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Seit 09:30 Uhr Essay und Diskurs
StartseiteKommentare und Themen der WocheWahnsinn im Weißen Haus10.08.2017

USA-Nordkorea-KriseWahnsinn im Weißen Haus

Was hat US-Präsident Donald Trump zu seiner "Feuer-und-Wut"-Rhetorik getrieben? Die Welt rätselt noch, dabei könnte das Motiv bei Trump selbst zu finden sein, meint Thilo Kößler: Die Nordkorea- Krise ist ein willkommener Anlass, von innenpolitischen Problemen und der Russland-Affäre abzulenken.

Von Thilo Kößler

US-Präsident Donald Trump spricht zu der "American Legion Boys Nation and the American Legion Auxiliary Girls Nation" im Rosengarten des Weißen Hauses in Washington, DC, am 26. Juli 2017. (dpa / Chris Kleponis)
Übt sich in Kriegsrhetorik: US-Präsident Donald Trump. (dpa / Chris Kleponis)

Entweder handelt es sich bei dem Feuer-und-Wut-Szenario um leeres Geschwätz - dann stehen wieder einmal Amerikas Glaubwürdigkeit und Abschreckungsfähigkeit auf dem Spiel, schreibt Susan Rice, Barack Obamas langjährige Nationale Sicherheitsberaterin, heute in der "New York Times". Oder die USA unter Donald Trump sind tatsächlich bereit, einen atomaren Präventivkrieg gegen Nordkorea zu führen - dann regiere schlichtweg der Wahnsinn im Weißen Haus.

Russland-Affäre droht Trump zu entgleiten

Man darf also trefflich darüber spekulieren, was Donald Trump wirklich dazu getrieben hat, den Krieg der Worte ohne Not zu eskalieren. Wollte er eine rote Linie ziehen gegenüber Pjöngjang, dessen irrlichternder Diktator ohne Zweifel mit dem Feuer spielt? Wollte Trump der Verschärfung der Nordkorea-Sanktionen an der Seite mit Russland und China ein verbales Säbelrasseln folgen lassen - um die Entschlossenheit zu unterstreichen, Nordkorea nicht weiter gewähren zu lassen? Wollte Trump auf diese Weise den Druck auf Peking erhöhen, damit China das Regime in Pjöngjang endgültig fallen lässt? Oder unterstellen all diese Überlegungen, dass sich dieser Präsident tatsächlich von einem wie immer gearteten rationalen Kalkül leiten ließ? Tatsächlich könnte das Motiv Donald Trumps bei Donald Trump selbst zu suchen sein: dass nämlich Nordkorea nur ein willkommener Anlass ist, um von der innenpolitischen Krise im Zeichen der Russland-Affäre abzulenken. Sie bringt ihn ohne jeden Zweifel immer mehr in Bedrängnis und droht, ihm zu entgleiten.

Gefährliche Eigendynamik

Sei es, wie es sei: Trumps schnarrende Kriegsrhetorik birgt unabsehbare Risiken - gar nicht auszudenken, wohin der Krieg der Worte noch führen könnte, wenn bereits ganz zu Anfang die Atomkeule geschwungen wird. Diese bauchgesteuerte politische Kraftmeierei Donald Trumps, die einmal mehr die Leerstelle in seinem außenpolitischen Bewusstsein offenbart, hat allemal das Zeug, eine gefährliche Eigendynamik zu entwickeln. Die Reaktion aus Pjöngjang - die Benennung der amerikanischen Pazifik-Insel Guam als potentielles militärisches Ziel - zeigt, dass die Rutschbahn in Richtung Eskalation möglicherweise bereits beschritten wurde.

Alarmiert sind nicht nur China und Russland, die beiden Schlüsselstaaten im Umgang mit Nordkorea. Alarmiert ist die gesamte internationale Staatengemeinschaft, die zu Recht Mäßigung anmahnt. Gefordert sind jetzt allerdings zuerst die engsten Berater Donald Trumps, deren politischer Einfluss auf dem Prüfstand steht. Entweder es gelingt Mattis, Kelly oder McMaster, ihrem Präsidenten die möglicherweise verheerenden Konsequenzen seiner verbalen Kriegstreiberei vor Augen zu führen. Oder die Ex-Generäle müssen sich auf den Vorwurf gefasst machen, sie hätten sich vor den Karren Donald Trumps spannen lassen.

Thilo Kößler, Korrespondent in Washington (Deutschlandradio - Bettina Fürst-Fastré)Thilo Kößler (Deutschlandradio - Bettina Fürst-Fastré)Thilo Kößler begann nach einem Geschichtsstudium seine Rundfunk-Laufbahn 1978 als Reporter im Studio Nürnberg des Bayerischen Rundfunks. 1987 wechselte er als Zeitfunk-Redakteur zum SDR nach Stuttgart und war von 1990 bis 1996 ARD-Hörfunk-Korrespondent für den Nahen Osten am Standort Kairo. Seit 1998 arbeitete er als Redakteur im Deutschlandfunk, zunächst im Zeitfunk, dann als Leiter der Europaredaktion. Ab 2007 war er Leiter der Abteilung "Hintergrund". Seit Juni 2016 ist er USA-Korrespondent von Deutschlandradio mit Sitz in Washington.

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