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StartseiteVerbrauchertippDa ist schlechter Rat günstig24.10.2017

Versandapotheken im TestDa ist schlechter Rat günstig

Große Auswahl, preiswert und schnelle Lieferung: Versandapotheken werben mit vielen Vorteilen. Seit 2004 sind sie auch in Deutschland erlaubt. Laut Gesetz müssen auch sie ihre Kunden fachlich beraten. Stiftung Warentest hat allerdings herausgefunden: Kompetente Beratung ist bei vielen Versandapotheken Mangelware.

Von Dieter Nürnberger

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Eine Frau nimmt Tabletten. (imago / photothek)
Vielfach fehlende Hinweise auf Wechsewirkungen bemängelt die Stiftug Warentest bei Versandapotheken. (imago / photothek)
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Bereits seit 2004 sind Versandapotheken auch in Deutschland erlaubt. Was viele vielleicht nicht wissen: Ähnlich wie die Apotheke vor Ort müssen auch Versandapotheken ihre Kunden fachlich beraten. So steht es eindeutig in der Apothekenbetriebsverordnung, sagt Warentesterin Katrin Andruschow: 

"Es muss zum Beispiel eine Telefonnummer auf der Webseite sein, die explizit Beratung anbietet. Und der Kunde muss bei einer Bestellung seine Telefonnummer hinterlassen, damit er angerufen werden kann. Wenn bei der Bestellung ein Problem auftaucht, dann kann die Versandapotheke dadurch auch entsprechend beraten. Der Medikationsplan gilt bei drei rezeptpflichtigen Medikamenten: Dann habe ich das Recht diesen erstellen zu lassen - durch den Arzt und auch aktualisieren zu lassen durch die Apotheke."

vermeintlich harmlose Präparate wie Nahrungsergänzungsmittel

Die Stiftung Warentest bestellte bei den 18 umsatzstärksten Versandapotheken, drei davon haben ihren Sitz im EU-Ausland. Das Hauptaugenmerk lag auf der fachlichen Beratung - geordert wurden verschreibungspflichtige Medikamente, ebenso wie vermeintlich harmlose Präparate etwa Nahrungsergänzungsmittel. Dazu Testerin: Katrin Andruschow

"Wir haben vor allem festgestellt, dass Wechselwirkungen nicht erkannt werden. Insbesondere, wenn es sich um Nahrungsergänzungsmittel handelt, denn da denken viele, die sind harmlos. Sie sind aber nicht harmlos, denn sie können auch in Wechselwirkung mit rezeptpflichtigen Medikamenten treten. Und sie haben auch Doppelverordnungen nicht erkannt: Wenn ein Patient von zwei verschiedenen Ärzten zwei verschiedene Rezepte bekommt und auf beiden Medikamente aus derselben Wirkstoffgruppe stehen. Dann darf man diese natürlich nicht zusammen einnehmen. Das passiert durchaus mal im Alltag."

Besonders gravierend: Auch in Fällen, wo Ärzte und Apotheker laut den sogenannten "Fachinformationen" ausdrücklich vor einer Kombination bestimmter Wirkstoffe warnen sollten, wurden Risiken und Nebenwirkungen bei der Beratung nicht erkannt. Kunden von Versandapotheken sollten daher gezielt nachfragen, rät Katrin Andruschow:.

"Wichtig ist immer, dass man die Medikamente nennt, die man selber nimmt. Das stellt Arzneimittelsicherheit auch für einen selber her. Auch in der persönlichen Beratung. Und darauf zu achten, was möglicherweise auf der Rechnung steht. Wichtig sind auch zusätzliche Zettel, die eventuell im Päckchen vorhanden sind. Wenn hier Anbieter eben doch auf Wechselwirkungen hinweisen. Das sollte man im Blick haben."

Eine wirklich gute fachliche Beratungsqualität bot keine der untersuchten Versandapotheken. Besser als andere berieten aber beispielsweise die "Europa-Apotheke" und die "Shop Apotheke", beide sind in den Niederlanden registriert.

Immerhin: Die bestellten Medikamente und die Lieferzeiten waren in der Regel in Ordnung. Und vor allem bei rezeptfreien Medikamenten können Kunden auch sparen.

"Der Versandkostenpreis kann hinzukommen. Und die Preise schwanken. Bei den Versandapotheken kann man ungefähr 30 bis 70 Prozent sparen - im Vergleich zum Listenpreis der Hersteller."

Bei rezeptpflichtigen Mitteln haben die Versandapotheken aus dem EU-Ausland teilweise kräftige Rabatte angeboten, bis zu 30 Euro Bonus pro Rezept wurden registriert.

