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StartseiteForschung aktuellVereint gegen die Bedrohung14.10.2005

Vereint gegen die Bedrohung

Klinikhygieniker forcieren europaweiten Datenaustausch über multiresistente Krankenhauskeime

Medizin. - Bakterienstämme, die gegen die derzeit verfügbaren Antibiotika weitgehend resistent sind, haben inzwischen auch die deutschen Krankenhäuser erreicht. Der Anteil dieser so genannten methicillin-resistenten Stämme (MRSA) unter den weit verbreiteten Krankenhauskeimen Staphylococcus aureus beträgt mittlerweile 25 Prozent. Auf einem Workshop an der Universität Münster wurden Maßnahmen beraten, den Vormarsch der Keime zu kontrollieren. Alexander Friedrich vom Institut für Hygiene der Uniklinik Münster, einer der Organisatoren berichtete darüber im Deutschlandfunk. Die Fragen stellte Ralf Krauter.

Multiresistente Staph.-aureus-Stämme stellen eine Bedrohung dar. (Uni-Düsseldorf)
Multiresistente Staph.-aureus-Stämme stellen eine Bedrohung dar. (Uni-Düsseldorf)

Krauter: Herr Dr. Friedrich, wie kann man sich eine solche Kontrolle vorstellen?

Friedrich: Multiresistente Keime gibt es natürlich viele verschiedene Arten. Hier in diesem speziellen Fall geht es ja um MRSA. MRSA läßt sich unterscheiden, MRSA ist nicht gleich MRSA und man kann die Ausbreitung der verschiedenen MRSA-Gruppen oder auch MRSA-Klone, wie wir sagen, verfolgen, die Ausbreitung in einer bestimmten Region, einer Stadt, oder auch über die Grenzen hinweg, europa- und weltweit. Dazu ist es notwendig, daß Laboratorien diese MRSA klassifizieren mit speziellen Labormethoden und dann ihre Laborergebnisse miteinander vergleichen. Das besondere ist, daß die Laborergebnisse heutzutage auf der Basis des genetischen Fingerprints erstellt werden, und diese Informationen über die Bakterien lassen sich über das Internet austauschen, von Labor zu Labor. Grundsatz ist natürlich, daß man die gleiche Laborsprache spricht, und dann kann man Laborergebnisse austauschen, das war bisher nicht möglich.

Krauter: Wie ist dieses Netzwerk technisch aufgebaut?

Friedrich: Zunächst haben Sie einmal einen Patienten, und der ist erkrankt an MRSA oder er trägt diesen MRSA auf seiner Haut. Durch einen Abstrich, der durchgeführt werden muß, etwa in Deutschland oder in Griechenland wird dieser MRSA in einem Labor sichtbar. Der Befund geht zurück zum Patienten und der Patient wird möglicherweise therapiert. Mit diesem Befund machen aber nun die Laboratorien in Europa folgendes: Sie geben diesen Befund weiter an ein zentrales Labor in ihrem Land, in Athen, in Schweden in Stockholm oder in Berlin, und dort werden diese Erreger weiter typisiert. Und diese Information, diese Typisierungsinformation, der genetische Fingerabdruck kann nun mit einander ausgetauscht werden, um herauszubekommen, breiten sich gefährliche MRSA irgendwo in Europa aus, oder ist das Auftreten von MRSA das normale Hintergrundrauschen, das wir bisher kennen, so daß Gefahren durch diesen Austausch von Informationen schneller an die Bevölkerung herausgegeben werden können.

Krauter: Was bedeutet das konkret für ein betroffenes Krankenhaus?

Friedrich: Es ist so, daß ein Krankenhaus auch in Deutschland MRSA erfassen muß. Nun werden die sich aber fragen, wir sammeln all diese Daten, was nützen sie uns und vor allem unseren Patienten? Deutschland gehört zu den Ländern, in denen in den letzten Jahren die MRSA-Raten von zwei Prozent auf ungefähr 25 Prozent aller Staphylococcus aureus gestiegen sind. Ein Krankenhaus muß wissen, diese unterschiedlichen MRSA, die wir haben, sind die alle gleich, möglicherweise übertragen von Mensch zu Mensch, muß ich an meiner Qualität der Hygiene etwas verändern, oder sind all' diese MRSA unterschiedlich und ich kann eigentlich in meinem Krankenhaus gar nichts mehr machen, da muß dann möglicherweise der öffentliche Gesundheitsdienst der ganzen Region etwa tun. Aber das ist nur möglich, wenn ich diese unterschiedlichen MRSA mit Typisierung auch unterscheiden kann.

Krauter: Also gleiche MRSA in einem Krankenhaus wäre ein Indiz für einen Ausbruch, dann müßte man Hygienisch dagegen vorgehen?

Friedrich: Genau, dann hat das Krankenhaus die Information, aha, hier ist irgendwo ein Leck, aus welchem Grund auch immer, das kann auch immer passieren. Aber man hat dann die Sicherheit, hier muß ich etwas tun, hier muß ich gezielt etwas tun, und kann dann Maßnahmen umsetzen, kann dann prüfen, wenn weitere auftauchen, aha, die sind nun anders, mein Problem habe ich im Griff, das sind nur zufällig aufgetretene, die ich durch möglicherweise gezielteres Suchen jetzt auch finde. Ich kann die in der Sprache der Bakterien jetzt unterscheiden und meine Maßnahmen gezielt einsetzen, Ressourcen, die ja knapp sind, für Hygienekräfte, Gelder für Abstriche gezielt einsetzen, brauche nicht überall Schrotschußmethode anwenden und kann damit gezielt Ausbrüche eindämmen und kann neue Infektionen verhindern. Das ist, was wir eigentlich wollen.

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