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StartseiteUmwelt und VerbraucherFinanztip möchte unabhängig beraten21.04.2017

VerbraucherinformationenFinanztip möchte unabhängig beraten

Serie: "Gute" Lobbyisten

Das Webportal Finanztip bietet Beratung rund um Finanzfragen kostenlos an und wirbt damit, unabhängig zu sein. Normalerweise kostet das nämlich Geld, etwa bei Stiftung Warentest oder Honorarberatern. Das Portal finanziert sich durch Geldklicks auf die empfohlenen Finanzprodukte - Verbraucherschützer sehen das kritisch.

Von Caspar Dohmen

Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur des Magazins "Finanztip". (picture alliance / dpa / Karlheinz Schindler)
Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur des Magazins "Finanztip". (picture alliance / dpa / Karlheinz Schindler)
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Das oberste Stockwerk einer umgebauten Fabriketage in Berlin-Kreuzberg. In einem lichten Großraumbüro arbeitet die 30-köpfige Mannschaft von Finanztip. Über dem Eingang zu dem kleinen Büro des Chefredakteurs Hermann-Josef Tenhagen prangt der Spruch, "wir machen Verbraucher zur Macht".

"Den Verbrauchern die Macht geben, das ist unsere Aufgabe, das ist die Vision zu gucken. Wie schaffen wir es, dass die Verbraucher die Informationen bekommen, dass sie es richtig machen können. Und dass sie die Information so bekommen, dass man das als Verbraucher auch leisten kann."

Ermöglicht haben dieses Projekt ausgerechnet zwei ehemalige Investmentbanker von Goldman Sachs: Robert Hasselsteiner und Marcus Wolsdorf. Nach ihrer Zeit bei Goldman Sachs gründeten sie Interhyp, eine Onlineplattform für Immobilienkredite, und wurden durch den Börsengang zu Multimillionären. Geld hatten sie damit genug, nun wollten sie einen Teil zum Nutzen von Verbrauchern einsetzen, ihnen unabhängige Lösungen in Finanzfragen anbieten.

Stiftung soll Finanztip unabhängig halten

Als Chefredakteur gewannen sie mit Hermann-Josef Tenhagen den wohl bekanntesten Verbraucherjournalisten Deutschlands, lange Jahre Chef der zur Stiftung Warentest gehörenden Zeitschrift "Finanztest" und zudem ein Kapitalismuskritiker. Einig wurden sich die Drei nur, weil die Firma eine besondere Konstruktion bekam:

"Dann habe ich gesagt, ja, das finde ich eine spannende Idee, lass' uns mal gucken, wie wir das zusammen bekommen. Und dann haben wir im Frühjahr 2014 zusammengesessen und haben daraus eine gemeinnützige GmbH gemacht. Das heißt tatsächlich diesen Aspekt, dass dieses Unternehmen sich selbst tragen soll, versuchen soll, möglichst viel Leistung für die Verbraucher auf die Straße zu bringen, aber seine Gründer nicht wohlhabend machen soll, die sind nämlich schon wohlhabend. Tatsächlich auch zu formalisieren."

Finanztip ist gemeinnützig wie eine Stiftung und nicht gewinnorientiert. Gesellschaftszweck ist die Förderung der Finanzbildung. Gewinne dürfen generell nicht ausgeschüttet werden. Lediglich die Anschubfinanzierung, die die Gründer zur Verfügung gestellt haben in Form eines unverzinsten Kredites in Höhe einiger Millionen Euro könnte sukzessive zurückgezahlt werden.

"Wir sind im letzten Quartal '16 das erste Mal schwarz gewesen."

Etwas früher als gehofft. Und wie verdient Finanztip sein Geld?

"Die Affiliate-Verbindungen sind über 95 Prozent der Einnahmen."

Provisionen für Klicks und Verkäufe

Affiliate Links sind ein junges Onlinemarketinginstrument. Der Leser wird hierbei wie bei jedem gewöhnlichen Link auch zu einer anderen Website verbunden, nur in diesem Fall erhält Finanztip eine Provision, manchmal bereits für den Klick, meist jedoch erst, wenn ein Verbraucher ein Angebot bestellt oder einen Vertrag abschließt. Die Affiliate-Links sind durch ein Sternchen gekennzeichnet. Von bislang 300 Empfehlungen haben knapp zwei Drittel einen solche Link.

Das A und O für ein solches Portal ist Vertrauenswürdigkeit. Wichtig dafür ist vor allem eine glaubhafte Trennung von redaktionellen Tests und Empfehlungen auf der einen Seite sowie Finanzierung auf der anderen Seite. Finanztip verspricht dabei, in zwei Schritten vorzugehen: Zunächst ermittelten die Redakteure völlig unabhängig die besten Anbieter, ob für Strom, Haftpflichtversicherung oder Tagesgeldkonto.

"Dann haben wir eine Abteilung hier im Haus, die dann losziehen darf und mit dieser Lösung, die wir gefunden haben, gucken, ob man das monetarisiert bekommt über diese Affiliate-Verbindung."

Nicht jeder findet die Trennung immer gelungen. So stört sich Axel Kleinlein vom Bund der Versicherten über die vielen Hinweise auf Check 24, einen Internetmakler, der eine gewisse Unabhängigkeit suggeriere.

"Die hat er aber anscheinend nicht vollständig, er bekommt Provisionen und kann nicht alle Angebote vermitteln, die es auf dem Markt gibt."

Neben den Geldklicks gibt es noch weitere Einnahmen.

"Da kommt dann noch ein bisschen was dazu. Also, wenn der Tenhagen irgendwo medial auftritt und es gibt ein Honorar dafür, dann landet das in der Firmenkasse, genau wie bei allen Redakteuren auch. Und dann gibt es die Siegel."

Mit denen Unternehmen die von Finanztip ausgewählten Produkte kennzeichnen und bewerben können. Um die Unabhängigkeit zu gewährleisten, verzichtet dagegen Finanztip selbst auf gewöhnliche Werbung.

Die Grundidee der Affiliate-Links haben sich übrigens Investmentbanker ausgedacht. Als Chinese Wall bezeichneten sie die angebliche Trennung beispielsweise von Analysten und Verkäufern von Aktien, was erstere jedoch nicht davon abhielt, Empfehlungen auszusprechen, wenn Letztere Papiere loswerden wollten.

Die Zukunft von Finanztip als einem von Verbrauchern nachgefragten Ratgeber hängt ganz entscheidend davon ab, dass man anders als die Investmentbanker eine weiße Weste behält.

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