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StartseiteForschung aktuellVersteckte Ressourcen im Untergrund26.09.2008

Versteckte Ressourcen im Untergrund

"Shale-Gas" könnte Energieversorgung Europas sichern helfen

<strong>Geologie. - Das so genannte Shale Gas ist eine Gasressource in undurchlässigen Tonsteinpaketen wie zum Beispiel Schiefer, der vor allem in Europa bislang wenig Beachtung geschenkt wurde. Seine Erschließung könnte den Bedarf über Jahrzehnte decken, meinen Teilnehmer eines Treffens am GFZ Potsdam.</strong>

Von William Vorsatz

Gas aus porösen Gesteinsschichten scheint ein lohnender Rohstoff angesichts steigender Energiepreise. (AP)
Gas aus porösen Gesteinsschichten scheint ein lohnender Rohstoff angesichts steigender Energiepreise. (AP)

Bisher wird nur ein Teil des Gases gefördert, das in der Erde vorhanden ist. Es könnte ein Viertel mehr sein, wenn die Erdgasfirmen auch das so genannte Shale Gas erschließen würden. Shale heißt übersetzt Schiefer. Bei Shale Gas handelt es sich um Erdgas in Tongesteinen, meistens im Schiefer. Normales Erdgasgestein ist porös, ein Fünftel besteht aus Löchern mit Gas, das austreten kann. Bei Tonsteinen ist das Gas jedoch in den Poren des Gesteins eingeschlossen und kann daher nicht so einfach gefördert werden. Professor Brian Horsfield vom Geoforschungszentrum in Potsdam:

"Der Trick ist, diese Schichten zu zerstören. Im Untergrund. Viele neue Frakturen. Es wird kaputt gemacht, und dann geht’s los."

Das Gestein im Untergrund wird durch großen Druck zum Bersten gebracht und dadurch porös. So ist das Gas verfügbar. Shale Gas ist dort zu finden, wo früher einmal Meersböden waren und abgestorbenes Plankton unter Sauerstoffausschluss zu Boden gesunken ist.

"Man findet diese Schichten in Deutschland, nicht nur hier in Brandenburg, auch in Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, in vielen Ländern. Und man kann nach Norden gehen, Dänemark, Schweden. Wir wissen, es gibt so etwas in England, Frankreich, und sehr viel wahrscheinlich in Polen, Türkei."

Im Norden Polens haben jetzt erste kommerzielle Bohrungen begonnen. In den nächsten drei, vier Jahren soll sich heraus stellen, ob sich der Abbau lohnt. Gashaltiges Schiefergestein befindet sich meist in großer Tiefe, beispielsweise 2000 Meter unter der Eroberfläche, und es ist oft nur einige Meter stark. Dafür strecken sich die Schichten aber horizontal kilometerweit aus. Um sie durchlässig zu machen, fräßt sich der Bohrer zunächst vertikal in die Tiefe und dann horizontal quer durch das Tongestein. In die aufgebohrten Gänge pressen Pumpen anschließend mit hohem Druck Flüssigkeit zum Sprengen: Wasser oder ein spezielles Gel. Darin befinden sich kleine Quarzsteinchen. Sie gelangen mit der Flüssigkeit an die Bruchstellen und halten sie durchlässig. Das Gas kann heraus strömen.

"In den USA haben sie nie Gas Shales gesucht. Sie haben normales oder konventionelles Erdöl und Ergas gesucht und haben bemerkt, aha, wir haben eine hohe Konzentration von Gas in einem Shale irgendwo. Aber sie haben nie gedacht: sie können das produzieren."

Das hat sich erst in den letzten fünf Jahren verändert, mit dem steigenden Gaspreis. Heute beträgt der Anteil von Shale Gas an der gesamten Erdgasförderung in den USA immerhin schon sechs Prozent. Kann Europa auf den gleichen Anteil kommen? Dazu müssen die Schichten mächtig genug sein. Um heraus zu bekommen, wo sich der Abbau lohnt, sind weitere Probebohungen notwendig. Es könnte sich rechnen. Für alle, glaubt Frank Maio, Inhaber einer kleinen Öl- und Gasförderfirma in Texas. Eigenes Gas mache von Importen unabhängiger, Shale Gas erzeugende Länder seien politisch nicht so erpressbar. Und:

"Deutschland zum Beispiel verbrennt eine Menge Kohle. Und wenn Sie die durch Erdgas ersetzten könnten, würden Sie weniger Kohlendioxid erzeugen. Aus meiner Sicht als Amerikaner und Geschäftsmann bin ich an Europa interessiert, weil hier ein Markt für uns da ist, und wir können etwas verkaufen und Geld machen. Da ist eine geschäftliche Seite, aber natürlich auch eine politische und eine ökonomische Seite."

Shale Gas wird zwar auch künftig nicht den gesamten Erdgasbedarf Europas decken können. Aber es könnte schon in wenigen Jahren den Energiemix sinnvoll ergänzen. Wenn genug davon da ist. Jetzt komme es darauf an, intensiv danach zu suchen und die bereits vorhandenen Daten verschiedener Forschungs-Institutionen in Europa auszutauschen und abzugleichen, so das Fazit der Experten.

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