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StartseiteInformationen am MorgenAus Angst nicht zum Arzt24.07.2014

Verfolgung HomosexuellerAus Angst nicht zum Arzt

Der Kampf gegen HI-Virus und AIDS ist in einigen Ländern der Welt schwieriger geworden. Grund sind Gesetze gegen Homosexualität, etwa in Nigeria und Russland. Kranke Männer und Frauen fürchten, als Homosexuelle aufzufallen, wenn sie sich gegen die Krankheit behandeln lassen. Auf der AIDS-Konferenz in Melbourne forderten Wissenschaftler die Abschaffung der Gesetze.

Von Udo Schmidt

Ein Plakat mit der Aufschrift "End homophobic laws" zeigt einen wie eine Dragqueen geschminkten Wladimir Putin, im Hintergrund die Regenbogenflagge als Symbol der homosexuellen Bewegung. (AFP / Philippe Lopez)
Ein Plakat gegen die homophoben Gesetze in Russland, gezeigt auf einer Demonstration in Hongkong. (AFP / Philippe Lopez)
Weiterführende Information

Aids - Noch lange keine harmlose Krankheit (Deutschlandradio Kultur, Studio 9, 21.07.2014)
Welt-Aids-Konferenz - Aids zu beenden, ist sehr schnell umsetzbar (Deutschlandfunk, Interview, 21.07.2014)
Aids-Forschung - Traum von der Heilung (Deutschlandfunk, Wirtschaft im Brennpunkt, 20.07.2014)
Melbourne - Schweigeminute auf der Welt-Aids-Konferenz (Deutschlandfunk, Aktuell, 20.07.2014)
Welt-Aidskonferenz - UNAids mit sehr optimistischen Vorgaben (Deutschlandfunk, Forschung aktuell, 18.07.2014)

John lebt in Nigerias Hauptstadt Abuja. John ist schwul und fühlt sich ständig auf der Flucht, denn Nigeria hat Anfang des Jahres seine Gesetze gegen Homosexualität deutlich verschärft. Wer eine gleichgeschlechtliche Beziehung in der Öffentlichkeit zeigt, riskiert zehn bis 15 Jahre Haft.

John: "Manchmal fühle ich mich stark, und manchmal bekomme ich Panik: Wer wird mich heute verfolgen? Werde ich verhaftet? Ich bin häufig ängstlich und mutig gleichzeitig."

John versucht, sich möglichst unauffällig zu verhalten, gar nicht erst in Verdacht zu geraten. Das Leben in Nigeria werde für ihn zum Problem:

"Die Kosten stiegen, ich muss mich nach einer sicheren Bleibe umsehen, die ist teurer. Ich muss mehr Geld als früher ausgeben, das ist schmerzlich."

Die verschärften schwulen- und lesbenfeindlichen Gesetze in Nigeria haben einen direkten Einfluss auf die Aids-Rate im Land. Eine Behandlung, auch nur eine Beratung werde immer schwieriger, sagt Megan McLemore von Human Rights Watch:

"73 Prozent der schwulen Männer, die in eine bestimmte Klinik in der Hauptstadt Abuja kamen, um sich behandeln zu lassen - nicht nur wegen HIV - bleiben jetzt weg. Das ist ein direktes Resultat der verschärften Gesetze."

Die Internationale Aids-Konferenz in Melbourne setzt sich für die Aufhebung solcher Gesetze ein, nicht nur in Nigeria, auch in Uganda etwa oder in Russland. Dort hat Putin im vorigen Jahr zur Jagd auf Homosexuelle geblasen, mit dem sogenannten Propaganda-Gesetz, das schon das Sprechen über Homosexualität im Beisein von Kindern unter Strafe stellt. Megan McLemore:

"Das sind wirklich Monstergesetze, gerade in Nigeria und Russland, die das Leben aller Betroffenen, von Schwulen, Lesben und Prostituierten, massiv einschränken und Menschenrechte massiv verletzen."

Allerdings: Die Regierungen gerade in Nigeria oder Russland wirken nicht eben so, als würden sie sich schnell auf ausländischen Druck hin eines Besseren besinnen.

Die Auswirkungen sind bereits untersucht. Glen-Milo Santos von der Universität San Francisco:

"Die, die verhaftet oder verfolgt waren wegen gleichgeschlechtlicher Kontakte, haben deutlich weniger Zugang zu HIV-Hilfs- und behandlungsangeboten: Besonders schlimm sieht es für die Aids-Kranken aus, die verfolgt werden."

In Nigeria ist die Verschärfung der Gesetze erst wenige Monate alt, aber es lässt sich bereits eine Verschlechterung der Lage nachweisen. Sheree Schwarz von der Universität North Carolina:

"Es gab in diesen Monaten einen auffallenden Zuwachs an Klagen über Verfolgung, um gut 15 Prozent, und damit einhergehend die Angst, Beratungsangebote anzunehmen."

Ifeany kommt ebenfalls aus Nigeria, er ist Aids- und Schwulen-Aktivist und kämpft gegen die Gesetze, die ihm und anderen das Leben schwer machen. Das sei zwar gefährlich, sagt er, aber allein der Kampf helfe ihm auch:

"Man geht jeden Tag wirklich durch die Hölle. Aber wenn ich morgens aufwache, und daran denke, dass viele Menschen heute wieder verfolgt werden, erniedrigt, dann ermutigt mich dieser Gedanke auch, weiterzumachen."

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