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StartseiteKalenderblattVereint gegen die Briten06.02.2008

Vereint gegen die Briten

Vor 230 Jahren schlossen Frankreich und die USA einen Handels- und Bündnisvertrag

Es war ein ungewöhnliches Bündnis, das 1778 in Paris geschlossen wurde. Eine der ältesten Monarchien der Welt tat sich mit der jüngsten Demokratie zusammen. Frankreich und die Vereinigten Staaten vereinbarten, gemeinsam gegen Großbritannien zu kämpfen.

Von Ralf Geißler

Benjamin Franklin auf einem Ölgemälde aus dem Jahr 1762 von Mason Chamberlin. (AP Archiv)
Benjamin Franklin auf einem Ölgemälde aus dem Jahr 1762 von Mason Chamberlin. (AP Archiv)

An einem kühlen Dezembertag 1776 rollt eine Kutsche von der französischen Atlantik-Küste in Richtung Nantes. In dem Wagen sitzt, in einen Mantel eingemummelt, ein 70 Jahre alter Herr: Benjamin Franklin - Naturwissenschaftler, Philosoph, Erfinder und amerikanischer Diplomat. Vor über einem Monat ist er in den Vereinigten Staaten aufgebrochen. In Nantes angekommen schreibt er dem amerikanischen Kongress einen Brief:

"Unsere Reise war nicht lang, aber anstrengend, und ich fühle mich erschöpft. Aber täglich gewinne ich etwas Kraft zurück und schon bald werde ich nach Paris weiterfahren. Ich habe noch keinerlei öffentliche Angelegenheiten in Angriff genommen. Es scheint mir umsichtiger, zunächst herauszufinden, ob der französische Hof Abgesandte des US-Kongresses überhaupt offiziell empfangen will."

Franklin reist in schwieriger Mission. Er soll den französischen König überzeugen, als erster Monarch Europas die Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten anzuerkennen. Außerdem wünschen sich die Amerikaner einen Bündnisvertrag mit Frankreich, denn sie benötigen dringend militärische Hilfe.

Im Juli 1776 hatten sich die 13 britischen Kolonien Nordamerikas für unabhängig erklärt. Nun herrscht dort Krieg. Britische Truppen versuchen, die Macht für die Krone zurückzugewinnen. Die amerikanischen Milizen verteidigen ihre neue Freiheit tapfer. Doch ein Sieg gegen das mächtige britische Empire scheint ohne fremde Unterstützung fast unmöglich.

Während die amerikanische Armee um die Unabhängigkeit ringt, trifft Benjamin Franklin in Paris ein. Nicht nur wegen seiner Biberfell-Mütze fällt er überall auf. Franklin ist berühmt für seine spektakulären Erfindungen wie den Blitzableiter und für seinen Wortwitz. Die Damen der Pariser Salons sind entzückt von dem gebildeten, republikanisch gesinnten Greis, der einem Flirt nie abgeneigt ist. Franklin-Büsten, -Medaillons und -Schnupftabakdosen finden reißenden Absatz. Seiner Tochter schreibt Franklin nicht ohne Stolz:

"Mein Gesicht ist hier so bekannt wie das Gesicht des Mondes."

Allein der König will ihn nicht empfangen. Ludwig XVI. findet die Franklin-Schwärmerei unerträglich. Einer Hofdame schenkt er einen Nachttopf, auf dessen Boden ein Porträt Franklins mit erwartungsvollem Gesichtsausdruck aufgemalt ist.

Doch bei aller Antipathie weiß auch Ludwig: Frankreich und die jungen Vereinigten Staaten haben etwas gemeinsam - den Feind nämlich, das britische Empire. Und so schickt Ludwig heimlich Waffen an die amerikanischen Milizionäre. Als diese die britischen Truppen in der Schlacht von Saratoga überraschend schlagen, entschließt sich der König, mit Franklin doch zu verhandeln. Die absolute Monarchie erkennt als erstes Land der Welt die jungen Vereinigten Staaten an. Zwei Verträge werden ausgearbeitet. Am 6. Februar 1778 sind sie unterschriftsreif: ein Freundschaftsvertrag und ein Militärbündnis, dessen achter Absatz die für Amerika entscheidenden Worte enthält.

"Keine der beiden unterzeichnenden Parteien wird Frieden mit Großbritannien schließen, solange die andere Seite nicht zugestimmt hat. Und keine Seite wird ihre Waffen niederlegen, bis die Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten offiziell oder stillschweigend per Vertrag anerkannt wird."

Für die Vereinigten Staaten ist das Abkommen ein Durchbruch.

Wie vereinbart greifen französische Schiffe im Juni 1778 auf dem Atlantik die Briten an. Auch Spanien und die Niederlande treten nun in die Kämpfe gegen Großbritannien ein. Aus dem Unabhängigkeitskrieg ist ein internationaler Konflikt geworden. Im Herbst 1781 erleiden die Briten im amerikanischen Yorktown ihre entscheidende Niederlage. Im Frieden von Paris muss das Königreich den 13 amerikanischen Kolonien ihre Unabhängigkeit zugestehen.

Damit haben die Amerikaner ihr Ziel erreicht. Benjamin Franklin bleibt noch eine Weile in Europa. Er verhandelt wieder, diesmal allerdings nicht mit den Franzosen. Sehr zum Ärger von Ludwig XVI. wird nicht Frankreich der bevorzugte Handelspartner der USA, sondern das verhasste Großbritannien, das den Amerikanern trotz Unabhängigkeitskrieg mental viel näher ist als die absolute Monarchie.

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