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StartseiteInformationen am MorgenEmpörung, Trauer und eine alte Debatte19.06.2015

USA Empörung, Trauer und eine alte Debatte

Der Angriff auf eine afroamerikanische Kirche in Charleston mit neun Todesopfern hat wohl einen rassistischen Hintergrund. US-Präsident Barack Obama verweist auf ein "dunkles Kapitel" seines Landes - und zeigt sich frustriert über seinen erfolglosen Kampf für schärfere Waffengesetze.

Von Marcus Pindur, Washington

Eine Frau legt Blumen vor einer Kirche nieder.  (picture alliance/dpa/John Taggart)
Die Stadt Charleston steht nach dem Attentat auf die älteste schwarze Gemeinde der Südstaaten unter Schock. (picture alliance/dpa/John Taggart)
Weiterführende Information

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(Deutschlandfunk, Informationen am Morgen, 14.02.2015)

Der erste Gottesdienst für die Opfer und ihre Familien musste in der Nachbargemeinde der Emanuel AME Kirche stattfinden. In der historischen Kirche selbst werden noch Spuren gesichert. Die Gemeinde und die Stadt Charleston stehen unter Schock. "Wir wollen doch nur leben und überleben - warum müssen wir so etwas durchmachen?", fragt dieses Gemeindemitglied empört. Die Tatsache, dass der Anschlag, der neun Menschenleben kostete, in einer Kirche stattgefunden hat, ist für viele unfassbar. "Da sagt man den Menschen, sie sollen ein gutes Leben führen und arbeiten und beten, und da verletzt jemand die Heiligkeit einer Kirche."

Es handelt sich um die älteste schwarze Gemeinde der Südstaaten. Viel Empörung, viel Trauer, aber kein Hass bei den Gemeindemitgliedern der Emanuel-Kirche. "Was ich nach dem Anschlag gesehen habe, war, dass alle zusammen gebetet haben, egal welcher Hautfarbe, wir haben uns die Hände gereicht und zusammen gebetet. Und das werden wir auch weiter tun."

Recht schnell stellte sich heraus, dass die Tat einen rassistischen Hintergrund haben könnte. Der mutmaßliche Täter hatte ein Foto ins Internet gestellt, auf dem er die ehemalige Flagge des südafrikanischen Apartheid-Staates auf der Jacke trug. Tatzeugen berichten, dass der 21-Jährige gesagt habe, er wolle Schwarze töten, bevor er anfing zu schießen und neun Menschen ermordete. Darunter auch den Pastor der Gemeinde, Clementa Pinckney. Der junge Pfarrer war gleichzeitig demokratischer Senator im Landesparlament von South Carolina. Pinckney galt als engagiert, geduldig und war über Parteigrenzen hinweg respektiert.

Obama: Nicht der erste Angriff auf eine schwarze Kirche

Als Präsident Obama vor die Presse trat, wollte er spezifische Umstände des Falles nicht kommentieren, wies jedoch darauf hin, dass dies nicht der erste rassistisch motivierte Anschlag auf eine Kirche wäre. "Die Tatsache, dass sich dies in einer schwarzen Kirche abgespielt hat, wirft Fragen auf, die ein dunkles Kapitel in unserer Geschichte berühren. Das ist nicht das erste Mal, dass eine schwarze Kirche angegriffen worden ist. Und wir wissen, dass Rassen- und Religionshass eine besondere Gefahr für unsere Demokratie darstellen."

Der mutmaßliche Täter hatte von seinem Vater einen 45er Colt zum Geburtstag geschenkt bekommen. Ob es sich dabei um die Tatwaffe handelt, ist noch unklar. Präsident Obama zeigte sich frustriert darüber, dass seine Bemühungen, Schusswaffen strikter zu kontrollieren, immer wieder im Kongress torpediert worden sind. "Wir kennen noch nicht alle Einzelheiten, aber einmal mehr hatte jemand, der anderen Schaden zufügen wollte, keine Schwierigkeiten, eine Waffe in die Hände zu bekommen."

Debatte über schärfere Waffengesetze

Bisher gibt es keine Hinweise darauf, dass es Mittäter gibt. Das Southern Poverty Law Center befasst sich mit rechtsextremer Gewalt. Heidi Beirich leitet dessen Forschungsinstitut. "Tatsache ist, dass Angriffe sogenannter Einsamer Wölfe mit rassistischem Hintergrund immer wieder passieren oder versucht werden, ungefähr alle fünf Wochen. Erinnern wir uns nur an den Anschlag eines Skinheads auf den Sikh-Tempel 2012 oder eines Rechtsextremisten auf  ein jüdisches Gemeindezentrum in Kansas vor einem Jahr. Solche terroristischen Akte passieren mit beängstigender Regelmäßigkeit."

In den USA gibt es nach solchen Vorfällen meist eine Debatte über schärfere Waffengesetze. Doch ebenso regelmäßig wird die Debatte ergebnislos vertagt. Schätzungen zufolge befinden sich rund 300 Millionen Schusswaffen in amerikanischen Privathaushalten.

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