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Vergessene Dynastie

Die Ausstellung "Europa Jagellonica" im Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte in Potsdam

Von Frank Hessenland

Eine Glasmalerei (um 1500) aus der Pfarrkirche in Langenburg zeigt den Markgrafen Friedrich d.Ä. von Brandenburg-Ansbach und Sophia Jagiellonica.
Eine Glasmalerei (um 1500) aus der Pfarrkirche in Langenburg zeigt den Markgrafen Friedrich d.Ä. von Brandenburg-Ansbach und Sophia Jagiellonica. (picture alliance / dpa /Bernd Settnik)

Die Jagiellonen waren eines der mächtigsten Königshäuser des Mittelalters. In ihrer kulturellen Blütezeit Anfang des 16. Jahrhunderts regierten sie über weite Teile Mitteleuropas. Eine Ausstellung in Potsdam erinnert an die Kunst und Kultur der litauisch-polnischen Dynastie.

Zweimal in der Geschichte prägte ein Jagellone die Geschichte Europas entscheidend. Zweimal geschah das durch einen Religionswechsel. Das erste Mal trat der heidnische Großfürst Jagiello von Litauen 1376 zum römisch-katholischen Glauben über und konnte damit der polnische König Wladislaus II. Jagiello werden. Damit beendete er die Expansion des Deutschen Ritterordens in den slawischen Osten. Das zweite Mal erlaubte ein katholischer Jagellone 1425 dem letzten Großmeister dieses Ordens den Übertritt zum Protestantismus, sofern dieser seine Gebiete, das spätere Preußen Polen angliederte. Unter den Jagellonen vergrößerte sich das polnisch-litauische Staatsgebiet so sehr, dass ein riesiger Raum entstand, der heute ganz Ostmitteleuropa umfasst, sagt Jiri Fajd Historiker an der Uni Leipzig und Kurator der Ausstellung "Europa Jagellonica".

"Die Jagellonen sind eine litauisch-polnische Dynastie, die in der Zeit um 1500 weite Gebiete Ostmitteleuropas beherrscht hat. Ihre Herrschaftsterritorien erstreckten sich zwischen der Ostsee und den Stränden des Schwarzen Meeres und der Adria."

90 teils spektakuläre Ausstellungsstücke hat der Historiker Jiri Fajd in zwölfjähriger Arbeit, unterstützt von der Deutschen Forschungsgemeinschaft, der katholischen Kirche sowie den Ländern Polen, Tschechien und Ungarn im Haus der Brandenburg-Preußischen Geschichte in Potsdam zusammengetragen.

"Hier sind wir noch in Böhmen, hier Mähren mit diesem ganz schönen donauländischem Relief."

Darunter sind spätmittelalterliche Altarbilder, Heiligenschnitzereien, Paradeschilder, Porträtmalereien, historische Dokumente, reich verzierte Pokale.

"Und hier drei Stücke aus der Lausitz, Bautzen, aus der Schatzkammer der St. Petri Kirche dort und schließlich Schlesien mit so einem Textilfragment."

Die Musealien und sakralen Gegenstände der Ausstellung belegen vor allem die kulturelle Zwitterstellung des Jagellonischen Reiches. Einerseits beendeten die Jagellonen mit ihrer Selbstchristianisierung den seit den verlorenen Kreuzzügen andauernden aggressiven Versuch des Deutschen Ritterordens, den heidnischen Osten mit Gewalt zu erobern und zu zwangschristianisieren. Andererseits verbanden sie sich durch geschickte Heiraten selbst mit allen wichtigen deutschen Adelsgeschlechtern von den Wittelsbachern über die Habsburger bis zu den Hohenzollern. Und sie ließen deutsche Kaufleute, wie westeuropäische Künstler ihr Herrschaftsgebiet kulturell prägen. Damit dient ihre Geschichte in Ostmitteleuropa sowohl als Vorläufer der aggressiven, nationalistischen Idee des "Großpolen vom Meer zum Meer" als auch als Vorbild einer weichen kulturellen Westintegration in die Europäische Union. Kurator Jiri Fajd ist in Potsdam eher wichtig:

"Dass es einmal zusammengehört habe und dass es heute, wenn wir wirklich historisch vorgehen wollen, dass wir grenzüberschreitend denken müssen, dass wir unabhängig von den jetzigen Staatsgrenzen die künstlerischen und kulturellen Prozesse auch betrachten müssen. Das ist die Botschaft. Es klingt zwar selbstverständlich aber es ist gar nicht selbstverständlich. Auch hierzulande. Ich würde gar von mentaler Osterweiterung sprechen aus der deutschen Sicht."

Die Ausstellung "Europa Jagellonica" enthält sich weitgehend politischen Festlegungen. Die Binnenstruktur bilden Bereiche über die Kunst im Herrschaftsgebiet, die Ökonomie, Geistesgeschichte sowie den Stammbaum der Herrscher. Dort aber, wo es hochspannend würde, dort wo man lernen könnte, das Gebiet von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer als Konfliktgebiet mächtiger Interessen und Kulturen zu sehen, - vom osmanischen Islam, über das katholische Habsburgerreich bis zum orthodoxen Russland, dem protestantischen Preußen dem Nationalsozialismus und Realsozialismus wurde es ja mehrmals dramatisch überformt - dort schweigt die Ausstellung. Bedauerlicherweise ist nicht einmal die deutsche Besiedlung von Böhmen bis Siebenbürgen anhand der polnischen, tschechischen und ungarischen Kartenbeschriftungen zu erahnen - vermutlich, weil daran in Tschechien ungern erinnert wird. Was dennoch bleibt, ist eine handwerklich exquisit präsentierte Ausstellung mit poetischen Kunstwerken vom Ende des Mittelalters über die Vergänglichkeit der Welt.

Mehr zum Thema:
Die Ausstellung "Europa Jgellonica" im Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte ist vom 1. März 2013 bis zum 16. Juni 2013 in Potsdam zu sehen.

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