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StartseiteVerbrauchertippVergessene Schätze06.09.2017

Vererbte KontenVergessene Schätze

Fachleute schätzen, dass zwei Milliarden Euro auf sogenannten nachrichtenlosen Konten liegen. Das sind Konten, die vererbt werden. Doch die Erben wissen nichts davon. Um die Gelder aufzuspüren, haben sie 30 Jahre lang Zeit - danach verfallen sie an die jeweilige Bank.

Von Brigitte Scholtes

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Bildnummer: 53379985 Datum: 05.06.2009 Copyright: imago/blickwinkel Kontoauszug mit Haben und einem Edding bank statement with credit amount (imago stock&people)
Etwa zwei Milliarden Euro sollen auf vergessenen Konten von Angehörigen liegen (imago stock&people)
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Etwa zwei Milliarden Euro sollen auf vergessenen Konten von Angehörigen liegen. Das schätzen Fachleute, denn konkrete Zahlen gibt es nicht. Wer also das unbestimmte Gefühl hat, der verstorbene alleinstehende Onkel oder die Tante könnte irgendwo noch Geld bei einer Bank haben, der sollte nachforschen. Das aber ist leichter gesagt als getan, erklärt Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur von Finanztip:

"Wenn Sie bei den Sparkassen das Geld vermuten, können Sie beim Sparkassenverband nachfragen, ob bei irgendeiner Sparkasse so ein Konto ist. Wenn es eine private Bank ist, dann können Sie zum Bankenverband gehen und bei denen fragen. Wenn es eine Volksbank ist, dann müssten Sie beim richtigen Landesverband für die Volksbanken fragen, ob das da ist. Wenn mehrere Landesverbände in Frage kommen, müssten Sie halt mehrfach eine solche Frage stellen. Und wenn es die DKB wäre oder eine öffentliche Bank oder eine Bausparkasse, dann müssen Sie sogar bei jeder einzelnen nachfragen."

30 Jahre Zeit, um Konto zu finden

Jeder einzelne Bankenverband handhabt diese Anfragen also unterschiedlich und nicht immer ist die Nachforschung kostenlos - bei den Volksbanken etwa hängt das vom Umfang der Recherche ab. Gegebenenfalls muss man auch an verschiedenen Wohnsitzen der Verstorbenen nachforschen lassen. Womöglich hat er oder sie auch ein Konto in Liechtenstein oder in Luxemburg gehabt. Natürlich muss man bei einem Nachforschungsauftrag die entsprechenden Belege mitschicken, erklärt Tenhagen:

"Ich muss nachweisen, dass ich der Erbe bin und berechtigt bin. Und dann habe ich sogar 30 Jahre Zeit. Man kann das also nochmal rückwärts verfolgen. Wenn es die Großeltern betroffen hat, und es schon einige Jahre her ist, dass die verstorben sind, dann kann man immer noch an dieses Geld heran. Nach dreißig Jahren fällt das Geld auf dem Konto dann an die jeweilige Bank."

In anderen Ländern ist die Suche einfacher. In der Schweiz etwa gibt es ein zentrales Register. An das kann man sich wenden, wenn man vermutet, dass da noch irgendwo Gelder liegen. Der Aufbau eines solchen Registers ist den deutschen Banken womöglich zu mühsam. Doch die Erben haben einen Anspruch auf ihr Geld, sagt Sybille Wolf-Mohr, Präsidentin des Verbands Deutscher Erbenermittler, auch wenn die Umsetzung dieses Rechts sicher schwierig für die Geldhäuser sei:

"Natürlich können die Banken zu Recht sagen, dass es ein Bankgeheimnis gibt. Es könnte ab gewissen Beträgen eine Meldung erfolgen. Aus unserer Sicht könnte die dann zum Beispiel in Richtung des Nachlassgerichts erfolgen. Das Nachlassgericht könnte ab einer gewissen Summe tätig werden, um vielleicht eine Nachlass-Pflegschaft anzuordnen. Es könnte ein Register gemacht werden. Man sieht an Beispielen in der Schweiz, dass es auch Lösungen gibt, zentrale Meldungen zu machen, damit eben dieses Geld an die Erben gehen kann."

Im Vorfeld den Erben Bescheid geben

Dass nichts passiere, sei kein Zustand, das hatte auch vor einem Jahr der damalige Finanzminister Nordrhein-Westfalens, Norbert Walter-Borjans, angeprangert. Er aber wollte, dass dieses Geld dann an den Staat falle.

Wer verhindern will, dass sein Geld an Staat oder Banken fällt, sollte im Vorfeld schon dafür Sorge tragen, dass die Erben Bescheid wissen. Dazu müsste man vielleicht einfach nur etwas mehr miteinander kommunizieren. Und in Zeiten des zunehmenden Online-Banking wäre es wahrscheinlich auch sinnvoll, den Erben eine Liste oder einen Ordner aus Papier zu hinterlassen, damit die auch analog auf die Spur der Konten kommen können.

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