Donnerstag, 14.12.2017
StartseiteWirtschaft und GesellschaftRegierung kündigt Kryptowährung "Petro" an04.12.2017

VenezuelaRegierung kündigt Kryptowährung "Petro" an

Die wirtschaftliche Lage Venezuelas ist verheerend, das Land hochverschuldet. Jetzt versucht der sozialistische Präsident Nicolás Maduro mit einer digitalen Währung aus der Misere zu kommen.

Von Anne-Katrin Mellmann

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Venezuelas Präsident Nicolás Maduro (AFP/FEDERICO PARRA)
Venezuelas Präsident Nicolás Maduro am 17.10.2017 vor einem Porträt des Landesvaters Simón Bolívar, nach dem auch die Landeswährung benannt ist (AFP/FEDERICO PARRA)
Mehr zum Thema

Venezuela Kein Geld für Malaria-Medikamente

Venezuela Die Staatspleite ist fast offiziell

Politische Krise in Venezuela Sicherheitskräfte gehen auf Distanz

Polarisierung in Venezuela Hunger als Waffe, Denunziantentum und Repression

Krise in Venezuela Gesundheitssystem ohne Seife und Klopapier

Venezuelas sozialistischer Präsident Nicolás Maduro will eine eigene Kryptowährung schaffen. In seiner fünfstündigen Fernsehsendung am Sonntag sagte Maduro, das digitale Geld mit dem Namen Petro werde das Land ins 21. Jahrhundert führen: "Damit werden wir unsere Währungshoheit zurückerlangen. Der Petro wird uns gegen die US-Finanzsanktionen helfen. Wir können neue Formen der internationalen Finanzierung schaffen, die der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung unseres Landes dienen. Gestützt wird der Petro durch unsere Reserven an Gold, Erdöl, Gas und Diamanten."

Wie genau mit dem Petro Finanzsanktionen umgangen werden sollen, ließ Maduro offen. Die USA haben im Sommer Sanktionen gegen einzelne Funktionäre Venezuelas verhängt - und gegen das Land. Unter anderem untersagen sie den Handel mit venezolanischen Staatsanleihen. Grund seien die Korruption und die diktatorische Politik der sozialistischen Regierung. Die Opposition macht sich über Maduros' Idee lustig. Das digitale Geld löse die katastrophalen wirtschaftlichen Probleme nicht.

Venezuela wird als "teilweise zahlungsunfähig" eingestuft

Die Währung Bolívar befindet sich im freien Fall: Im Vergleich zum Dollar verlor der Bolívar auf dem Schwarzmarkt im vergangenen Monat fast 60 Prozent. Am Schwarzmarktkurs orientieren sich die Preise für die knappen Lebensmittel. Ebenso wie Medikamente und Dinge des täglichen Bedarfs sind sie schon seit Jahren Mangelware. Im Land wird kaum noch produziert und dem Staat fehlt das Geld für Importe. Vor drei Wochen kündigte Präsident Maduro eine Umstrukturierung der Schulden an. Mehrere Ratingagenturen stuften das Land als teilweise zahlungsunfähig ein.

Venezuelas Staatshaushalt hängt ab vom Erdöl. Mehr als 90 Prozent der Exporteinnahmen stammen aus dem Öl. Durch Misswirtschaft und den gefallenen Ölpreis ist die Staatskasse jedoch leer.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk