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StartseiteVerbrauchertippEher Risiko-Kapital als Kaufvertrag18.12.2017

Verbraucherrechte beim CrowdfundingEher Risiko-Kapital als Kaufvertrag

Die "Crowd", der Schwarm, hat derzeit einen guten Ruf, klingt das doch irgendwie nach der angeblichen "Schwarmintelligenz". Crowdfunding und Crowdinvesting verheißen denn auch zumeist innovative Schnäppchen und Anlagen. Verbraucher sollten aber genau wissen, worauf sie sich dabei einlassen.

Von Jörg Stroisch

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Live-Crowdfunding in Berlin (Deutschlandradio / Caroline Schwarz)
Auch so kann es gehen: Live-Crowdfunding in Berlin: Jeder gibt so viel, wie er oder sie möchte. (Deutschlandradio / Caroline Schwarz)
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Crowdfunding ist das gemeinsame Investieren – also das Investieren der "Crowd", auf deutsch: "Masse" oder "Schwarm" -, in eine Idee. Das können reine Spenden sein. Oft ist es aber die Vorfinanzierung eines Produkts oder einer Dienstleistung. Karsten Wenzlaff, Geschäftsführer beim Bundesverband Crowdfunding, beschreibt die Möglichkeiten, die sich daraus ergeben:"In der Regel ist es so, dass die Leute deswegen eine Crowdfunding Kampagne unterstützen, weil sie wirklich Teil dieser Pioniere sein wollen, die es schaffen, irgendetwas Neues zu genieren. Also ich habe zum Beispiel auch oft interessantes Spielzeug finanziert, wo Leute eine coole Idee hatten und habe das dann bekommen."

Die Anzeigen auf den Crowdfunding-Plattformen klingen oft spannend: Ein Anbieter sucht Geld für eine tolle 360-Grad-Kamera, der nächste einfach für die Album seiner Band. Häufig mit starken Rabatten für die Leute, die früh in das Projekt investieren. Doch die Crowdfunding-Plattformen sind kein moderner Online-Shop. Die Risiken für Verbraucher zeigt eine Studie der amerikanischen Plattform Kickstarter: In rund zehn Prozent der Fälle schlug die Versendung der Belohnung fehl. Eines von zehn Projekten ging daneben. Immerhin: Viele Plattformen räumen den Investoren ein 14-tägiges Widerrufsrecht ein, wenn ihnen das Projekt doch nicht mehr gefällt – in Deutschland ist dies ohnehin gesetzlich verbrieft. Aber das bringt dann nichts mehr, wenn das Projekt schon läuft und dann scheitert. Deshalb rät Wenzlaff zur Information:

Was für Leute stehen hinter dem coolen Projektdesign?

"Das erste sicherlich sollte man darauf achten, ist die Plattform seriös. Und gerade so die deutschen Plattformen, die müssen ja auch nach deutschem Datenschutzrecht und nach deutschem E-Commerce-Recht und so weiter alles machen. Und das Zweite ist, dass man gucken sollte bei den Projekten, sind die Leute, die hinter dem Projekt, hinter der Kampagne selber stehen, sind die sichtbar?"

Eine betrügerische Absicht bei einer gescheiterten Crowdfunding-Kampagne sei unwahrscheinlich, so Wenzlaff. Dazu sei der Aufwand, aber auch die Kontrolle durch Plattformen wie etwa Indigogo, Kickstarter oder Startnext zu hoch. Aber natürlich ist ein Scheitern möglich.

Ein Zug des Crowdfunding-Unternehmens Locomore steht am  Hauptbahnhof in Stuttgart  (dpa)Das inzwischen insolvente Unternehmen Locomore brachte mittels Crowdfunding Züge auf die Schiene (dpa)Markus Feck, Experte bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, rät dazu, das sportlich zu sehen: "Die Plattform schließt dann in der Regel ja die eigene Haftung aus. Der Anleger, der dort Geld verliert, schaut im Zweifel in die Röhre, und weiß nicht, wo er sich da schadlos halten kann und deshalb auch da, es ist in gewisser Weise Spielgeld. Und das Spiel kann auch verloren gehen."

Bei aller Hippness uralte Finanztugenden nicht vergessen 

Spätestens wenn die Produzenten um zusätzliches Geld betteln, um ihr Projekt doch noch fertig zu stellen, sollten Verbraucher aber extrem vorsichtig werden, warnt Verbraucherschützer Markus Feck: "Da ist unsere Meinung, also man sollte gutes Geld schlechtem nicht mehr hinterherwerfen. Wenn ein Unternehmen jetzt auf den Anleger herantritt und sagt, wir brauchen noch Geld, nur dann funktioniert unsere Idee, sollte sich jeder Anleger das zwei Mal überlegen. Weil das hat ja schon einmal nicht funktioniert. Warum sollte es jetzt mit dem nachgeschossenen Geld auf einmal funktionieren?"

Vom Prinzip her gilt so auch für das hippe Anlegen und Kaufen über die Crowd eine uralte Finanztugend: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Sich genau über ein Projekt zu informieren, vermindert die Gefahr eines Totalausfalls.

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