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StartseiteWissenschaft im BrennpunktSchlaue Fische18.03.2018

VerhaltensbiologieSchlaue Fische

Merkfähigkeit und Sozialverhalten werden Fischen gewöhnlich nicht zugeschrieben. Dabei verfügen einzelne Fische über erstaunliche Intelligenz. Der Verhaltensbiologe Jonathan Balcombe gibt im Sachbuch "Was Fische wissen" eindrückliche Beispiele.

Von Michael Lange

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Tigersalmler (imago/imagebroker)
Der Tigersalmler in Afrika muss lernen, Vögel zu fangen. (imago/imagebroker)
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Durch die Beobachtung der Natur musste die Menschheit einsehen, dass vieles was sie für typisch menschlich hielt, auch bei Tieren vorkommt. Zunächst fand man intelligentes Verhalten bei anderen Primaten, dann bei weniger eng verwandten Säugetieren und dann bei Vögeln. Jetzt sind die Fische dran. Sie können viel mehr, als wir ihnen zutrauen.

Eindrucksvoll beschreibt der Verhaltensbiologe Jonathan Balcombe außergewöhnliche Lernleistungen der Fische. So erlernten Tigersalmler in Afrika wie man als Fisch Vögel fängt. Wenn Schwalben mit Höchstgeschwindigkeit in 40 Zentimeter Abstand über der Wasseroberfläche fliegen, kann es passieren, dass ein Fisch aus dem Wasser schießt und sich eine Schwalbe greift. Damit das gelingt, braucht es jede Menge Übung. Die Fische müssen die Brechung des Lichts ebenso berechnen wie die Geschwindigkeit der Vögel. Irgendwann schaffen sie es und geben ihr erlerntes Wissen an spätere Fischgenerationen weiter.

Unterwasser-Landkarte im Kopf

Eine Grundelart namens Frillfin Goby prägt sich bei Flut die Oberfläche des Meeresbodens so genau ein, dass sie bei Ebbe weiß, wie sie aus einem Gezeitentümpel in den nächsten springt, ohne dass sie diesen sehen kann. Die kleinen Fische haben eine Karte im Kopf angelegt, die sie nach Jahren nicht vergessen haben. Auch das soziale Zusammenleben der Fische ist vielfältiger und ausgeklügelter als allgemein angenommen. Einzelne Fische kennen einander, kooperieren, bilden lebenslange Freundschaften und wissen im Schwarm, wo sie hingehören.

Warum Wissenschaftler die Fähigkeiten der Fische so lange übersehen haben, hat viele Gründe. Intelligenztests für Tiere sind meist so konstruiert, dass die Tiere am besten abschneiden, deren Lebensumfeld dem unsrigen am ähnlichsten ist. Fische haben deshalb meist schlechte Karten. Sie müssen ganz andere Herausforderungen meistern als Tiere an Land. Ihre Intelligenz ist für uns nicht so einfach zu verstehen, weil sie sich von unserer unterscheidet. Jonathan Balcombe gelingt es, seine Leser in die Welt der Fische zu entführen. Als kundiger "Fischversteher" gibt er den stummen Wasserwesen eine Stimme.

Jonathan Balcombe: Was Fische wissen. Wie sie lieben, spielen, planen: unsere Verwandten unter Wasser
Aus dem Englischen von Tobias Rothenbücher
Mare-Verlag, 352 Seiten, 28 Euro

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