Samstag, 16.12.2017
StartseiteUmwelt und VerbraucherUnkrautvernichtungsmittel Dicamba sorgt für neuen Ärger06.10.2017

US-Farmer klagen gegen MonsantoUnkrautvernichtungsmittel Dicamba sorgt für neuen Ärger

Der US-Agrar-Konzern Monsanto ist ebenso erfolgreich wie umstritten. Wegen seines Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat steht er seit langem in der Kritik. Doch das ist noch nicht alles: Aktuell ziehen Tausende US-Farmer wegen eines weiteren Monsanto-Produkts vor Gericht.

Von Martin Ganslmeier

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Ein Maisfeld in Plymouth County, Iowa (imago / Francis Dean/Deanpictures)
Der US-Agrar-Konzern Monsanto hat mit einer Klagewelle in den USA zu kämpfen. (imago / Francis Dean/Deanpictures)
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In den vergangenen 20 Jahren liefen die Geschäfte für Monsanto prächtig. Das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat wurde unter dem Markennamen Roundup zum Bestseller unter Farmern und Hobbygärtnern. Gleichzeitig entwickelte Monsanto gentechnisch verändertes Saatgut, vor allem für Mais, Sojabohnen und Baumwolle. Die Monsanto-Pflanzen waren so programmiert, dass ihnen Glyphosat nichts ausmachte: Einfach "Roundup" über alles spritzen, das Unkraut stirbt, aber Mais, Sojabohnen und Baumwolle wachsen trotzdem. Monsanto machte es den Farmern leicht - zu leicht, meint Pflanzen-Experte Dave Pierce aus Mississippi im Radiosender NPR:

"Roundup hat viele Leute zu guten Farmern gemacht. Jahrelang waren sie davon abhängig - zu abhängig."

Seit einigen Jahren wirkt Glyphosat nicht mehr

Die Probleme begannen vor einigen Jahren. Dass Glyphosat im Verdacht steht, Krebs zu erzeugen, führte zu Klagen, schadete dem Absatz jedoch kaum. Im Gegenteil: Der Anteil an genverändertem Monsanto-Saatgut in der US-Landwirtschaft wuchs stetig auf über 70 Prozent. Das größte Problem für viele Farmer: Seit einigen Jahren wirkt Glyphosat nicht mehr, weil das Unkraut resistent geworden ist und sich sogenannte "Super-Unkräuter" gebildet haben. Also mussten Monsanto und andere Agrar-Firmen wie BASF dringend nachrüsten. Dabei half ein 50 Jahre altes Unkrautvernichtungsmittel namens Dicamba: Es tötet auch die "Super-Unkräuter", nicht aber das gentechnisch aufgerüstete Saatgut.

Doch die großflächige Umstellung auf Dicamba führte in diesem Jahr zu Tausenden Beschwerden und Klagen vor Gericht, sagt Bob Hartzler, Agrarwissenschaftler an der Iowa State University:

"Bei unserer Fakultät gingen mehr Beschwerden wegen unerwünschter Auswirkungen von Herbiziden ein als je zuvor. Und das größtenteils wegen Dicamba."

Unkrautkiller hat einen entscheidender Nachteil

Dicamba hat einen entscheidenden Nachteil: Der Unkrautkiller verflüchtigt sich leicht. Vor allem bei heißem Wetter verwandelt sich flüssiges Dicamba in ein Gas, das der Wind meilenweit auf benachbarte Felder weht. Dadurch kam es zum Streit unter vielen Farmern: Denn wenn auf den Nachbar-Feldern keine gentechnisch veränderten Monsanto-Pflanzen, sondern konventionelle Pflanzen wachsen, dann sterben diese genau wie das Unkraut. In den Bundesstaaten Arkansas, Mississippi und in den Agrarstaaten des Mittleren Westens kam es zu erheblichen Ernteausfällen und in der Folge zu Protesten und Klagen. Die betroffenen Farmer fordern Schadensersatz. In Arkansas und Missouri wurde Dicamba vorläufig verboten. In Mississippi wurde ein Farmer nach einem Streit um Dicamba sogar getötet.

Monsanto setzt auf Informations-Offensive

Monsanto ist überzeugt, dass die Farmer nur besser informiert werden müssen, wie sie das Herbizid fachgerecht spritzen. Der Technische Direktor von Monsanto, Robb Fraley, kündigte eine Beratungsoffensive an:

"Dabei geht es um Zusatzstoffe gegen das Verflüchtigen von Dicamba sowie um bessere Spritzdüsen. Ganz wichtig: Wir müssen gemeinsam mit den Bundesstaaten dafür sorgen, dass keine billigen Nachahmer-Produkte benutzt werden."

Im Klartext: Bitte nur Monsantos Spritzmittel und Monsantos Gen-Saatgut benutzen! Doch selbst wenn die Informationsoffensive gelingt und die Klagen glimpflich für Monsanto enden, ist eines jetzt schon gewiss: In zehn bis 15 Jahren werden die "Super-Unkräuter" auch gegen Dicamba resistent sein. Doch dieses Problem muss dann wahrscheinlich schon Bayer lösen.

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