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StartseiteVerbrauchertippEntschädigung bei Überbuchung von Flügen und Hotels22.03.2016

VerbraucherrechteEntschädigung bei Überbuchung von Flügen und Hotels

Viele Fluggesellschaften und Hotels nehmen Überbuchungen in Kauf, damit sie Stornierungen ausgleichen können. Vor allem in Urlaubshochburgen planen die Hoteliers schon vorab mit Ausfällen. Unter Umständen können Probleme entstehen, wenn dann doch alle Urlauber ihre Reise antreten. Welche Rechte haben Urlauber in solchen Fällen?

Von Susanne Lettenbauer

Reisende bringen am 19.07.2013 auf dem Flughafen in Düsseldorf ihr Gepäck zu den Flugschaltern. (dpa/Weihrauch)
Urlauber können gegen überbuchte Hotels und Flüge vorgehen. (dpa/Weihrauch)
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Vor vier Wochen freute sich die deutsche Abiturientin Emilia auf ihre Au-pair-Stelle in Sydney. Der Flug war von München nach Frankfurt gebucht, von dort nach Abu Dhabi mit Anschlussflug nach Australien. Am Umsteigeflughafen Frankfurt am Main begann dann die Odyssee:

"Da gab‘s schon in Frankfurt Probleme, weil wir fünf Au-pairs waren, die da eingecheckt haben und ich war die einzige, die noch ein Ticket bekommen hat, zu den anderen haben sie gesagt, dass sie in Abu Dhabi, wo wir umgestiegen sind, einfach an den Schalter gehen sollen und da ein neues Ticket kriegen."

In Abu Dhabi dann die Nachricht: Der Flug nach Sydney sei überbucht:

"Dann haben nur noch zwei von uns den Flug bekommen, weil er überbucht war und und keine Plätze mehr frei waren. Wir haben dann gefragt, ob nicht noch erste Klasse was frei ist, weil wir wirklich in Sydney sein müssen, weil wir abgeholt werden, da haben sie aber gesagt, da können sie nichts machen."

Flüge zu überbuchen ist heutzutage eine völlig gängige Praxis, kritisieren Fluggastrechtler. Damit wollen Fluggesellschaften verhindern, dass freie Sitze aufgrund von am Flugtag nicht erscheinenden Passagieren leer bleiben. Reisen jedoch alle an, dann muss die Fluglinie fragen, ob Passagiere freiwillig einen späteren Flug nehmen wollen. Ist das nicht der Fall kann der Reisende Ansprüche geltend machen, so die Beraterin der Verbraucherschutzzentrale Bayern Juliane von Behren:

"So ein überbuchter Flug gilt als Nichtbeförderung und da leitet die sogenannte Fluggastrechteverordnung Ansprüche für den Verbraucher her. Die Ansprüche sind zum Beispiel Betreuungsleistungen wie Mahlzeiten und kostenlose Telefonate, aber auch Ausgleichszahlungen oder einen Ersatzflug."

Man kann sowohl die Buchung stornieren und den gesamten Betrag zurückfordern, als auch die Betreuungs- und Ausgleichszahlungen sowie den Ersatzflug wählen. Je nach planmäßiger Dauer des Fluges - Kurz oder Langstrecke – fallen, gesetzlich festgelegt, bis zu 600 Euro Schadensersatzleistungen an. Ein Reisegutschein genüge nicht, betont die Verbraucherschützerin von Behren. Das Geld müsse in bar ausgezahlt werden.

Auch viele Hotels vor allem in Urlaubshochburgen wie Mallorca verkaufen regelmäßig mehr Übernachtungen, als sie eigentlich an Zimmern zur Verfügung haben. Schließlich sagen in der Regel fast immer ein paar Gäste kurzfristig ab. Falls es doch zum Problem kommt, haben die Kunden das Recht auf eine gleichwertige Unterkunft, heißt es von der Verbraucherschutzzentrale Bayern.

Urlauber können Ersatzhotel fordern

Wichtig ist da, dass man den Mangel erstmal anzeigt, weil ein überbuchtes Hotel ein Reisemangel ist. Man kann Abhilfe verlangen, sprich, ein gleichwertiges Ersatzhotel, was in der Kategorie gleichwertig ist, aber auch in besonderen Merkmalen, die dazu gebucht wurden.

Entspricht der Ersatz nicht dem ursprünglich gebuchten Hotel, so können Minderungsansprüche geltend gemacht werden. Wie viel, lässt sich im Internet nachschlagen. Orientierung geben die "Frankfurter", die "Kemptner" oder die "ADAC-Tabelle".

Im Einzelfall können Verbraucher sogar Schadensersatz wegen entgangener Urlaubsfreude einklagen. Der Gang zu einem Anwalt sei anzuraten, sagt die Verbraucherschützerin, dieser wird aber über eine normale Rechtsschutzversicherung abgedeckt.

Die Abiturientin Emilia und ihre Freundinnen hatten mit ihrem überbuchten Flug Pech. Da Etihad über Abu Dhabi fliegt, gilt der Flug nach Sydney trotz Buchung von München als außereuropäischer Flug und unterliegt damit nicht der europäischen Fluggastrechteverordnung.

 

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