• Deutschlandfunk bei Facebook
  • Deutschlandfunk bei Twitter
  • Deutschlandfunk bei Google+
  • Deutschlandfunk bei Instagram

 
Seit 16:10 Uhr Büchermarkt
StartseiteNachrichten vertieftDie "Lügenpresse" gewinnt13.01.2015

Unwort des JahresDie "Lügenpresse" gewinnt

"Lügenpresse" ist das Unwort des Jahres. Die sprachkritische Jury wählte den Begriff, der 2014 besonders von der islamkritischen Pegida-Gruppierung als Medienkritik verwendet wurde. Das Wort "Lügenpresse" gilt als Kampfbegriff aus der NS-Rhethorik.

Die "Lügenpresse" als T-Shirt auf einer Neonazi-Demo in Hof (Oberfranken) 2012
Die "Lügenpresse" als T-Shirt auf einer Neonazi-Demo in Hof (Oberfranken) 2012
Weiterführende Information

Anti-Pegida-Proteste - Zehntausende demonstrieren "für eine bunte Welt" 
(Deutschlandfunk, Aktuell, 12.01.2015)

Karikaturisten appellieren an die Dresdner - "Hau ab, Pegida!"
(Deutschlandfunk, Aktuell, 12.01.2015)

Reaktion auf Pegida - Raus aus der Schockstarre
(Deutschlandfunk, Corso, 12.01.2015)

Islamismus-Debatte - "Wir sind in der Minderheit"
(Deutschlandfunk, Interview mit Islamwissenschaftler Bassam Tibi, 12.01.2015)

Das Schlagwort Lügenpresse "war bereits im Ersten Weltkrieg ein zentraler Kampfbegriff und diente auch den Nationalsozialisten zur pauschalen Diffamierung unabhängiger Medien", begründete die Jury unter dem Vorsitz der Sprachwissenschaftlerin Nina Janich ihre Entscheidung bei der Bekanntgabe in Darmstadt. "Mit dem Ausdruck 'Lügenpresse' werden Medien pauschal diffamiert", sagte Janich. "Eine solche pauschale Verurteilung verhindert fundierte Medienkritik und leistet somit einen Beitrag zur Gefährdung der für die Demokratie so wichtigen Pressefreiheit."

Auf Platz zwei landete "erweiterte Verhörmethoden", auf Platz drei "Russland-Versteher".

"Putin-Versteher" am häufigsten vorgeschlagen

Rund 1.250 Einsendungen waren zuvor eingegangen. Die sprachkritische Jury musste sich jedoch nicht nach den Vorschlägen richten, in denen am häufigsten "Putin-Versteher" genannt wurde. Damit sind Unterstützer des russischen Präsidenten Wladimir Putin im Ukraine-Konflikt gemeint. 

Unter den Vorschlägen wurden auch die islamfeindliche Bewegung "Pegida" ("Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes") und "Social Freezing" genannt - Letzteres bezeichnet das Einfrieren von Eizellen, womit Frauen ihren Kinderwunsch auf unbestimmte Zeit verschieben können. Das "Unwort des Jahres" 2013 war "Sozialtourismus", 2012 wurde "Opfer-Abo" ausgewählt

Weitere frühere Sieger waren "Döner-Morde" (2011), "alternativlos" (2010), "betriebsratsverseucht" (2009), "notleidende Banken" (2008), "Herdprämie" (2007), "Freiwillige Ausreise" (2006), "Entlassungsproduktivität" (2005) und "Humankapital" (2004).

"Lichtgrenze" Wort des Jahres

Zum "Wort des Jahres" 2014 wurde bereits die "Lichtgrenze" gekürt. Die Gesellschaft für deutsche Sprache hatte den Namen für die Installation zum 25. Jahrestag des Mauerfalls in Berlin als prägendsten Begriff des Jahres gewählt. Auf Platz zwei setzte sie die "schwarze Null", auf Platz drei "Götzseidank" als Erinnerung an das WM-Siegtor von Mario Götze.

(nch/bor)

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk