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StartseiteInterview"Trump wäre als Präsident unberechenbar"16.03.2016

US-Vorwahlen"Trump wäre als Präsident unberechenbar"

Der amerikanische Politikwissenschaftler Jackson Janes ist der Ansicht, dass sich die US-Präsidentschaft am Ende zwischen Donald Trump um Hillary Clinton entscheiden wird. Wer das Rennen mache, liege dann vor allem an der Wahlbeteiligung, sagte er im Deutschlandfunk. Trump wäre als Präsident inkompetent und unberechenbar.

Jackson Janes im Gespräch mit Christine Heuer

Jackson Janes, Direktor American Institute for Contemporary German Studies an der JohnsHopkins Universität in Washington D.C.
Jackson Janes, Direktor American Institute for Contemporary German Studies an der JohnsHopkins Universität in Washington D.C.
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Christine Heuer: Ein weiterer Super Tuesday war das gestern in den USA. Demokraten und Republikaner hielten in fünf Bundesstaaten Vorwahlen ab. Besonders wichtig dabei die bevölkerungsreichen Staaten Florida und Ohio. Nach der jüngsten Runde im Vorwahlkampf sind die Favoriten einen großen Schritt weiter.

Am Telefon ist Jackson Janes, Politikwissenschaftler und Institutspräsident. Guten Morgen, Herr Janes.

Jackson Janes: Guten Morgen!

Heuer: Ist Donald Trump jetzt noch zu stoppen?

Janes: Ich glaube kaum. Auf jeden Fall ist es noch denkbar, dass in diesem Ohio, wo im Juli ein Parteitag stattfindet, dass man da das bestreiten kann, und es gibt natürlich alle Möglichkeiten, das zu tun. Denn er geht wahrscheinlich nicht in den Parteitag mit der endgültigen Mehrheit, die er braucht. Aber auf der anderen Seite: Ich weiß nicht genau, ob die anderen Kandidaten die Stärke haben, ihn zu besiegen.

Heuer: Von den anderen Kandidaten wissen wir von Ted Cruz, dass er vielleicht noch konservativer ist als Donald Trump. Wofür steht der andere, John Kasich, der in Deutschland nicht so bekannt ist?

Janes: Ja das ist eigentlich derjenige, der eigentlich ein Washingtonian-Experte ist. Er war dort im Kongress einige Jahre. Er kennt sich da natürlich gut aus. Aber der ist so mitten in der Straße und das ist jetzt momentan bei den Republikanern eine gefährliche Stelle, denn scheinbar will auch die jetzige Bewegung jemanden, der nicht in der Mitte ist, sondern ziemlich rechts von der Mitte. Das ist Cruz, das ist Trump und insofern hat Kasich kaum eine Chance, die Kandidatur zu bekommen.

Heuer: Aber das würde bedeuten, dass der Wahlparteitag der Republikaner, den Sie schon angesprochen haben, vielleicht doch nicht zur Schlammschlacht wird, wenn nur Donald Trump und Ted Cruz tatsächlich zur Wahl stehen.

Janes: Es ist wahrscheinlich. Was ich als Schreckensbild vielleicht mal ausmalen könnte wäre: Am Ende kommt dann Trump mit einem Vizekandidaten namens Cruz. Aber wer weiß, weil im Moment ist diese Partei so zerspalten, so fragmentiert, die Republikanische Partei. Es ist kaum zu überblicken, was tatsächlich in Ohio passieren kann. Aber allem Anschein nach wird es dann Donald Trump.

Heuer: Aber kann es sein, dass die Republikaner sich über diese ja sehr spaltende Persönlichkeit zerlegen?

Janes: Das ist es schon.

Heuer: Aber dann de facto beim Parteitag, dass der zu einer Schlammschlacht wird, und dann haben die Republikaner ja einen Scherbenhaufen.

Janes: Ja, das haben sie wahrscheinlich auch momentan. Aber ich meine, am Ende bleibt die Frage: Bei einem Parteitag ist es normalerweise so, dass jemand reinreitet und er hat die Mehrheit schon. Diesmal ist das wahrscheinlich nicht der Fall. Insofern kann es zwei, drei, vier, fünf, vielleicht mal zehn Abstimmungen geben, bevor eine Mehrheit erreicht wird. Das ist ein Scherbenhaufen.

"Bernie Sanders hat kaum eine Chance"

Heuer: Wir schauen auf die Demokraten, Herr Janes. Hillary Clintons Sieg bei den Vorwahlen scheint ziemlich sicher. Ist das eigentlich schade? Finden Sie, Bernie Sanders wäre ein ganz guter Kandidat gewesen?

Janes: Ja. Aber er hat nicht die Ausstrahlungskraft und auf alle Fälle nicht die Verwurzelung in den jeweiligen Ethnien, die in Wirklichkeit gebraucht werden. Amerika und gerade die demokratische Partei widerspiegelt die ethnische Komplexität von Amerika und Bernie Sanders kommt aus einem Bundesstaat, wo er eigentlich bisher kaum bekannt war, 95 Prozent weiß, und ich glaube nicht, dass er das über die Jahre hinweg, wo Clinton sehr damit beschäftigt war in Staaten wie North Carolina und anderen Ländern, wo wirklich die gesamte komplexe ethnische - schwarze, weiße, lateinamerikanische - die ganzen Minoritäten sind da vertreten und da ist sie viel stärker als er. Insofern: Ich glaube nicht, dass er eine Chance hat.

Heuer: Und dann sind wir schon beim Blick auf die dann tatsächlichen Präsidentschaftswahlen. Wie stehen denn Donald Trumps Chancen, da gewählt zu werden?

Janes: Ich fürchte, das wird eine Schlammschlacht sein, und das geht daher, Trump ist so wie er ist, und insofern glaube ich, es ist Hillarys Problem, denn sie ist dann auf alle Fälle jemand, der wirklich sehr bekannt ist quer durch Amerika, und er kann auf sehr viele verschiedene Ecken schießen, wenn er will. Dafür ist er bekannt. Ich meine, jetzt momentan, acht Monate vorher, ist eher die Chance für sie zu gewinnen aufgrund von der Tatsache, dass Trump diese rechtsradikale Bewegung hat. Es ist eine Bewegung, gar keine Frage, so wie Sie sie zum Teil in Deutschland haben mit der AfD. Das ist dann eigentlich eine Bewegung, aber sie ist meiner Meinung nach nicht stark genug, die gesamte Wählerschaft zu gewinnen. Aber das werden wir natürlich dann nach Juli bei den beiden Parteitagen erleben.

"Am Ende geht es um die Wahlbeteiligung"

Heuer: Welche Wählerschichten entscheiden denn am Ende die Präsidentschaftswahlen in den USA?

Janes: Die Minoritäten, die gesamte komplexe Wählerschaft, die da zusammenkommen wird. Wie viele wählen werden, ist die große Frage. Wie viele werden sich mobilisieren lassen, ist die Frage auf beiden Seiten. Trump hat eine Gruppe von Menschen, die eigentlich bisher sich nicht engagiert haben, nicht mal gewählt haben, und das ist natürlich momentan seine Stärke. Aber auf der anderen Seite: Hillary ist wahrscheinlich eher in der Lage, diese anderen Gruppierungen zu erreichen, die Trump nicht erreichen kann aufgrund seiner bisherigen Kampagne. Ich denke eigentlich, es geht am Ende noch mal um die Frage, wie viele werden am 8. November an der Wahlurne erscheinen.

"Trump wäre ein inkompetenter Präsident"

Heuer: Was für ein Präsident wäre denn Donald Trump?

Janes: Wenn ich das wüsste zu beschreiben, dann würde ich einfach sagen, inkompetent in dem Sinne, dass er ein Land nicht leiten kann, das quer durch die Welt hier mit Zweifel auf Trump guckt, so viele Ängste und so viele Unsicherheiten, die er ausstrahlt. Es ist kaum zu fassen, was er machen würde als Präsident. Er gibt ja keinen Präzedenzfall hier in diesem Land. Aber auf der anderen Seite: Im Moment ist meine Frage, inwieweit werden Republikaner tatsächlich sagen, okay, alles ist besser als Clinton, ergo müssen wir diesen Mann unterstützen. Das möchte ich mal sehen, ob das tatsächlich zustande kommt. Ich hoffe nicht, aber so könnte es dann sein.

Heuer: Sie halten das Rennen hörbar für offen, Herr Janes. Könnten Deutschland und Europa auch mit Donald Trump im Weißen Haus nicht nur leben, sondern gut leben?

Janes: Ich glaube, zwangsläufig müsste man mit irgendeinem amerikanischen Präsidenten auskommen. Das ist dann unumgänglich. Die Frage, die manchmal gestellt wird, ist, ist es so heiß gekocht, wie es gegessen wird? Wer weiß, weil jetzt sage ich noch mal: Der Präsident in diesem Fall ist normalerweise jemand, der sehr viele andere Voraussetzungen mit sich bringt. Donald Trump ist ein Unikum. Insofern wäre eine Präsidentschaft von Donald Trump ein Unikum und insofern ist es unberechenbar.

Heuer: Der amerikanische Politikwissenschaftler Jackson Janes im Interview mit dem Deutschlandfunk. Herr Janes, vielen Dank, dass Sie uns dieses Gespräch gewährt haben, und dann noch zu so früher Stunde. Danke schön!

Janes: Danke.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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