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StartseiteNachrichten vertieftHoffen auf den Neuanfang 22.02.2016

Vertriebenenstiftung Hoffen auf den Neuanfang

Gut zehn Jahre ist es her, da beschloss die Regierung, mit einem "sichtbaren Zeichen" an das Unrecht von Vertreibungen zu erinnern. Die daraus entstandene Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung begleiteten von Anfang an Auseinandersetzungen. Eine neue Leitung soll das nun ändern.

Gundula Bavendamm (picture alliance/dpa/Bernd von Jutrczenka)
Gundula Bavendamm (picture alliance/dpa/Bernd von Jutrczenka)
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Gundula Bavendamm heißt die neue Direktorin der Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung (SFVV), darauf einigte sich in Berlin der Stiftungsrat einstimmig. Die bisherige Leiterin des Alliiertenmuseum in der Hauptstadt war die einzige Kandidatin für den Posten, vorgeschlagen hatte sie eine von Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) eingesetzte Findungskommission.

Bavendamm soll in der Bundeshauptstadt die schon 2008 beschlossene Dokumentationsstätte zu Vertreibungen voranbringen. Dass die 50-jährige Historikerin bisher noch nicht unmittelbar mit Vertreibungsthemen zu tun hatte, könnte ihr im neuen Amt mehr nutzen als schaden, glauben Beobachter. "Der Auftrag der Stiftung hat auch durch das aktuelle Flüchtlingsgeschehen besondere Relevanz", meinte Grütters

Grüne: Fokus erweitern

Die grüne Kulturpolitikerin Ulle Schauws begrüßte die Wahl. Mit Bavendamm stehe der Stiftung nun eine "erfahrene Museumsmanagerin als neue Direktorin zur Verfügung", sagte Schauws dem Deutschlandfunk. Leider habe die Bundesregierung über ein Jahr gebraucht, um die Neubesetzung der Direktorenstelle zu klären. Als Nächstes müsse jetzt "endlich die konzeptionelle Neuaufstellung der Stiftung in Angriff genommen werden".

Bereits Mitte Dezember hatte Schauws Kulturstaatsministerin Grütters vor Abgeordneten im Bundestag dazu aufgefordert: Angesichts der weltweiten Flüchtlingskrise könne das Thema nicht mehr ohne aktuellen Bezug verstanden werden. Der Fokus müsse erweitert, die "Aufarbeitung der Vergangenheit mit Impulsen für Versöhnung und Austausch heute" verknüpft werden. Hier läge eine "riesige Chance für den Dialog zwischen Menschen unterschiedlicher Generationen und Herkunft", führte Schauws.

Zudem müsse der Stiftungsrat neu zusammengesetzt werden, wiederholte sie nun: Der Zentralrat der Sinti und Roma und Vertreter von Migranten- und Flüchtlingsorganisationen sollten im Stiftungsrat vertreten sein. Die Mitglieder des Rats kommen aus Bundestag, Bundesregierung, Vertriebenenverbänden, den Kirchen, dem Zentralrat der Juden sowie zwei großen Museen.

Seit 2014 ohne Direktor

Träger der Bundesstiftung ist das Deutsche Historische Museum in Berlin. Ich Zweck ist es, das Gedenken an Flucht und Vertreibung im 20. Jahrhundert wachzuhalten und zur Versöhnung beizutragen. Von Anfang an gab es Auseinandersetzungen, über Standort und Inhalte.

Der umstrittene Gründungsdirektor der im Aufbau befindlichen Stiftung, Manfred Kittel, war Ende 2014 nach einem Zerwürfnis mit den internationalen wissenschaftlichen Beratern auf eigenen Wunsch von seinen Aufgaben entbunden worden. Grund waren unter anderem unterschiedliche Vorstellungen über die Ausrichtung der geplanten Dauerausstellung, die ab 2019 gezeigt werden soll, sowie eine Sonderausstellung im Deutschen Historischen Museum, gegen die der Wissenschaftliche Beirat Einwände hatte.

Sein designierter Nachfolger, der Düsseldorfer Historiker Winfrid Halder, hatte ein Jahr später seinen Verzicht erklärt. Seine Wahl war umstritten, weil er als CDU-nah galt; wegen seiner Berufung waren mehrere Mitglieder des Wissenschaftlichen Beirates der Stiftung zurückgetreten, darunter zwei polnische Vertreter. Seitdem war die SFVV führungslos.

(bor/stfr)

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