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StartseiteInformationen am MorgenNicht nur Oscar ist ein Mann 23.02.2016

US-Filmindustrie und die Geschlechterfrage Nicht nur Oscar ist ein Mann

Offenbar werden in Hollywood Schauspielerinnen oftmals schlechter bezahlt als ihre männlichen Kollegen. Und auch die Bereiche Regie, Kamera und Studioleitung sind bislang Männerdomänen. Wie viel Leidenschaft und Leidensbereitschaft braucht es, um in der US-Filmindustrie als Frau nicht den Mut zu verlieren?

Von Wolfgang Stuflesser

Eine Oscar-Statue steht vor dem Kodak Theatre in Hollywood. (dpa / picture alliance / Paul Buck)
Auch in diesem Jahr ist für den Regie-Oscar - wieder - keine einzige Frau nominiert. (dpa / picture alliance / Paul Buck)
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In den "Tributen von Panem" spielt Jennifer Lawrence eine junge Frau, die zum Symbol des Aufstandes gegen ein Unrechtsregime wird. Im echten Leben ist Jennifer Lawrence weniger mutig, wie selbst sagt: Zumindest wenn es darum geht, um gleiche Bezahlung wie ihre männlichen Co-Stars zu verhandeln. Als Hacker Ende 2014 geheime Dokumente der Sony Studios in Hollywood erbeuteten und später veröffentlichten, wurde bekannt, dass Jennifer Lawrence deutlich schlechter bezahlt wurde als ihre männlichen Kollegen wie Bradley Cooper und Christian Bale. Und das, obwohl sie als absoluter Kassenmagnet gilt.

Als sie den Unterschied gesehen habe, habe sie sich bewusst zu Wort gemeldet, sagte Lawrence im Interview mit dem Sender CBS: Sie schrieb einen Artikel, in dem Sie im Grunde sich selbst die Schuld gab: Sie habe einfach schlecht verhandelt, und sie habe sich später gefragt, warum sie nicht mehr verlangt habe - der Grund: Sie habe diese Idee, dass Unterwürfigkeit sie liebenswerter mache.

Sind Frauen also in Hollywood auch benachteiligt, weil für sie andere gesellschaftliche Konventionen gelten, weil sie nett sein müssen? Wie schwer es das männlich dominierte Hollywood-Studiosystem Frauen macht, wird besonders deutlich, wenn man auf die Jobs hinter der Kamera schaut: Nach einer Recherche der LA Times saß im Jahr 2014 bei nicht mal fünf Prozent aller Filme der großen Hollywood-Studios eine Frau im Regiestuhl. Und das, obwohl Frauen inzwischen längst die Hälfte der Absolventen der einschlägigen Filmhochschulen ausmachen. Als Katrhyn Bigelow 2010 als erste Frau den Regie-Oscar gewann, verkündete Barbra Streisand das mit den Worten: Die Zeit ist gekommen.

Große Untersuchung der US-Gleichstellungsbehörde

Doch ist die Zeit wirklich gekommen? Bigelow war erst die vierte Frau überhaupt, die für einen Regie-Oscar nominiert wurde. Und sie bleibt bis heute die einzige Gewinnerin. Das Problem sitze in den Köpfen der Studiobosse, sagt Franklin Leonard, der früher selbst als Manager für Brad Pitts Produktionsfirma Plan B gearbeitet hat. Wenn ein Regisseur gesucht werde, hätten die meisten Hollywoodmanager ein Bild von Steven Spielberg im Kopf - und nicht von einer jungen Regisseurin wie Ava Duvernay, die "Selma" inszeniert hat.

Inzwischen hat sogar die US-Gleichstellungsbehörde EEOC eine große Untersuchung angestrengt und befragt in deren Rahmen Studiomanager ebenso wie Regisseurinnen. Noch liegen keine Ergebnisse vor, doch die Erwartungen sind groß: Regisseurin Lori Precious sagte im Interview mit dem Sender CBS, dass sie den Versprechungen der Studios nicht mehr glaube, dass die Situation sich ändern werde - es brauche eine gesetzliche Regelung.

Und auch in diesem Jahr ist für den Regie-Oscar - wieder - keine einzige Frau nominiert.

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