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StartseiteKommentare und Themen der WocheDamoklesschwert des Totalverlustes bleibt11.08.2017

Verkauf von SolarworldDamoklesschwert des Totalverlustes bleibt

Ausgerechnet der Mann, der Solarworld bereits zwei mal an den Abgrund geführt hat, darf jetzt noch einmal versuchen, das Ruder herumzureißen. Zwar habe sich die Technik rasant entwickelt und die Branche boomt, aber das Unternehmen werde nur in einer mittelständischen Nische überleben können, meint Georg Ehring.

Von Georg Ehring

Der Vorstandsvorsitzende des Solar-Modul-Herstellers Solarworld, Frank Asbeck, präsentiert am 27.03.2014 in Bonn (Nordrhein-Westfalen)  (dpa)
Die Rettung kam aus Katar: Der ehemalige "Sonnenkönig" Frank Asbeck darf noch einmal ran. (dpa)
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Zwei Mal hat Frank Asbeck den von ihm gegründeten Solaranlagen-Hersteller Solarworld bereits an den Rand des Abgrunds geführt, jetzt darf ausgerechnet er noch einmal einen Neustart wagen: Zusammen mit Geldgebern aus dem Golfemirat Katar wird der einst als "Sonnenkönig" bekannte Asbeck versuchen, das Ruder bei Solarworld doch noch herumzureißen. Die Gläubiger mussten dem Vorschlag wohl zustimmen, ein Totalverlust wäre die Alternative gewesen.

Auch wenn das komplette Aus vorerst vermieden wird: Das ehemalige Flaggschiff der deutschen Solarindustrie ist Geschichte, das ist bitter vor allem für über 1.200 Beschäftigte in Sachsen und Thüringen sowie in Bonn, die jetzt ihren Arbeitsplatz verlieren. Übrig bleibt ein mittelständisches Unternehmen mit weniger als 500 Mitarbeitern, dessen langfristige Zukunft keineswegs gesichert ist.

Der Niedergang der deutschen Solarindustrie

Solarworld geht es damit ähnlich wie anderen Herstellern von Photovoltaikanlagen: Von der deutschen Solarbranche, die einst die ganze Welt mit Sonnenstrom beglücken wollte, ist kaum etwas übrig geblieben. Die meisten Hersteller mussten vor der Konkurrenz aus Fernost die Segel streichen. Deren Rezept ist die schiere Größe und Produktion in Billiglohn-Ländern: Die Stückkosten sinken dadurch immer weiter. Überkapazitäten in China drücken die Preise zusätzlich - zum Vorteil für die Kunden und für die Umwelt, zum Nachteil für die Solarindustrie im Hochlohnland Deutschland.

Die Branche hat versucht, sich mit Subventionen und Schutzzöllen zu retten, gerade Frank Asbeck war hier ein Wortführer. Doch es hat sich gezeigt, dass das auf Dauer keine Rezepte sind. Der Versuch, den Wandel aufzuhalten, konnte nicht funktionieren.

Die Bundesregierung hat die Solarwirtschaft erst gehätschelt und dann mit drastisch gesenkten Einspeisevergütungen und engen Obergrenzen für den Ausbau der Stromgewinnung aus der Sonne abgewürgt - auch diese unstete Politik hat zum Niedergang der Branche beigetragen.

Neuer weltweiter Aufschwung der Technologie

Dabei ist die Technik viel erfolgreicher als selbst Optimisten das erwartet hätten. Jahr für Jahr gibt es neue Rekorde bei Produktion und Installation - vor allem in Entwicklungs- und Schwellenländern. An Deutschland ging der Boom in den vergangenen Jahren vorbei, doch inzwischen gehen die Zahlen auch hierzulande wieder nach oben, der Preisverfall macht es möglich.

Die Chance für die geschrumpfte deutsche Solarbranche liegt in der Kooperation mit den Großen, in maßgeschneiderten Produkten für kleinere und technisch besonders anspruchsvolle Märkte. Mit Batterien wird es immer besser möglich und auch wirtschaftlich, Solarstrom für den Eigenbedarf selbst zu speichern und zu verbrauchen.

Eine neue Solarworld wird ein mittelständisches Unternehmen sein, das in einer von Weltkonzernen dominierten Branche eine Nische suchen muss. Ob der ehemalige Sonnenkönig Frank Asbeck dafür der richtige Mann ist, das muss sich erst noch zeigen. Das Damoklesschwert des Totalverlustes schwebt jedenfalls auch über der neuen Gesellschaft unter alter Führung.

Georg Ehring  (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Georg Ehring (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Georg Ehring, Jahrgang 1959, hat in Dortmund Journalistik und Politikwissenschaften studiert, später an der Fernuniversität Hagen Volkswirtschaft. Er arbeitet beim Deutschlandfunk als Redaktionsleiter Wirtschaft und Umwelt. Berufliche Stationen zuvor waren die zentrale Wirtschaftsredaktion der Nachrichtenagentur Reuters in Bonn und zuvor in den 1980er Jahren freiberufliche Tätigkeit überwiegend für den WDR in Dortmund.

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