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StartseiteForschung aktuellMit Vitamin-B12-Mangel ist nicht zu spaßen18.11.2015

Vegane ErnährungMit Vitamin-B12-Mangel ist nicht zu spaßen

Vegane Ernährung liegt im Trend, aber ist sie auch gesund? Drohen Mangelerscheinungen, wenn man komplett auf tierische Nahrungsmittel verzichtet? Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung bereitet derzeit ein Positionspapier zur veganen Ernährung vor. Erste Einblicke gab es Anfang der Woche bei einem Seminar in Hamburg.

Von Volker Mrasek

Die sich vegan ernährenden Robert Kresse (l), Silke Bott (M) und Robert Elzer (r) blicken in ihrer Wohngemeinschaft in Karlsruhe in den mit Gemüse gefüllten Kühlschrank (Foto vom 04.08.2010). (picture-alliance / dpa / Uli Deck)
Vor allem unter jungen Menschen ernähren sich immer häufiger vegan. (picture-alliance / dpa / Uli Deck)
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Schätzungsweise eine Million Deutsche ernährt sich inzwischen vegan. Ohne Fleisch. Ohne Fisch. Ohne Milchprodukte, Eier und Honig.

"In erster Linie junge Leute, überwiegend Frauen. Also, das Verhältnis ist ungefähr zwei zu eins. Vielleicht ein bisschen mehr, aber nicht viel mehr. Und sie kommen häufig aus der gebildeten Schicht", sagt Claus Leitzmann, emeritierter Professor für Ernährungswissenschaft an der Universität Gießen.

Um so erstaunlicher, was der renommierte Forscher noch immer feststellen muss:

"Auch in unseren eigenen Studien: Dass Leute sich nicht optimal ernähren. Nicht, weil es nicht möglich ist, sondern weil sie es schlichtweg nicht gut machen. Sie haben sich nicht genügend informiert."

Vorsicht beim Vitamin B12

Veganer riskieren vor allem eine Unterversorgung mit Cobalamin, besser bekannt als Vitamin B12. Der Mikronährstoff ist praktisch nur in tierischen Produkten enthalten. In der pflanzlichen Kost von Veganern fehlt er. Markus Keller, Leiter des noch jungen Instituts für alternative und nachhaltige Ernährung bei Gießen:

"Vitamin B12 ist wichtig für die Blutbildung und auch für das Nervensystem. Und wenn ich da langfristig unterversorgt bin, kann es da eben zu Problemen kommen. Gerade die neurologischen Symptome, die können auch irreversibel sein. Deswegen sollte man damit nicht spaßen. Und Veganer sollten auf jeden Fall Vitamin B12 supplementieren, das heißt über Nahrungsergänzungsmittel, angereicherte Lebensmittel. Und es gibt auch eine Vitamin-B12-Zahncreme, die man zusätzlich verwenden kann."

Viele Veganer tun das nach den Erfahrungen von Claus Leitzmann aber nicht. Es gebe "auch bei Eisen, Vitamin B12 sowieso, wirklich richtig große Anteile der Veganer, die Defizite aufweisen."

DGE-Positionspapier kurz vor Fertigstellung

Mit Spannung wird vor diesem Hintergrund die Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Ernährung erwartet. Von der DGE kommen die Richtwerte für die Zufuhr von Nährstoffen. Bisher hat sie sich nicht dezidiert zum Thema geäußert, will das aber in einem Positionspapier nachholen. Es sei kurz davor, veröffentlicht zu werden, sagte DGE-Präsident Helmut Heseker auf dem Seminar in Hamburg:

"Ein Problem sind Gruppen mit besonders hohem Nährstoff-Bedarf wie Säuglinge, Kleinkinder, Schwangere., Stillende. Dort raten wir davon ab, sich vegan zu ernähren, einfach weil das Risiko eines Mangels mit dauerhaften Folgen einfach zu groß erscheint."

Ausschlaggebend auch hier: die mögliche Unterversorgung mit Vitamin B12, so Heseker:

"Wenn also eine stillende Veganerin nicht darauf achtet, Vitamin B12 aufzunehmen, dann ist ihre Milch Vitamin-B12-arm. Und dann sind auch Fälle bekannt, dass auch das Kind, der Säugling, wenn er denn längere Zeit ausschließlich gestillt wurde, einen Vitamin-B12-Mangel bekam. Es sind Einzelfälle zwar, aber es sind Kinder auch bekannt, die dann dauerhafte Schäden hatten. Vor diesem Hintergrund ist es natürlich schwer, eine derartige Ernährungsform zu empfehlen."

Veganer stehen bei vielen Nährstoffen besser da als Fleischesser

Auf der anderen Seite hat eine Ernährung völlig ohne Fleischprodukte aber auch unbestrittene Vorteile, wie Markus Keller betont:

"Wenn man das vernünftig und abwechslungsreich gestaltet, dann kann das eben eine sehr gesundheitsfördernde Ernährungsweise sein."

Mit vielen wichtigen Nährstoffen seien Veganer sogar besser versorgt als Leute, die Fleisch oder eine Mischkost bevorzugen:

"Wir sehen in den Studien, dass Veganer durch ihre pflanzliche Lebensmittelauswahl eben besser versorgt sind mit Beta-Carotin, Vitamin C, oftmals Vitamin E. Mit Folsäure! Folsäure ist ein kritischer Nährstoff in der deutschen Allgemeinbevölkerung. Da erreichen 90 Prozent nicht die Zufuhrempfehlung. Veganer liegen meistens deutlich über den Zufuhrempfehlungen. Auch Ballaststoffe!"

In den USA und Kanada sowie in England laufen große Studien über den Zusammenhang zwischen Ernährungsweise und Krankheitsrisiko. Dabei zeigte sich unter anderem, dass Veganer äußerst selten übergewichtig sind. Sie haben ein deutlich erniedrigtes Risiko für Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Darmkrebs.

In Deutschland ist die Datenlage äußerst dünn. Es gab zwar 'mal eine Vegan-Studie, wie sie hieß. Aber das ist mittlerweile 15 Jahre her. Kellers Institut will das jetzt ändern. Und plant eine Studie mit Säuglingen und Kindern, die von ihren Eltern vegan ernährt werden. Davon gibt es immer mehr. Das Problem im Moment: Keller hat zwar schon zwölfhundert Studienteilnehmer zusammen, wie er sagt - aber noch keinen Geldgeber.

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