• Deutschlandfunk bei Facebook
  • Deutschlandfunk bei Twitter
  • Deutschlandfunk bei Google+
  • Deutschlandfunk bei Instagram

 
Seit 21:05 Uhr Musik-Panorama
StartseiteForschung aktuellDas Smart Home gibt sich wenig clever 23.11.2015

Vernetztes WohnenDas Smart Home gibt sich wenig clever

Viele Elektronik-Konzerne haben das sogenannte Smart Home als neuen Wirtschaftszweig entdeckt. Nur: Wenn Kühlschrank, Türklingel und Herd miteinander kommunizieren sollen, müssen sie auch eine gemeinsame Sprache sprechen. Doch genau da hapert es seit Jahren. Jeder Hersteller kocht sein eigenes Süppchen. Auf dem Wireless Congress in München wurde diskutiert, wie das Problem zu lösen ist.

Von Jan Rähm

Smart home - im "Schlauen Zuhause" wird nahezu alles gesteuert über einen Computer (picture alliance / dpa / Uli Deck)
Noch nutzen die Technikausrüster fürs intelligente Heim verschiedene Funk- und Vernetzungstechnologien und setzen auf unterschiedliche technische Standards. (picture alliance / dpa / Uli Deck)
Mehr zum Thema

 Vernetzung von Dingen

Smart-Home Schwachstellen im vernetzten Haus

Sicherheit im Smart-Home Der Markt wird wohl eher noch unübersichtlicher

Oliver Fischer vom Unternehmen Digital Concepts steht vor einem Tisch. Darauf ausgebreitet viele kleine und winzige Gerätschaften. Dahinter ein großer Fernseher. Rechts vom Tisch hängt eine silbrige Kiste, etwa so groß wie vier Zigarettenschachteln an einem Aufsteller.

"Wir sehen hier EnOcean-Geräte, Sensoren. Also wir haben hier Temperatursensoren, wir haben Bewegungsmelder, wir haben Wassersensoren, wir haben Fensterkontakte, Schalter, Taster, Strommessung - alles, was man sensen kann, macht EnOcean. Diese Geräte werden mithilfe dieser Büchse, dieses silbernen Gateways übersetzt."

Auf dem Fernseher laufen die Informationen der Geräte zusammen. Dort legt Oliver Fischer fest, was die Geräte tun sollen und wer mit wem interagiert.

"Ich zeige Ihnen eine Regel. Das ist ein Wassersensor. Den kann man auf den Boden legen. Der hat keine Batterie. Der lebt einfach nur mechanisch. Und zwar der hat ein Material, das bei Wasserkontakt schwillt, und wenn es schwillt, lösen wir einen Funksensor aus. Im Fernsehen haben wir gerade gesehen "Leak detected" und das Wasserventil schließt den Hahn.

Dass der Wassersensor mit dem Ventil kommunizieren und ihm Befehle geben kann, ist nicht selbstverständlich. Noch nämlich nutzen die Technikausrüster für's intelligente Heim verschiedene Funk- und Vernetzungstechnologien und setzen auf unterschiedliche technische Standards, erklärt Avi Barel von der ULE Alliance durchaus selbstkritisch.

"Das Problem ist, jede Allianz bevorzugt die eigene Technologie, ihre Sicht der Dinge. Sie achten nicht auf Interoperabilität, nicht auf die Konsumenten. Das ist zu sehr aus Ingenieurssicht gedacht. Unser Ziel muss sein: Einfach nutzbare Produkte, die den Konsument erfreuen. Deswegen müssen die Geräte zusammen funktionieren: Einfach wird es aber nicht, das Ziel zu erreichen."

Schaut man heute auf die Verpackungen von technischem Gerät – egal ob groß wie eine Waschmaschine oder klein wie ein Fenstersensor – liest man dort von Bluetooth, Zigbee, Z-Wave, EnOcean, IP500 oder eben DECT ULE. All diese Technologien vernetzen Geräte – vor allem Geräte im smarten Zuhause, dem Smart Home, aber auch Maschinen und Sensoren im Internet der Dinge, dem Internet of Things, kurz IoT. Um die Vernetzung voran zu treiben, müssen sich Technologien annähern, sagt Marian Hönsch von der EnOcean-Allianz.

"Für ein IoT, das connected ist und übergreifend ist, müssen diese Geräte diese Komplexität herunterbrennen und der Cloud und den Anwendern und den Entwicklern, der eine App für ihre Geräte schreibt, verständlich machen, wie sie ihre Entscheidungen treffen. Und die Geräte müssen in der Regel transparenter und verständlicher werden."

Zwei Wege bieten sich an: Der erste Weg sind Kompatibilitätsschichten, also technische Baukästen, die helfen, Signale und Befehle der einen Technologie in die Sprache einer anderen zu übersetzen. So wie eben beim Wassersensor, der über das Gateway mit dem Ventil spricht. Zum Zweiten könnten die Technologien so angepasst werden, dass eine nahtlos mit der anderen zusammenarbeiten kann. Weg eins wird schon länger beschritten, an Weg zwei arbeiten die Entwickler aktuell. Die Lösung: Das universelle Internet Protokoll in seiner jüngsten Version sechs, kurz IPv6, dass auch Computer und Server vernetzt, erklärt Avi Barel.

"Man nimmt eine IP-Schicht dazu. Ganz genau: 6loWPAN. Und mithilfe dieser angepassten IPv6-Variante lernen alle Technologien eine einheitliche Sprache. Die Technologien sprechen dann miteinander und verstehen sich und tauschen sich aus.

Das Internet Protokoll eignet sich aber nicht für alle derzeit gängigen Technologien gleich gut. Einige sind optimal auf leistungsschwache Geräte abgestimmt. Um den Energieverbrauch zu minimieren, ist deren Datenfunk so spartanisch, dass selbst die abgespeckte IPv6-Variante noch zu anspruchsvoll ist. Deswegen wird auch nur die Kombination beider Wege, also IPv6 plus Übersetzer-Gateways, zu einem Internet der Dinge führen, in dem dann wirklich alle Geräte miteinander reden können.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk