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StartseiteSport am Wochenende"Es geht gar nicht mehr um Sport, sondern um Politik"28.01.2017

Vergabe der Olympischen Spiele 2024"Es geht gar nicht mehr um Sport, sondern um Politik"

Der Umgang mit Mexiko und die Einreiseverbote für Menschen aus Ländern des Nahen Ostens sind Kernstücke der Außenpolitik von Donald Trump. Mit Folgen für den internationalen Sport: Unter IOC-Mitgliedern braut sich eine Stimmung zusammen, die auf Kosten von Los Angeles gehen könnte, wenn im Herbst die Olympischen Spiele 2024 vergeben werden.

Von Jürgen Kalwa

IOC-Mitglied Richard Peterkin (dpa/picture alliance/RIA Nowosti/Vladimir Astapkovich)
IOC-Mitglied Richard Peterkin (dpa/picture alliance/RIA Nowosti/Vladimir Astapkovich)
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Er ist einer von gerade mal 105 Männern und Frauen, die über die Vergabe von Olympischen Spielen entscheiden. Er hat damit eine Stimme, die wirklich zählt. Zudem gilt er als Mann des Ausgleichs, auf den andere hören. Obendrein muss er keine Rücksicht auf taktische Geplänkel in der internationalen Sportpolitik nehmen: Richard Peterkin kommt von der kleinen Karibikinsel St. Lucia und ist 68 Jahre alt. Er wird das IOC demnächst aus Altersgründen verlassen.

Weshalb seine Ansichten in wichtigen Fragen Gewicht haben. Wie die über die im Herbst in Lima anstehende Vergabe der Olympischen Spiele 2024. Wo es für eine Stadt zunehmend schlechter aussieht:

"Es geht gar nicht mehr um Sport, sondern um Politik. Bei IOC-Mitgliedern weltweit macht sich das Gefühl breit, dass Amerika ein Land ist, das andere herumschubst. Wird diese 'America-First'-Politik so fortgesetzt, werden einige die Bewerbung einfach nicht unterstützen, auch wenn das NOK der USA nichts mit dem Präsidenten zu tun hat.”

"Trump sollte vorsichtig sein"

In einem Gespräch mit dem Deutschlandfunk warnte Peterkin Trump, der seit seiner Amtsübernahme einen Schlagabtausch mit dem kleineren und ärmeren Mexiko betreibt, und Menschen aus dem Nahen Osten die Einreise in die USA verbieten will:

"Es ist noch früh, aber er sollte in den nächsten Monaten vorsichtig sein, wenn sich die Meinung der Leute formt. Los Angeles muss sich darüber im Klaren sein, dass es andere gute Kandidaten gibt. Paris hat sich schon früher beworben und ist in der Lage, die Spiele auszurichten.”

Los Angeles' Bürgermeister Eric Garcetti verkündet am 25. Januar 2017 die Zustimmung des Stadtrates zur Olympia-Bewerbung 2024. (Mark RALSTON / AFP)Erst vor drei Tagen hatte Los Angeles' Bürgermeister Eric Garcetti die Zustimmung des Stadtrates zur Olympia-Bewerbung 2024 verkündet. (Mark RALSTON / AFP)

Die kritischen Bemerkungen passen zu der Stimmung, die sich unter IOC-Mitgliedern gegenüber einer anderen Sportgroßmacht entwickelt. Die Strafe für Russland und sein staatlich gelenktes Dopingsystem könnte allerdings schärfer ausfallen. Bei der Entscheidung über eine Komplettsperre in Rio war Peterkin noch dem Vorstand mit Präsident Thomas Bach an der Spitze gefolgt, trotz seiner Vorbehalte, was den Umgang mit der Whistleblowerin Julia Stepanowa betraf.

Russland: Mangel an Einsicht

Doch seit dem McLaren-Report sieht er die Sache anders. Und es gefällt ihm gar nicht, dass die vom IOC initiierten Untersuchungsberichte noch immer nicht vorliegen:

"Wir müssen das in den nächsten Monaten entscheiden. Auf der Basis all der Beweise und neuen Informationen. Und wir müssen mutig genug sein, falls nötig, die radikale Lösung zu beschließen - die sogenannte 'nuclear option'. Andernfalls werden wir nie wieder respektiert.”

Die "nuclear option”? Der Ausschluss Russlands von den Winterspielen in Pyeongchang. Einer der Gründe für eine solche Strafe haben die Russen selbst geliefert, sagt Peterkin: der Mangel an Einsicht.

"Ich hätte gerne, dass Russland akzeptiert: Dies war eindeutig das Problem eines ganzen Landes. Und dass man sich entschuldigt - bei der ganzen Welt, bei Sportlern, dem IOC. Weil man den Sport in Russland in Verruf gebracht hat.”

 

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