Donnerstag, 14.12.2017
StartseiteVerbrauchertippVor der Geldspende genau informieren05.12.2017

Unseriöse SammelaktionenVor der Geldspende genau informieren

Ob per Mail, an der Haustür oder in der Fußgängerzone: Gerade vor Weihnachten werben Vereine und Organisationen vermehrt um Spenden. Doch nicht immer sind diese Spendenaktionen seriös. Wer unsicher ist, ob das Gegenüber lautere Absichten hat, sollte deshalb vor der Spende einiges beachten.

Von Hilde Braun

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Euro-Münzen (picture-alliance / David Ebener)
Unseriöse Spendensammler versuchen vor allem durch emotionale Geschichten und Bilder, Mitleid zu erregen (picture-alliance / David Ebener)
Mehr zum Thema

Effektiver Altruismus Mit Spenden die Welt retten

Spenden-Siegel Seriöse Spendenorganisationen erkennen

Die meisten Organisationen verschicken die Spenden-Aufrufe per Post. Die Anschrift stammt dann häufig von Adresshändlern, die für ein paar Euro tausende Adressen für Werbesendungen anbieten. Das ist durchaus legal und wird auch von durchaus seriösen Vereinen und Hilfswerken genutzt. Ein guter Hinweis auf vertrauenswürdige Aktionen ist das Spendensiegel des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen, kurz DZI.

Unabhängig vom Siegel zeigt aber meist schon die Art der Schreiben, wie seriös eine Sammelaktion ist, erklärt Burkhard Wilke, Geschäftsführer des Instituts:

"Also wenn der Brief extrem emotional daher kommt: Mit einer Vielzahl von Fotos von leidenden Kindern, die Sie emotional sehr aufrühren, mit wiederholter persönlicher Ansprache - das sind Gestaltungselemente unseriöser Werbung, weil sie in der Kumulation eine solche emotionale Wucht entfalten, dass dem Empfänger im Grunde keine faire Entscheidung mehr bleibt."

Keine bundesweite Regelung für Bettelbriefe

Eisbärbaby (picture alliance / dpa / Bernd Wüstneck)Mit niedlichen Tierbildern wird oft um Spenden geworben (picture alliance / dpa / Bernd Wüstneck)

Dahinter stecken oft Organisationen, die keinen guten Ruf zu verlieren haben, häufig auch kleine Vereine, die nur wenige Mitglieder haben, so der Experte. Die Bettelbriefe werden dann oft von einer Werbeagentur gestaltet, die sich diese Arbeit dann selbstverständlich gut bezahlen lässt. Spezielle Gesetze für Spendensammlungen gibt es nur in drei Bundesländern: in Thüringen, dem Saarland und Rheinland-Pfalz:

 "Und Rheinland-Pfalz geht vor allem Verdachtsfällen, auch Beschwerdefällen aktiv nach und erlässt pro Jahr etwa zehn bis 15 Sammlungsverbote gegen Organisationen, genau die sind in den anderen Bundesländern zu Sammlungen berechtigt, also der Staat hilft relativ wenig bei der Spendenentscheidung."

Vorsicht vor Sammelkationen in der Fußgängerzone

Wer spenden möchte, sollte sich deshalb am besten gezielt eine Institution heraussuchen, die er kennt und unterstützen möchte – und das nicht erst kurz vor Weihnachten. Wer unsicher ist, ob eine Organisation seriös ist, die zum Beispiel in der Fußgängerzone mit Sammelbüchsen unterwegs ist, sollte sich im Zweifel einfach einen Flyer geben lassen und in Ruhe zu Hause überprüfen, wer dahinter steckt, empfiehlt Verbraucherschützerin Jutta Rehberg, von der Verbraucherzentrale Hamburg:

"Man kann natürlich auch, wenn man unsicher ist, dann kann man sich auch an die Organisation wenden, die man überlegt zu unterstützen, da auch mal in den Geschäftsbericht gucken - und jeder der nichts zu verbergen hat, wird einem auch gerne Auskunft erteilen."

Nach Spendenausweisen fragen

Das gilt auch für Sammlungen an der Haustür. Wer dort Geld sammelt und eine große Hilfsorganisation vertritt, kann das nachweisen. Zum Beispiel mit dem Logo oder einem Spendenausweis. Gerade wenn es eine unbekannte Organisation ist, sollte man nicht nur mit Bargeldspenden sehr zurückhaltend sein, warnt Burkhard Wilke, vor allem aber keine Verträge unterschreiben.

 

"Häufig werden an den Haustüren Fördermitgliedschaften eingeworben, wenn da in dem Gespräch versucht wird mit Angst einzureden,  gerade mit dem Argument gegen ältere Menschen: Wenn Sie jetzt nicht Mitglied werden in der Organisation XY dann ist angesichts der staatlichen Sparmaßnahmen nicht mehr gewährleistet, dass wenn Sie mal einen Unfall haben im Haus, das Ihnen schnell genug geholfen wird."

 

Seriöse Organisationen treten aber vor allem zurückhaltend auf und machen keinen Druck. Sie treten auch nicht per E-Mail erstmalig in Kontakt. Deshalb sollte man auch in den sozialen Medien skeptisch sein und nicht auf Aktionen hereinfallen, bei denen angeblich mit einem Klick auf ein Werbebanner Geld für eine gute Sache gespendet wird. Solche Links leiten oft auf unseriöse Angebote weiter, hier sollte man unbedingt vorher herausfinden wer dahintersteckt.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk