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Verabschiedung des BundespräsidentenGlücksfall Gauck

Joachim Gauck hat dem Land als Bundespräsident gut getan, kommentiert Frank Capellan. Er habe die Freiheit zu seinem großen Thema gemacht und versucht Brücken zu bauen. Sein Nachfolger trete in große Fußstapfen: Anders als Steinmeier sei Gauck der Konfrontation nie aus dem Weg gegangen.

Von Frank Capellan

Bundespräsident Joachim Gauck hält am 07.02.2017 im Theater in Maastricht (Niederlande) eine Rede.  (dpa / picture alliance / Rainer Jensen)
Bundespräsident Joachim Gauck bei einer seiner zahlreichen Reden. Hier würdigt er den Maastricht-Vertrag. (dpa / picture alliance / Rainer Jensen)
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Glücksfall Gauck. Dieser Mann hat dem Land gut getan. Er hat dem Bellevue neuen Glanz verliehen, dem Amt nach den Rücktritten von Köhler und Wulff zu neuer Bedeutung verholfen. Wenn in diesen Minuten seine Ära endet, dürfen wir uns mit ein wenig Wehmut zurückerinnern.

Freiheit – sie hat der Pastor aus Rostock zu seinem großen Thema gemacht, der Bürgerrechtler, der einer Behörde einen Namen gab, die sich mit der Aufarbeitung des DDR-Unrechts beschäftigt. Dass sich Joachim Gauck zum Zapfenstreich am Abend die deutsch-deutsche Ballade "Über sieben Brücken musst Du gehen" gewünscht hat, klingt wie eine Überschrift seiner Amtszeit. "Freiheit, die ich meine!" wird für ihn gespielt und "Ein feste Burg ist unser Gott".

Er konnte unbequem sein

Gauck hat versucht, Brücken zu bauen. Als Werber für unsere Demokratie ging er auf Reisen, im Osten des Landes wurde der Ostdeutsche angepöbelt. Gauck sprach mutig vom "dunklen Deutschland" und stemmte sich gegen den Hass der Rechtspopulisten. Oft genug hat er Haltung bewiesen, getreu dem Luther-Wort: "Hier stehe ich, ich kann nicht anders!"

Er konnte unbequem sein, etwa als er sich weigerte dem russischen Präsidenten Putin bei den Winterspielen in Sotchi seine Aufwartung zu machen. Gauck setzte damit ein Zeichen gegen Menschenrechtsverletzungen – noch bevor die Lage im Osten der Ukraine eskalierte. Merkel war wenig begeistert. Nach Moskau reiste das deutsche Staatsoberhaupt nicht ein einziges Mal. Auch gegenüber der Türkei wählte der Bundespräsident schon vor Jahren deutliche Worte, zuletzt las er Donald Trump die Leviten und forderte Europa zur Einigkeit gegen Fremdenhass auf. "Wenn neue Mauern errichtet werden, dann ist die Welt, wie wir sie schätzen, bedroht!" 

Joachim Gauck hat die Macht des Wortes genutzt

In Deutschland hat er zugleich aber versucht, die zitierten Brücken zu bauen. Als Willkommenskultur und Überfremdungsängste aufeinanderprallten, versuchte er zu vermitteln:  "Unser Herz ist weit, die Möglichkeiten sind endlich!" Eine Warnung an die Kanzlerin. Angela Merkel, die Gaucks Wahl im zweiten Anlauf nicht noch einmal hatte verhindern können, musste in den letzten fünf Jahren einiges wegstecken. So soll es sein. Joachim Gauck hat die Macht des Wortes genutzt, 2014 etwa, als er Deutschland aufforderte, mehr Verantwortung in der Welt zu übernehmen, notfalls auch militärisch. Sein stets überaus diplomatisch agierender Nachfolger tritt ab Montag in große Fußstapfen. Anders als Steinmeier ist Gauck der Konfrontation nie aus dem Weg gegangen. Ein Glücksfall eben!

Frank Capellan, Hauptstadtstudio (Deutschlandradio / Bettina Straub  )Frank Capellan, Hauptstadtstudio (Deutschlandradio / Bettina Straub )Frank Capellan, geboren 1965 im Rheinland, studierte Publizistik, Neuere Geschichte und Politikwissenschaften, Promotion an der Universität Münster. Nach einer Ausbildung bei der Westdeutschen Zeitung folgte ein Volontariat beim Deutschlandfunk, dem er bis heute treu geblieben ist. Zunächst Moderator der Zeitfunk-Sendungen, unter anderem der Informationen am Morgen; seit vielen Jahren als Korrespondent im Hauptstadtstudio tätig, dort u. a. zuständig für die SPD, die Familienpolitik und Entwicklungszusammenarbeit.

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