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StartseiteUmwelt und Verbraucher"Labels ersetzen auf keinen Fall das Denken und Handeln"17.05.2018

VerbraucherInitiative zu Gütesiegeln"Labels ersetzen auf keinen Fall das Denken und Handeln"

Blauer Engel oder DIN-Zeichen - es gibt an die 1.000 Gütesiegel: "Bio" und "Öko" seien im Lebensmittelbereich geschützt, in anderen aber nicht, sagte Georg Abel von der VerbraucherInitiative im Dlf. Er rät auf Internetportalen oder in Apps die Kennzeichnung nachzuschlagen.

Susanne Kuhlmann im Gespräch mit Georg Abel

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Zu sehen ist ein Haufen Limetten. Auf einer Limette befindet sich ein Aufkleber mit dem Bio-Siegel. (picture alliance / dpa / David Ebener)
Bio- oder Öko-Siegel sind im Lebensmittelbereich geschützt, müssen also entsprechende Standards erfüllen. (picture alliance / dpa / David Ebener)
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Susanne Kuhlmann: Der Blaue Engel, das DIN-Zeichen und einige andere mehr –Gütezeichen, Siegel und Label sollen Konsumenten die Kaufentscheidung erleichtern. Mit welcher Duschbrause spare ich Wasser, ohne an Komfort einzubüßen? Stammt der Apfelsaft von Früchten aus der Region, und wie erkenne ich ein fair produziertes T-Shirt? Es gibt Bereiche, die eine wahre Siegelflut produzieren, einen Kennzeichnungsdschungel, aus dem kaum herauszufinden ist.

Rund 1.000 Kennzeichen aller Art existieren mittlerweile. Wie lässt sich die Spreu vom Weizen trennen? Darum geht es in diesen Minuten in Bonn, wo die Verbraucher Initiative und das Deutsche Institut für Gütesicherung und Kennzeichnung, RAL, Ordnung in den Siegelwirrwarr bringen wollen. Vor dieser Sendung fragte ich Georg Abel, den Bundesgeschäftsführer der Verbraucher Initiative, welche Formulierungen Verbraucher skeptisch machen sollten, zum Beispiel, weil sie wie reine Werbeaussagen klingen.

Georg Abel: Wenn man also mit "Bio", "Öko", "umweltfreundlich" daherkommt, dann sollte man vorsichtig sein. Bio und Öko ist im Lebensmittelbereich geschützt, muss also entsprechende Standards erfüllen, in anderen Bereichen aber nicht. Neulich kam uns eine Teppichreinigung über den Weg, die eine Bioreinigung des Teppichs versprach, was immer das heißt. Das konnten sie uns dann auch nicht erklären. Das sind so Sachen, wo man vorsichtig sein muss.

Man muss sich auch angucken, ob dieser Begriff dann überhaupt für alles gilt, für das gesamte Produkt oder eventuell auch nur für Teilbereiche, und, ganz ehrlich: Formulierungen wie "kontrollierter Anbau" - wir finden das öfter mal im Lebensmittelbereich -, das ist auch nicht hilfreich, weil natürlich jeder Bauer guckt, ist es soweit, dass ich die Produkte ernten kann. Das hilft mir als Verbraucher ehrlicherweise nicht weiter.

EU- oder deutsches Biosiegel, Anbauverbände, Tests

Kuhlmann: Was hilft mir dann? Es gibt Eigennamen, es gibt Firmenlabels, Gütezeichen, Prüfzeichen, Testlabels auch noch. Wenn ich da stehe mit verschiedenen Flaschen Olivenöl, wie finde ich heraus, wie es um die Qualität der einzelnen bestellt ist?

Abel: Also der Lebensmittelmarkt ist ein Markt, der besonders viele Zeichen beinhaltet. Ich kann mich an der Region orientieren, ich kann mich an der Qualität. Also Bio zum Beispiel könnte ein Qualitätsmerkmal sein, dann muss da mindestens das EU-Biosiegel oder das deutsche Biosiegel drauf sein, das ist der Mindeststandard für ökologische Lebensmittel. Es kann aber auch sein, dass ein Zeichen der Deutschen Anbauverbände wie Demeter, Bioland oder Naturland enthalten ist, dann ist es in der Regel eine bessere Qualität an Bioprodukten. Ich kann mich aber auch orientieren an Testergebnissen.

Die Stiftung Warentest, die es ja seit Mitte der 60er- oder Öko-Test seit Mitte der 80er-Jahre gibt, haben immer wieder in ihren Testberichten Übersichten über die Qualität von solchen Produkten, nicht nur von Olivenöl, sondern von ganz vielen, und ganz ehrlich: Man muss sich halt eben bei den Testberichten angucken, was waren denn die Parameter, und wie sind diese einzelnen Parameter gewichtet worden. Also Labels sind auf der einen Seite hilfreich, aber sie ersetzen auf gar keinen Fall das Denken und das Handeln.

Kriterien für die Suche auf Internetportalen

Kuhlmann: Komme ich, wenn ich das richtig verstanden habe, nicht drum herum, ein bisschen zu recherchieren, was hinter den einzelnen Labels steckt?

Abel: Die Labels sind der schnelle Rat, und es gibt den schnellen Rat zum schnellen Rat sozusagen. Es gibt eine Reihe von Internetportalen in Deutschland, die den Verbraucherinnen und Verbrauchern helfen. Wie bei den Testzeitungen muss ich auch da gucken, nach welchen Kriterien gehe ich vor. Das größte und Test- und Bewertungsportal rund um Gütezeichen ist das Portal label-online.de. Dort werden rund 600 Zeichen bewertet mit einer Note und noch ungefähr 200 ohne eine feste Note, also insgesamt 800 Zeichen werden dort vorgestellt in 16 Kategorien. Also ich kann die Kategorie "Farben und Lacke" beispielsweise wählen, dann habe ich die entsprechenden Zeichen. Das ist Europas umfassendes Informationsportal, was es seit dem Jahr 2000 gibt. Da ist eine einheitliche Matrix zugrunde gelegt.

Man kann am Ende eine Note - in vier Stufen gibt es die - von "besonders empfehlenswert" bis "nicht empfehlenswert" sehen, und dann hat man den schnellen Rat zum schnellen Rat, und die gute Nachricht: Für unterwegs gibt es das als kostenlose App, sodass ich am Point of Sale, also am Einkaufsort, mir auch die Bewertungen auf den Bildschirm meines Handys holen kann. Es gibt weitere Internetportale, dazu zählt beispielsweise siegelklarheit.de, das ist von der Bundesregierung in Richtung nachhaltige Zeichen gemacht. Da gibt es vom Naturschutzbund unter Siegelcheck bei nabu.de auf der Webseite die Bewertung von Lebensmittelzeichen nach ökologischen Kriterien, und es gibt natürlich auch internationale Labelinfo aus der Schweiz zum Beispiel, die einem helfen.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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