Und noch ein Hinweis: Zugelassene Versandapotheken haben auf ihrer Webseite ein Siegel: ein weißes Kreuz auf grünem Grund. Anderen Anbietern sollten Kunden aus Sicherheitsgründen kein Vertrauen schenken, so die Stiftung Warentest.

Bereits seit 2004 sind Versandapotheken auch in Deutschland erlaubt. Was viele vielleicht nicht wissen - ähnlich wie die Apotheke vor Ort müssen auch Versandapotheken ihre Kunden fachlich beraten. So steht es eindeutig in der Apothekenbetriebsverordnung, sagt Warentesterin Katrin Andruschow:

Vielfach nicht benannte Wechselwirkungen

"Es muss zum Beispiel eine Telefonnummer auf der Webseite sein, die explizit Beratung anbietet. Und der Kunde muss bei einer Bestellung seine Telefonnummer hinterlassen, damit er angerufen werden kann. Wenn bei der Bestellung ein Problem auftaucht, dann kann die Versandapotheke dadurch auch entsprechend beraten. Der Medikationsplan gilt bei drei rezeptpflichtigen Medikamenten: Dann habe ich das Recht diesen erstellen zu lassen - durch den Arzt und auch aktualisieren zu lassen durch die Apotheke."

Die Stiftung Warentest bestellte bei den 18 umsatzstärksten Versandapotheken. Drei davon haben ihren Sitz im EU-Ausland. Das Hauptaugenmerk lag auf der fachlichen Beratung - geordert wurden verschreibungspflichtige Medikamente ebenso wie vermeintlich harmlose Präparate wie Nahrungsergänzungsmittel.

"Wir haben vor allem festgestellt, dass Wechselwirkungen nicht erkannt werden. Insbesondere, wenn es sich um Nahrungsergänzungsmittel handelt, denn da denken viele, die sind harmlos. Sie sind aber nicht harmlos, denn sie können auch in Wechselwirkung mit rezeptpflichtigen Medikamenten treten. Und sie haben auch Doppelverordnungen nicht erkannt: Wenn ein Patient von zwei verschiedenen Ärzten zwei verschiedene Rezepte bekommt und auf beiden Medikamente aus derselben Wirkstoffgruppe stehen. Dann darf man diese natürlich nicht zusammen einnehmen. Das passiert durchaus mal im Alltag."

Besonders gravierend: Auch in Fällen, wo Ärzte und Apotheker laut den so genannten "Fachinformationen" ausdrücklich vor einer Kombination bestimmter Wirkstoffe warnen sollten, wurden Risiken und Nebenwirkungen bei der Beratung nicht erkannt. Kunden von Versandapotheken sollten daher gezielt nachfragen, sagt Katrin Andruschow.

Wirklich gute Fachberatung bot keine der untersuchten Versandapotheken

"Wichtig ist immer, dass man die Medikamente nennt, die man selber nimmt. Das stellt Arzneimittelsicherheit auch für einen selber her. Auch in der persönlichen Beratung. Und darauf zu achten, was möglicherweise auf der Rechnung steht. Wichtig sind auch zusätzliche Zettel, die eventuell im Päckchen vorhanden sind. Wenn hier Anbieter eben doch auf Wechselwirkungen hinweisen. Das sollte man im Blick haben."

Eine wirklich gute fachliche Beratungsqualität bot keine der untersuchten Versandapotheken. Besser als andere berieten aber beispielsweise die "Europa-Apotheke" und die "Shop.Apotheke", beide sind in den Niederlanden registriert.

Preise und Lieferzeiten in der Regel in Ordnung

Immerhin: Die bestellten Medikamente und die Lieferzeiten waren in der Regel in Ordnung. Und vor allem bei rezeptfreien Medikamenten können Kunden auch sparen.

"Der Versandkostenpreis kann hinzukommen. Und die Preise schwanken. Bei den Versandapotheken kann man ungefähr 30 bis 70 Prozent sparen - im Vergleich zum Listenpreis der Hersteller."

Bei rezeptpflichtigen Mitteln haben die Versandapotheken aus dem EU-Ausland teilweise kräftige Rabatte angeboten, bis zu 30 Euro Bonus pro Rezept wurden registriert.

Und noch ein Hinweis: Zugelassene Versandapotheken haben auf ihrer Webseite ein Siegel: ein weißes Kreuz auf grünem Grund. Anderen Anbietern sollten Kunden aus Sicherheitsgründen kein Vertrauen schenken, so die Stiftung Warentest.

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