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StartseiteVerbrauchertippKomplizierte Regelungen rund ums Erbe02.11.2017

Vererben im EU-AuslandKomplizierte Regelungen rund ums Erbe

Das Vererben von Vermögen ist selbst innerhalb der EU schwierig: Wer seinen Lebensabend zum Beispiel in Schweden verbringt, sollte am besten in seinem Testament festlegen, ob nach deutschem Recht vererbt wird und wo der Gerichtsstand sei soll.

Von Margret Bielenberg

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Ferienhaus auf Mallorca (Imago / Enters)
Spanisches Erbrecht für die Finca auf Mallorca und deutsches Erbrecht fürs deutsche Eigenheim? Das kann und sollte man alles in seinem Testament regeln (Imago / Enters)
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Christian Mendt lebt mit seiner Familie in Hamburg. Noch. Denn wahrscheinlich zieht es ihn in einigen Jahren ganz nach Schweden, wo die Familie ein Haus besitzt. Schon jetzt verbringen sie dort die meiste Zeit ihres Urlaubs. Über ein Testament hat er bisher nicht nachgedacht.

"Das ist ja EU, und vieles ist schon so angeglichen zwischen den Ländern, kann ich mir nicht vorstellen, dass das Erbrecht im anderen Land ganz anders sein soll."

Ist es aber. So erben nach schwedischem Recht beispielsweise zunächst die Ehepartner allein. Gemeinsame Kinder werden erst nach dem Tod des länger Lebenden bedacht. Das Erbrecht in der EU ist von Land zu Land unterschiedlich.

Festschreiben, ob nach deutschem Recht vererbt werden soll

Verstirbt ein Deutscher, der kein Testament gemacht hat und seinen gewöhnlichen Aufenthaltsort in einem anderen EU-Land hat, dann wird dortiges Erbrecht angewandt. Der gewöhnliche Aufenthaltsort ist zu ermitteln und der muss nicht unbedingt mit der Meldeadresse übereinstimmen, sagt Eva Proppe, Rechtsanwältin in Hamburg:

"Das ist natürlich schwierig, weil man sich darüber streiten kann. Und deswegen gilt eigentlich, dass man nur raten kann, dass man eine sogenannte Rechtswahl trifft, wenn man Sicherheit haben möchte, dass das, was man sich für seinen letzten Willen überlegt hat, auch eintritt. Und das bedeutet, dass ich wählen kann: Ich meinetwegen bin deutsche Staatsangehörige, ich kann für meinen Nachlass wählen, dass deutsches Recht anzuwenden ist. Egal, wo ich dann meinen gewöhnlichen Aufenthalt habe am Schluss."

Durch diese Rechtswahl kann ich festlegen, dass im Zweifelsfall das Recht meines Heimatstaates gilt – auch wenn ich dauerhaft im EU-Ausland lebe. Proppe:

"Ich kann also nicht, wenn ich ganz viel in Schweden lebe, sagen, ich möchte, dass schwedisches Erbrecht Anwendung findet. Das kann ich nur erreichen, indem ich dann keine Rechtswahl treffe und meinen gewöhnlichen Aufenthalt dort habe."

Gemeinschaftliches Testament ist auch möglich

Die Rechtswahl lege ich in einem Testament fest. Sie bezieht sich auf den gesamten Besitz. Der Vorteil dabei: Nur ein Gericht ist zuständig und nur ein Recht ist anzuwenden. [*]

Eheleute mit zwei Staatsangehörigkeiten müssen sich auf ein Erbrecht einigen. Wollen Ehepaare ein gemeinschaftliches Testament machen, ist das beim Notar möglich, aber auch formfrei und eigenhändig. Wichtig ist der Zusatz: Wir möchten, dass auf unseren gesamten Nachlass deutsches Erbrecht Anwendung findet. Außerdem sollte man eine Gerichtsstandvereinbarung festlegen, erläutert die Rechtsanwältin. Das erleichtert die Abwicklung. Wenn jemand vor allem in Schweden lebt und dann stirbt, ergibt sich folgendes Prozedere:

"Dann sind die schwedischen Gerichte für den Nachlass zuständig, auch wenn sie dann deutsches Erbrecht anwenden müssen, aber dann müssen die zum Beispiel, auch wenn sie Immobilien in Deutschland hatten – müssen schwedische Behörden dann den ganzen Nachlass dort abwickeln: Erbscheine für die deutschen Immobilien ausstellen. Das nennt sich dann europäisches Nachlasszeugnis."

Wer alles geklärt haben will, schreibt den Gerichtsstand fest

Zwar kann die Gerichtsstandvereinbarung auch noch von den Erben getroffen werden, doch wer vorab alles geklärt wissen will, fügt in seinem Testament hinzu, dass deutsche Gerichte zuständig sein sollen.


[*] Anmerkung der Redaktion: An dieser Stelle wurden zwei Sätze gestrichen. In ihnen wurde ein falsches Beispiel verwendet, was sich auf die Situation vor der 2015 in Kraft getretene EU-Erbrechtsverordnung bezieht. Durch die Neuregelung kann es nun nicht mehr zu einer Nachlassspaltung kommen. Es gilt in jedem Fall ein einheitliches Erbrecht, entweder das Recht des gewöhnlichen Aufenthaltsortes oder das durch Rechtswahl festgelegte Gesetz.

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