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StartseiteUmwelt und VerbraucherKampf gegen Monokultur und Klimawandel 09.12.2015

Vermächtnis eines Multi-MillionärsKampf gegen Monokultur und Klimawandel

"Wir müssen Konsum, Verbrauch und Technologisierung reduzieren. Ich möchte nicht als ein weiterer Dummkopf sterben, der das verleugnet." Der US-amerikanische Umweltaktivist und frühere Modeunternehmer Douglas Tompkins, der am 08.12.2015 starb, widmete die letzten 25 Jahre seines Leben dem Kampf gegen Monokulturen und gegen Klimawandel, vor allem in Südamerika.

Von Anne Herrberg

Der US-amerikanische Umweltaktivist und Öko-Unternehmer Douglas Tompkins auf seinem Grundstück in argentinischen Provinz Corrientes. (AFP / Daniel Garcia)
Der US-amerikanische Umweltaktivist und Öko-Unternehmer Douglas Tompkins hatte in den 60er-Jahren mit den Modemarken Esprit und The North Face Millionen gemacht. (AFP / Daniel Garcia)

Nun ist die Wolkendecke doch noch aufgerissen, das muss ausgenutzt werden. Douglas Tompkins klettert in seine Husky, ein rot-weißes Propellerflugzeug und startet durch – in den weiten Himmel der argentinischen Pampa.

Unten zieht eine triste, graubraune Einöde vorbei – kilometerweit nur brachliegende Sojafelder. Doch dann, mittendrin: Tompkins Öko-Farm Laguna Blanca, sie sieht aus wie ein Bild von Paul Klee. Eine Explosion aus Farben, Formen und Konturen, scharf gezeichnet vom späten Licht der Abendsonne.

Amerikas berühmtester und radikalster Umweltschützer

"Dort die Hölle und hier das Paradies. Hier gibt es gesunde Böden, dort eine tote Fläche, die nur mit Pestiziden funktioniert. Es werden Monokulturen produziert. Sie verpesten die Umwelt, ruinieren das Klima. Und dazu verunstalten sie auch noch die Landschaft."

Er ist Amerikas berühmtester und radikalster Umweltschützer: Douglas Tompkins: Mit den Modemarken Esprit und The North Face hat er in den 60er-Jahren Millionen gemacht. Vor 25 Jahren stieg Tompkins aus: Seitdem kauft er mit seiner Frau Kris Land in Südamerika, mehr als 10.000 Quadratkilometer sollen es inzwischen sein. Sie verwandeln es in Nationalparks – oder in ein landwirtschaftliches Versuchslabor wie Laguna Blanca.

Das hörst du auf den Feldern der Nachbarn nicht, Insekten, Vögel, die Natur, sagt Eduardo Chorén. Zurück auf dem Boden geht es im Geländewagen des Verwalters weiter. Aus dem Gemälde von Paul Klee werden Felder, Gerste, Weizen oder Leinen, Koriander, Raps oder Kürbis.

"Die Ästhetik ist sehr wichtig auf dieser Farm – aber sie ein Nebeneffekt aus dem Ökoanbau: Wir wechseln ab, säen direkt und in Terrassensystemen, damit schaffen wir natürliche Barrieren gegen Krankheiten, denn wir benutzen keinerlei Chemie. Die Bewässerungskanäle schützen vor Erosion. Nach sieben Jahren enthalten unsere Böden doppelt so viel Humus wie vorher, unser Land ist mehr wert."

99 Prozent der argentinischen Landwirte setzen auf Monokulturen

Und: Je mineralstoffreicher die Böden, umso mehr Kohlenstoffdioxid binden sie – statt es in die Atmosphäre abzugeben. Laguna Blanca hat 3.000 Hektar, davon werden 1.200 bewirtschaften und auf 45 wird mit neuen Sorten experimentiert. Die Nachbarn lachten am Anfang: allesamt Sojabauern, die auf Masse, Monokultur und Unmengen Stickstoffdünger setzen, wie 99 Prozent der argentinischen Landwirtschaft. Nun kommen sie ab und an vorbei und gucken – und nicht nur sie: Auch Ralf Kuhnert macht Fotos, Notizen, nimmt Proben. Der Deutsche ist Agraringenieur und leitet den Rohstoffeinkauf einer Biokosmetikfirma – er will von hier Leinsamen beziehen:

"Diese Sojabohnen, die da draußen produziert werden, die bringen ja unglaubliche Kosten mit, die überhaupt nicht gerechnet werden. Was passiert mit dem Trinkwasser, was passiert mit dem Nitrat, das im Boden landet, gerade, wenn man das Drumherum sieht, sieht man wie einzigartig das hier ist, dass der Douglas Tompkins sagt, ich will das anders machen und ich will zeigen, dass es geht, das finde ich unglaublich."

Alles andere ist Wahnsinn – das, vielmehr, ist die Überzeugung des 72-jährigen Aktivisten Tompkins, es ist eine Beschleunigung der Klimakatastrophe, pure Selbstzerstörung:

"Ich halte es für umsichtig, intelligent, logisch, notwendig, unser Entwicklungsmodell zu hinterfragen. Unser Paradigma von Fortschritt. Wir müssen Konsum, Verbrauch, Technologisierung et cetera reduzieren. Ich möchte nicht als ein weiterer Dummkopf sterben, der das verleugnet."

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