• Deutschlandfunk bei Facebook
  • Deutschlandfunk bei Twitter
  • Deutschlandfunk bei Google+
  • Deutschlandfunk bei Instagram

 
 
Seit 16:00 Uhr Nachrichten
StartseiteUmwelt und Verbraucher"Entwicklungsziele werden mit Klima-Agenda verschränkt"25.09.2015

UNO-Agenda 2030"Entwicklungsziele werden mit Klima-Agenda verschränkt"

Die neuen 17 Entwicklungsziele der UNO werden die Milleniumsziele ablösen, sagte Dennis Tänzler von der Denkfabrik adelphi im DLF. Bedeutend an dieser neuen Agenda bis 2030 ist, dass ein Ziel dem Klimaschutz gewidmet wurde. Das Klimaziel bekomme dadurch eine "wesentliche Unterstützung" auf hoher Ebene, sagte der Klimaexperte.

Dennis Tänzler im Gespräch mit Susanne Kuhlmann

Das Logo der Vereinten Nationen auf einer Glasscheibe in den Räumlichkeiten der Vereinten Nationen in New York (picture alliance/dpa)
Die Vereinten Nationen wollen 17 neue Entwicklungsziele (Sustainable Development Goals, SDG) verabschieden. (picture alliance/dpa)
Mehr zum Thema

Armutsbekämpfung Eid begrüßt neue UN-Entwicklungsziele

UN-Entwicklungsziele Überfällig, aber nicht verpflichtend

Reihe UN-Milleniumsziele Netzwerken für Gleichberechtigung

Susanne Kuhlmann: Ein Leben in Würde für alle - das Ziel der Vereinten Nationen ist ebenso dringlich wie hochgesteckt. In New York soll heute auf einem UNO-Gipfel der Staats- und Regierungschefs die 2030-Agenda für nachhaltige Entwicklung verabschiedet werden. Herzstück dieser Vereinbarung für die nächsten 15 Jahre sind 17 nachhaltige Entwicklungsziele, auch SDGs genannt. - Dennis Tänzler befasst sich bei der unabhängigen Denkfabrik adelphi in Berlin mit internationaler Klimapolitik. Vor dieser Sendung fragte ich ihn, wo er die Verbindung zwischen der Klimapolitik und dem Ziel des Lebens in Würde sieht.

Dennis Tänzler: Im Grunde ist 2015 ein Gipfeljahr, ein Gipfel für den Klimaschutz, der in Paris erreicht werden soll mit einem neuen Abkommen, und um dieses Ziel zu erreichen, bedarf es einer ganzen Reihe von unterstützenden Ebenen und diese nachhaltigen Entwicklungsziele sind gewissermaßen das letzte Basislager, um dann das Abkommen in Paris zu erreichen. Letztlich ist unter den 17 Zielen, die Sie gerade angesprochen haben, das Ziel 13 auch dem Klimaschutz gewidmet. Das ist erst mal eine wesentliche Unterstützungsmaßnahme, um das auch noch mal auf dieser hohen Ebene zu platzieren. Auf der anderen Seite ist, wenn man die Unterziele sich anguckt, was dann Klimaschutz genannt wird, nicht in der Lage, den Klimaverhandlungen in Paris den Platz streitig zu machen, sondern diese wirklich wesentlich zu unterstützen.

Klimaziel ist allgemein formuliert

Kuhlmann: Wie ist denn dieses Ziel formuliert?

Tänzler: Relativ allgemein. Es geht im Grunde erst mal darum, Klimaschutz-Maßnahmen zu unterstützen, dann auch noch mal das Moment der Unterstützung der Anpassung an den Klimawandel zu stärken und solche Fragen mit in den Blick zu nehmen. Aber zum Beispiel, wenn man jetzt auf die Frage der vollständigen Dekarbonierung abstellt, die ja noch bei dem G7-Gipfel im Sommer eine wesentliche Rolle gespielt hat, die sucht man vergebens in diesem Ziel.

Kuhlmann: Wie weit ist die Welt auf dem Weg in Richtung dieses Ziels bisher denn schon gekommen?

Tänzler: Da macht es wahrscheinlich Sinn zu rekapitulieren, wo kommen diese nachhaltigen Entwicklungsziele her. Im Grunde lösen sich die Millennium-Entwicklungsziele ab, die, was jetzt den Klimaschutz angeht, relativ ambitionslos waren. Es gab zwar ein Umweltziel, aber das ist nicht wesentlich konkretisiert worden. Auf der anderen Seite sind bei den Entwicklungszielen doch einige Erfolge aufzuweisen, was zum Beispiel den Bereich der Bildung angeht, aber auch zum Teil Gesundheit.
Auf der anderen Seite ist das etwas - deswegen Sinn dieser Entwicklungsziele jetzt auch so bedeutend -, was jetzt in New York erreicht wird, dass die Entwicklung mit der Umwelt- und Klimaagenda verschränkt wird, und das kann dazu beitragen, dass doch einige defizitäre Entwicklungen dann in den Blick genommen wird und das wird gegenwärtig auch in einer Reihe von Studien belegt, dass viele Industriestaaten selbst nicht auf dem Pfad sind, bis 2030 diese Nachhaltigkeitsziele zu erreichen, etwa wenn es im Fall von Deutschland um den Eintrag von Stickstoff und Phosphor in der Landwirtschaft geht - das sind ja letztlich auch Trends, die klimarelevant sind -, oder auch unser Müllaufkommen in Deutschland, das deutlich über dem von anderen Industriestaaten liegt. Es bleibt eine ganze Reihe von Maßnahmen offen, die noch zu ergreifen sind.

Deutschland überprüft eigene Nachhaltigkeitsziele

Kuhlmann: Wie sollte sich die deutsche Politik positionieren, angesichts dieser Zielformulierungen?

Tänzler: Ich glaube, sie tut es schon in dem Maße, dass sie diese Aufforderung, auch die eigenen Nachhaltigkeitsziele zu überprüfen, aufgreift. Ende Oktober ist geplant, dass die deutsche Nachhaltigkeitsstrategie dann in einem Prozess an diese neuen Ziele angepasst wird. Da bleibt dann auch sicherlich noch einiges zu tun. Ich habe gerade schon zwei Sektoren benannt, auch gerade mit Blick auf Klimaschutz. Dann stellt sich auch die Frage oder die Herausforderung, auch weiterhin aus dem Kohleverbrauch auszusteigen und da erst mal die Subventionen abzuschaffen. Das ist jetzt an der deutschen Öffentlichkeit und an der Politik, diese Nachhaltigkeitsstrategie auf dieses Zieljahr 2030 auszurichten.

Kuhlmann: Wenn Sie es in ein paar Schlagworten formulieren können. Was muss sich auf internationaler Ebene ändern, damit 2030 zumindest viel mehr Menschen als heute in Würde leben können?

Tänzler: Als wesentliche nächsten Schritte muss ausgestaltet werden, wie diese 2030-Agenda tatsächlich nachprüfbar etabliert wird. Das ist an den einzelnen Staaten, jeweils zusammen mit der internationalen Gemeinschaft diese Fortschritte überprüfbar zu machen, die finanziellen Ressourcen bereitzustellen und somit in einen internationalen Nachhaltigkeitsdialog einzusteigen, der wirklich zukunftsfähig ist.

Kuhlmann: Dennis Tänzler war das von adelphi, einer Berliner Denkfabrik, und das Gespräch mit ihm haben wir vor der Sendung aufgezeichnet.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk