zu den christlichen Kirchen geregelt, ich gehe davon aus dass die Muslime das hoffentlich erkennen und zu schätzen wissen."

Tatsächlich wird vor allem das Zentrum für islamische Theologie von einem Umzug in den Religionscampus profitieren – es platzt aus allen Nähten. Außerdem soll es zur Fakultät aufgewertet und damit offiziell den christlichen Fakultäten gleichgestellt werden. Aber auch die evangelischen Studierenden werden durch den direkten Austausch mit den anderen Konfessionen gewinnen, meint Dekan Helmuth Löhr: "Das wird an einem neuen Standort, wenn man bei einem Kaffee und in einer Ecke sitzt, wird das einfacher. Ich sehe nicht, dass es zu einer Religionsvermischung kommt, die identitätsstörend ist, ich glaube aber sehr wohl, dass es gegenseitige Anregungen und Befruchtungen gibt, das kann interdisziplinär nur nützlich sein." 

"Das wird nicht immer ein Spaziergang sein"

Katholiken, Protestanten und Muslime werden sich zum Beispiel eine Bibliothek teilen. Vor 30 Jahren sei so etwas kaum vorstellbar gewesen, sagt Professorin Judith Könemann, Dekanin an der katholischen Fakultät. Inzwischen habe sich die Gesellschaft aber durch den Zuzug vieler Muslime stark verändert, dem könne sich niemand mehr verschließen. "Ich denke, es ist gut, das positive hervorzuheben der Möglichkeit der Zusammenarbeit. Es wird nicht konfliktfrei abgehen, das wird nicht immer ein Spaziergang sein, aber wir müssen uns der Auseinandersetzung stellen, das halte ich für unabdingbar. Ich glaube auch, dass es ein positiver Schritt ist in allen konfliktiven Auseinandersetzungen, die wir im Moment haben."

Eins steht fest: Es ist ein ehrgeiziges Projekt: Denn dass über Religion an der Uni viel gestritten werden kann, das hat schon das ewige Hin und Her um das Zentrum für islamische Theologie in Münster gezeigt.

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