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StartseiteCampus & KarriereUnterwegs mit der "WAHL GANG"15.08.2013

Unterwegs mit der "WAHL GANG"

Eine deutschlandweite Schultour soll Erstwähler an die Urnen bringen

In weniger als 40 Tagen dürfen viele Jugendliche erstmals ihre Stimme bei einer Bundestagswahl abgeben. Doch wen wählen und warum ist das wichtig? Die "WAHL GANG" ist eine Initiative von PolitikstudentInnen und der Bundeszentrale für politische Bildung, die Jungwähler auf ihr erstes Mal vorbereiten will.

Von Verena Kemna

Wähl mich! (Deutschlandradio - Sven Töniges)
Wähl mich! (Deutschlandradio - Sven Töniges)

Nein, welche Partei bei der Bundestagswahl ihre Stimme bekommt, weiß die Abiturientin Elly Funke noch nicht. Die politisch interessierte Erstwählerin möchte sich erst am Wahltag entscheiden. Bisher erlebt sie den Wahlkampf vor allem als Plakatkampagne auf dem Schulweg vom S-Bahnhof zur privaten Gesamtschule im brandenburgischen Petershagen.

"Man geht in die Schule und man sieht die Plakate, die plötzlich aufgehangen sind. Es könnte mehr sein, dass man sich auch eine Meinung bilden kann. Was sagt welche Partei, wofür steht sie richtig ein. Vielleicht weil wir Schüler sind und nicht so richtig was mitkriegen, aber, es könnte mehr sein."

Maik Stenzel, 18 Jahre alt, sitzt neben ihr und nickt. Auf einem Tisch in der Schulaula sortieren beide noch einmal ihre Moderationszettel. Da stehen Schlagworte wie Atomausstieg, Energiewende, Mindestlohn und natürlich Bildungspolitik. Auf den Podiumstischen liegen die Namensschilder von fünf Landtags- und Bundestagspolitikern. Alle im Bundestag vertretenen Parteien haben zugesagt und wollen den Schülerinnen und Schülern Rede und Antwort stehen. Maik Stenzel erhofft sich einiges:

"Nicht so dieses gegenseitige Ankeifen der Parteien, sondern einfach mal volksnah sein."

Er hat sich bei einem Workshop der studentischen Agentur Politikfabrik auf die Diskussion mit den Politikern vorbereitet. 65 Schulen in allen Bundesländern sind in diesem Wahljahr Teil der Kampagne für Erstwähler, eine Kooperation der Politikfabrik und der Bundeszentrale für politische Bildung. Die Gesamtschule in Petershagen macht den Auftakt. Dort hat sich Politiklehrer Julian Gerdes für die Bewerbung eingesetzt. Er erlebt, dass die meisten Schüler nicht wissen, wie sie sich eine eigene politische Meinung bilden können:

"Mein Credo ist eigentlich immer, Zeitung zu lesen, und wenn sie dann Interesse haben, auf Abgeordnetenseiten zu gucken, Zeitung und Radio, nehmt euch die Zeit, und wenn es gar nicht anders geht, dann wenigstens die Tagesschau."

Beim Zeitunglesen haben die Abiturienten Maik Stenzel und Elly Funke festgestellt, dass über dem Wahlkampf vor allem die beiden Namen Merkel und Steinbrück stehen. Gute Inhalte haben sie kaum entdeckt.

"Also im Moment sind die Medien voll von Nahostkonflikten und Bürgerkriegen, weniger von innenpolitischen Themen. - Mir zu wenig Wahlkampfthemen, wo sie mir sagen, was wollen sie für uns tun, für Deutschland, welche Probleme wollen sie wirklich hier ändern."

Ein letzter Blick auf die Stoppuhr, die Politiker sitzen vor etwa einhundert Schülerinnen und Schülern. In einer Vorstellungsrunde erzählen sie von den Ferien und der politischen Motivation. Dann fragt Maik Stenzel den FDP-Politiker Fritz Krause.

"Würden sie jetzt gerne mit ihrem Wahlwerbemanagement tauschen wollen?" - "Nein." - "Warum nicht?" - "Weil das viel Arbeit macht und wenig Spaß und wenig Schlaf und man ärgert sich."

Fragen nach der staatlichen Unterstützung von Privatschulen und vor allem nach dem Mindestlohn liegen Elli Funke besonders am Herzen.

"Viele machen sich Sorgen, wo fangen wir an, wo kriegen wir Geld, wie stehen denn die Chancen, wie können wir sicher sein, egal, in welche Branche wir gehen, da kriegen wir einen Mindestlohn."

Das Stichwort für Wahlkampfrhetorik der Politiker, die die Gelegenheit nutzen und ihre Position zum Mindestlohn darlegen. Zwar bleiben am Ende viele Fragen offen, doch Maik Stenzel und Elly Funke sind zufrieden.

"Ich hoffe, dass die Schüler, die jetzt wählen, Interesse kriegen und wissen, dass das wichtig ist, zu wissen, was will wer und warum muss man wählen."

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