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StartseiteKalenderblattUnterwegs auf dem Mississippi21.04.2010

Unterwegs auf dem Mississippi

Vor 100 Jahren starb Mark Twain

Der Mann, den Ernest Hemingway zum Vater der amerikanischen Literatur erklärte, hatte keineswegs vor, Schriftsteller zu werden. Mark Twains Traum war es, eines Tages auf einem Mississippi-Dampfer als Lotse zu fahren. Der literarische Vater von Tom Sawyer und Huckleberry Finn starb vor 100 Jahren.

Von Holger Teschke

Der Author Samuel Longhorne Clemens, besser bekannt unter dem Namen Mark Twain. (AP Archiv)
Der Author Samuel Longhorne Clemens, besser bekannt unter dem Namen Mark Twain. (AP Archiv)

Also, Leute, wenn ich gewusst hätte, was das für eine Schinderei ist, ein Buch zu schreiben, ich schwör es euch, ich hätte es gar nicht erst angefangen. Und noch einmal mach ich es sowieso nicht, da könnt ihr einen drauf lassen.

Mit diesen Worten verabschiedete sich Huckleberry Finn am Ende von Mark Twains berühmtesten Roman. Es hätten auch Twains eigene Abschiedsworte sein können. Der Mann, den Ernest Hemingway zum Vater der amerikanischen Literatur erklärte, hatte keineswegs vor, Schriftsteller zu werden.

Am 30. November 1835 als Samuel Langhorne Clemens in Missouri geboren, faszinierten ihn von Kindheit an die großen Raddampfer, die auf dem Mississippi zwischen St. Louis und New Orleans verkehrten. Sein Traum war es, eines Tages auf einem dieser Dampfer als Lotse zu fahren.

"Ein Lotse war damals der einzig unabhängige Mensch auf Erden. Könige sind unfreie Diener ihrer Parlamente und Völker, Parlamente sind an die Ketten ihrer Wähler geschmiedet und selbst die angeblich freien Denker und Schriftsteller sind Sklaven der Öffentlichkeit. Nur der Mississippi-Lotse ist sein eigener Herr."

Aber bevor Sam Clemens 1857 sein Lotsenpatent erhielt, musste er als Druckerlehrling und Aushilfsjournalist sein Geld verdienen. Nach drei Jahren auf dem Mississippi beendete der amerikanische Bürgerkrieg diese "besten Jahre seines Lebens", wie er später schrieb. Es blieb der Name Mark Twain, ein Lotsenruf, den er als Pseudonym wählte.

Ab 1861 schlug er sich als Goldgräber und Journalist in Nevada und Kalifornien durch und veröffentlichte 1865 seine Abenteuergeschichten aus dem Wilden Westen in dem Erzählungsband "Der berühmte Springfrosch von Calaveras". Als Zeitungskorrespondent bereiste er Hawaii und Europa und lernte 1869 in New York seine zukünftige Frau Olivia kennen.

Mit seinen Reiseberichten "Die Arglosen im Ausland" und "Durch Dick und Dünn" wurde Twain einer breiteren Leserschaft bekannt und mit "Tom Sawyers Abenteuern" in ganz Amerika berühmt. Ab 1878 verbrachte er ein Jahr in Europa, wo seine Bücher ebenso populär waren wie in den Vereinigten Staaten. Nach seiner Rückkehr veröffentlichte er 1884 "Die Abenteuer des Huckleberry Finn".

Und so isses passiert. Außer an zwei, drei Stellen, wo ich was dazugeflunkert habe. Aber das musste dann sein. Mit besten Grüßen - Euer Huck Finn.

Die Art, in der Twain vom Alltag der kleinen Leute in Amerika erzählte, verschaffte ihm Leser in aller Welt. Weniger erfolgreich war er mit seinen Investitionen. 1894 verlor er das gesamte Geld, das er in einen Verlag und eine neue Setzmaschine gesteckt hatte. Mit einer Vortragsreise um die Welt und dem Erlös aus seinem Reisebuch "Dem Äquator nach" konnte der inzwischen 60-Jährige sich 1898 wieder von seinen Schulden befreien. Er wurde Ehrendoktor von Yale und Oxford und seine Lesungen füllten die großen Vortragssäle in New York, Boston und London. Aber den frühen Tod seiner Töchter Susy und Jean sowie den seiner Frau konnte Mark Twain nicht verwinden. Seine Texte wurden zusehends düsterer und seine politischen Kommentare schärfer.

Wer sind die Unterdrücker? Die Kapitalisten, ihre Verteidiger und ihre Verwalter. Wer sind die Unterdrückten? Die Nationen der Erde, die Arbeiter und die Arbeitssklaven. Warum ist es Recht, dass die Gewinne ihrer Arbeit nicht angemessen verteilt werden? Weil die Verfassung und die Gesetze es so verordnen.

Doch solche Töne wollte man in Amerika von Mark Twain nicht hören. Resigniert schrieb er in seinen letzten Lebensjahren zunehmend für die "Schublade der Nachwelt" und kommentierte sein Schweigen lakonisch.

Mit gutem Grund spreche ich lieber aus dem Grab als mit lebendiger Zunge. Von hier unten kann ich nämlich frei sprechen.

Am 21. April 1910 starb Mark Twain in seinem Haus in Connecticut. Aber Tom Sawyer, Huck Finn und ihr schwarzer Freund Jim sind unsterblich geworden.

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