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StartseiteCampus & KarriereUrheberrecht kontra Forschung05.07.2007

Urheberrecht kontra Forschung

Das neue Urheberrecht macht den Unis Schwierigkeiten

Heute werden im Bundestag neue Regeln zum Urheberrecht verabschiedet, die einen Ausgleich zwischen den Inhabern von Urheberrechten und den Verbrauchern erreichen sollen. Nach Ansicht vieler Forscher behindert die Novelle aber die wissenschaftliche Arbeit und schränkt den freien Zugriff auf Forschungsergebnisse ein. Studierende müssten für die Ausleihe von Fachliteratur Lizenzgebühren bezahlen. Auch der Deutsche Bibliotheksverband hofft auf eine wissenschaftsfreundlichere Reform der Reform.

Von Matthias Becker

Nach der Reform darf die Nutzung digitaler Materialien nur noch innerhalb der Universität stattfinden. (Stock.XCHNG / Elena Buetler)
Nach der Reform darf die Nutzung digitaler Materialien nur noch innerhalb der Universität stattfinden. (Stock.XCHNG / Elena Buetler)
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Wissenschaftsorganisationen zur Urheberrechtsreform

Kristin Hansen steht in der Bibliothek der Technischen Universität Berlin und sucht nach Literatur für ihre nächste Hausarbeit. Nicht immer findet die Studentin der Biotechnologie vor Ort, was sie sucht. In solchen Fällen sind Dokumentenlieferdienste wie SUBITO eine schnelle und günstige Möglichkeit. Der gewünschte Aufsatz wird eingescannt und dem Nutzer als Datei über das Internet zugeschickt.

In Zukunft aber wird diese Art der Literaturbeschaffung kaum noch möglich sein, sagt Traute Braun-Gorgon, die Leiterin von SUBITO.

" Das, was wir in den letzten Jahren ja gemacht haben, ist, dass man Aufsätze als PDF-Datei per E-Mail verschickt, das wird sehr stark eingeschränkt. Es soll nur noch möglich sein, wenn der Verlag kein eigenes Onlineangebot hat. "

Schon 2003 wurden im sogenannten "ersten Gesetzeskorb" internationale Vereinbarungen zum Urheberrecht umgesetzt. Das "Zweite Gesetzes zur Regelung des Urheberrechts im Informationszeitalter" sollte dann endgültig Klarheit bringen, was künftig in Deutschland urheberrechtlich erlaubt und was verboten ist. Mehr als drei Jahren lang wurde über diesen "zweiten Korb" verhandelt, bis sich schließlich die wissenschaftlichen Fachverlage weitgehend durchsetzen konnten. Künftig dürfen Uni-Bibliotheken deshalb einen Aufsatz nur dann zur Verfügung stellen, wenn der Verlag kein entsprechendes Internetangebot hat - oder die Universitäten Lizenzen zahlen.

" Das heißt aber, zu den normalen Entgelten, die wir im Moment haben, kommen dann natürlich auch die Lizenzgebühren hinzu. Aus unserer Sicht ist es ganz klar ein Gesetz, das für die Verlage gemacht worden ist. "

Nicht nur SUBITO, auch der Deutsche Bibliotheksverband ist unzufrieden und hofft auf eine Reform der Reform. Die Vorsitzende des Bibliotheksverbands, Gabriele Beger:

" Die Studenten müssen sich tatsächlich gut überlegen, was sie sich bestellen, das, was man im Studium auch mal gerne tut, dass man drei, vier Artikel bestellt, auch wenn man sich nicht ganz sicher ist, diese Praxis kann sich, glaube ich, keiner mehr leisten. Ich hoffe sehr auf einen dritten Korb, damit ich sagen kann, dass ich zufrieden bin. "

Das Aktionsbündnis: Urheberrecht für Wissenschaft und Forschung, ein Zusammenschluss von Forschern und Wissenschaftsorganisationen, fordert mittlerweile ebenfalls eine Reform der Reform. Rainer Kuhlen, der Sprecher des Bündnisses, kritisiert besonders eine andere Regelung, die demnächst in Kraft tritt. Nach ihr darf die Nutzung der digitalen Materialien nur noch innerhalb der Universität stattfinden.

" Wir werden gezwungen, als Wissenschaftler tatsächlich in die Räume der Bibliotheken zu gehen und an speziell dafür eingerichteten Leseplätzen die Materialien zu lesen. Eine Situation, die vollkommen absurd und in Ländern wie den USA vollkommen undenkbar ist. "

Und auch innerhalb der eigenen Räume müssen Bibliotheken die Anzahl der erlaubten Zugriffe beschränken:

" Die Bibliothek darf nur soviel gleichzeitig anzeigen, wie sie selber Rechte hat. Also wenn sie einen Artikel oder ein Buch hat, dann digitalisiert sie eben, dann darf immer nur einer das auch anschauen. Und wenn aus einem Kurs zwanzig Leute für die nächste Sitzung das lesen müssen, muss jeder warten, bis der andere fertig ist. "

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