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StartseiteNachrichten vertieftProtestwelle im Internet nach Rauswurf wegen Niqab16.09.2016

VerschleierungProtestwelle im Internet nach Rauswurf wegen Niqab

Ein Gastwirt in Bielefeld verweist eine verschleierte Muslimin seines Biergartens und erntet im Internet heftige Kritik - aber auch viel Zustimmung. Auf der Facebook-Seite des Restaurants spiegelt sich die nationale Diskussion über die Vollverschleierung im Kleinen wider.

Von Matthias Götte

Eine Frau mit blauen Augen hinter einem schwarzen Niqab. (picture alliance / dpa / Peter Endig)
Eine Frau mit einem Niqab. (picture alliance / dpa / Peter Endig)
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Für die Bielefelder ist der "Seekrug" am Obersee im Norden Bielefelds ein beliebtes Ausflugsziel. Besonders an heißen Tagen sind das Restaurant und vor allem sein großer Biergarten stark besucht - erst recht am vergangenen Samstag, wo am Abend ein Lichterfest stattfinden soll. Unter den Gästen ist auch eine Frau mit Niqab - jener Kopfbedeckung, bei der nur die Augen der Trägerin zu sehen sind. Wirt Christian Schulz bittet die Frau, den Niqab abzulegen. Als sie sich weigert, fordert er sie auf, zu gehen. Die Frau verlässt den "Seekrug". 

Shitstorm im  Netz

Schon kurz darauf tauchen auf der "Facebook"-Seite des Restaurants erste Proteste auf. Daraus wird eine Welle der Kritik - ein "Shitstorm im Netz", wie die Lokalzeitung "Neue Westfälische" berichtet. Begriffe wie "rassistisch", "ausländerfeindlich", "intolerant", sogar "menschenverachtend" fallen. Und nicht nur das: Auch die Küche des "Seekrug" und seine Angestellten werden verunglimpft.

Eine Bildcombo mit vier Frauenköpfen, nicht, teilweise und ganz verschleiert. (AFP PHOTO )Verschiedene Grade der Verhüllung - von oben links nach unten rechts: Hijab, Niqab, Tschador, Burka. (AFP PHOTO )

Wirt Christian Schulz löscht fast 800 Kommentare und begründet dies auf seiner Seite: "Das wächst mir über den Kopf. Am Samstag habe ich lediglich mein Hausrecht durchgesetzt. Von mir aus hätte ich dies niemals öffentlich gemacht. Allerdings musste ich dann mein Geschäft vor den negativen Bewertungen schützen."

"Mein Haus, meine Regeln"

Er habe die Frau gebeten, den Niqab abzulegen, weil nicht nur er, sondern auch Gäste sich beim Anblick der Vollverschleierten unwohl gefühlt hätten. Da die Frau sich geweigert und zudem begonnen habe, laut herumzuschimpfen, habe er sie zum Gehen aufgefordert. "Mein Haus, meine Regeln", sagt Schulz der "Neuen Westfälischen".

Den Vorwurf des Rassismus weist der Wirt vehement von sich. Er habe auch schon offenbar rechtextreme Gäste mit Kleidung der Marke "Thor Steinar" rausgeworfen. Außerdem arbeiteten im "Seekrug" Menschen aus Nigeria, Ghana, Pakistan und Portugal, so Schulz. Das Profilbild auf seiner Facebook-Seite hat der Gastronom inzwischen geändert: Auf dem neuen Bild ist er zusammen mit einem seiner Köche zu sehen: Ein dunkelhäutiger Afrikaner.

"Eine Frau? Ein Mann? Ein Bewaffneter?"

Neben der vielen Kritik erntet der Wirt im Netz aber auch Zustimmung. "Eine richtige Entscheidung", schreibt ein User. "Man weiss nie, was sich unter dem Schleier verbirgt. Eine Frau? Ein Mann? Ein Bewaffneter?" Ein anderer argumentiert: "Wenn ich als Deutscher eine Moschee besuche, respektiere ich die dortigen Regeln und ziehe meine Schuhe aus. Der Gastwirt hat das Richtige getan". Und ein anderer Gast postet: "Als Rassist darf Sie bestimmt keiner bezeichnen. Ihren Einsatz für Integration haben Sie schon bewiesen mit Ihrer Personalpolitik." Es gibt aber auch Beiträge der plumperen Art - in schlechtem Deutsch: "Wem es hier nicht passt soll wo anders hiengehen!!"

Inzwischen ist auch die ausländische Presse auf den Fall aufmerksam geworden: Der britische "Independent" berichtet in einem langen Artikel über den Fall. Schlagzeile: "German restaurant throws muslim women out for refusing to remove veil. Manager recieves barrage of criticism on social media."

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