Corso / Archiv /

 

Unser unspektakulärer Star für Baku

Ein Kurzporträt des Sängers Roman Lob vor dem Eurovision Song Contest

Von Annemarie Bütow

Roman Lob, Final-Gewinner der Ausscheidungsshow "Unser Star für Baku" in Köln.
Roman Lob, Final-Gewinner der Ausscheidungsshow "Unser Star für Baku" in Köln. (picture alliance / dpa / Henning Kaiser)

Roman Lob vertritt Deutschland beim Eurovision Song Contest in Baku. Von Star-Gehabe ist bei dem gelernten Industriemechaniker keine Spur. Der 21-Jährige blickt seinem Auftritt in Aserbaidschan gelassen entgegen - und das, obwohl er das schwere Erbe von Lena Meyer-Landrut antritt.

"Krass, die Leute haben einen auf Eins gewählt. Warum? Man kann es sich selbst nicht erklären. Man steht halt nur da und die Leute wählen einen auf eins, das ist schon Wahnsinn."

Roman Lob realisiert es mittlerweile. Mit dem Siegersong "Standing Still" stieg er auf Platz Drei der Verkaufscharts ein, hat ein Album veröffentlicht und zahlreiche Auftritte hinter sich.

"Das bedeutet mir sehr viel, dass die Leute jetzt entschieden haben, dass ich gerade hinfahren darf, weil ich wirklich auch Lust darauf hatte."

Sein Song für Baku ist eine Ballade. Die kann er gut. Der Sänger will aber vielfältig sein:

"Ja, im Herzen bei mir ist eigentlich alles drin. Also ne Schublade extra für mich wird’s nicht geben, glaube ich."

Trotzdem hat er ein Schmusesänger-Image ...

"Ich mag Metal sehr gerne, mach auch sehr gerne Metal ... Viele sagen halt, ich bin der Schmusepeter, aber ich mag auch andere Sachen gern und ... ja, ich bin da offen."

Unser Star für Baku – Und doch von Star-Gehabe keine Spur. Roman Lob ist nicht crazy wie Lena und kein Paradiesvogel. Unspektakulär? Vielleicht. Jedenfalls angenehm ruhig und vor allem bescheiden.

"Ich bin ein entspannter Typ, ich bin ganz locker drauf, ich bin immer gut gelaunt, seltenst mal schlecht gelaunt."

Roman Lob ist fast schon übertrieben gelassen, obwohl er von Lena ein schweres Erbe antritt. Aber für ihn steht der Spaß im Vordergrund.

"Also man ist schon nervös, wenn man weiß, dass 120 Mio. Menschen vor den Fernsehern sitzen. Dann auch noch vielleicht, keine Ahnung, 10.000, 15.000 in dieser Halle ... und ja, es ist schon ein kleiner Druck. Aber ich freue mich auch sehr, sehr drauf. Also es wird ne geile Zeit ..."

Den Erfolgssong "Standing Still" hat Sänger Jamie Cullum für den ESC geschrieben. In Roman Lobs Leben herrscht währenddessen alles andere als Stillstand. Unschwer zu erraten, weshalb sein erstes Album "Changes" heißt ...

"Wir haben uns gedacht, man muss halt einfach auf dem Album mal einen Song haben, wo man auch mit dem Text erklärt, was abging in der letzten Zeit, wie sich das alles verändert hat."

"Ich wäre jetzt fast schon in der Mittagspause bei meinem Job, also ich bin Industriemechaniker, bin morgens um vier Uhr aufgestanden ... Ja das hat sich ein bisschen geändert. Man hat jetzt schon einen strafferen Zeitplan, man ist viel unterwegs, aber ... es macht beides Spaß!"

Bei allem Spaß – der ESC in Baku bleibt umstritten. Negative Schlagzeilen über das autoritäre Regime Aserbaidschans reißen nicht ab: Übergriffe auf Journalisten, Zwangsumsiedelungen, Menschenrechtsverletzungen. Die kritischen Fragen zur Teilnahme am ESC pariert Roman Lob brav antrainiert:

"Es ist schon nicht in Ordnung, was da abläuft. Aber ich sehe das so, also das ist meine Meinung dazu, und ich denke mal, von vielen anderen auch: Wir gehen als Musiker da hin und das Land wird ja in wirklich allen Ländern international wird es ja ausgestrahlt und die Leute sehen, alles klar, da stimmt was nicht, und ich glaube, das öffnet die Augen von den Leuten und das Land hat dadurch ne Riesenchance."

Roman Lob: ein netter Junge von Nebenan mit Gesangstalent, aber eben nicht revolutionär. Der Hype ist ausgeblieben, bisher.

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Corso

Corso Spezial 15 Jahre "Mein Klassiker"

Die Statue von Sherlock Holmes in der Baker Street in London.

"Mein Klassiker ist ..." – diesen Satz hören Sie bei "Corso" jede Woche aus prominenten Mündern. In den vergangenen 15 Jahren haben uns mehr als 700 Schauspieler, Musiker, Künstler, Kabarettisten und andere Persönlichkeiten ihre Klassiker verraten.

Der fünfte BeatleEinsam, depressiv und tablettenabhängig

(L-r) John Lennon, George Harrison, Manager Brian Epstein, Ringo Starr und Paul McCartney relaxen in einer Hotel-Suite während einer Auslandstournee der britischen Popgruppe The Beatles. (Undatierte Aufnahme). Brian Epstein, erfolgreicher Manager der Pilzköpfe, wurde am 19.09.1934 in Liverpool geboren und am 27.08.1967 tot in seiner Wohung in Belgravia in London aufgefunden.

"Wenn es einen fünften Beatle gegeben hat, dann war es Brian Epstein", sagte Paul McCartney einmal. Der tragische Tod von Epstein läutete auch das Ende der Beatles ein. Vor Kurzem ist seine Autobiografie in deutscher Sprache erschienen

Corsogespräch Party-Proletariat und Backstage-Storys

Londoner Duo "We are shining" "Wir wollten uns einfach möglichst individuell ausdrücken"

Ukraine-Konflikt"Natürlich streiten wir. Schließlich geht es um Krieg"

Eine Frau in Donezk in den Trümmern ihres Hauses, das bei Kämpfen zerstört wurde.

Der Konflikt in der Ukraine ist mehr als 2.000 Kilometer weit weg. Aber er betrifft auch Menschen, die in Deutschland leben. Besonders in der russischsprachigen Community wird häufig darüber gestritten, wer Recht hat. Das wird zur Zerreißprobe für Freundeskreise und Familien.

Theater-Kollektiv Rimini-Protokoll "Politiker sind letzten Endes auch nur Schauspieler"