Mittwoch, 22.11.2017
StartseiteKommentare und Themen der WocheDer DFB muss endlich handeln30.10.2017

Videobeweis und SchiedsrichterstreitDer DFB muss endlich handeln

DFB-Präsident Reinhard Grindel müsse den Schiedsrichterstreit und die Behebung der Probleme mit dem Videobeweis endlich zur Chefsache machen, kommentiert Klaas Reese. Durch das ständige Abwarten steige die Unzufriedenheit unter den Schiedsrichtern und ihre Leistung auf dem Spielfeld leide.

Von Klaas Reese

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Yoric Ravet (l) von Freiburg sieht von Schiedsrichter Benjamin Cortus (r) nach Videobeweis die rote Karte.  (dpa/ picture alliance / Patrick Seeger/)
Yoric Ravet (l) von Freiburg sieht von Schiedsrichter Benjamin Cortus (r) nach Videobeweis die rote Karte. (dpa/ picture alliance / Patrick Seeger/)
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Seit dem Selbstmordversuch des Bundesligaschiedsrichters Babak Rafati rumort es im Schiedsrichterwesen. Vor allem der Führungsstil der Schiedsrichter-Funktionäre steht in der Kritik. Geändert wurde seitdem wenig, weshalb Bundesligaschiedsrichter Manuel Gräfe zu Beginn der Bundesligasaison bemängelte, dass in den vergangenen Jahren "zu oft nach Gusto und nicht nach Leistung" der Schiedsrichter beurteilt worden sei.

Getan hat sich seitdem wiederum – nichts. Manuel Gräfe meldete sich Mitte Oktober deshalb erneut öffentlich zu Wort und kritisierte auch den Umgang des DFB mit den Vorwürfen, die sich direkt gegen Funktionsträger des Verbandes richten. Namentlich die Schiedsrichter-Funktionäre Herbert Fandel, Vorsitzender des Schiedsrichterausschusses, und Hellmut Krug, den Projektleiter des DFB für den Videobeweis.

Ein Treffen beim Deutschen Fußball Bund, bei dem der Spitzenschiedsrichter Felix Brych die Vorwürfe Gräfes unterstützte, bezeichnete Gräfe als "durchschaubaren Versuch, die […] Fehlentwicklungen auf persönliche Empfindlichkeiten […] abzustellen".

Der DFB schob den Schiedsrichterstreit jetzt in die verbandseigene Ethik-Kommission ab. Eine schnelle Lösung im jahrelangen Dauerstreit zwischen Unparteiischen und Schiedsrichterfunktionären ist deshalb aber nicht zu erwarten.

Schiedsrichter werden von Funktionären im Regen stehen gelassen

Zu den Vorwürfen kommt Kritik am Videobeweis. Die Technik funktioniert nicht einwandfrei. Die Regelauslegung ist unterschiedlich. Leidtragende dieser Probleme sind wiederum die Schiedsrichter, die von den Funktionären im Regen stehen gelassen werden. DFB-Präsident Reinhard Grindel ließ sich zwar publikumswirksam bei der Premiere von Bibiana Steinhaus, der ersten Schiedsrichterin in der Bundesliga, ablichten. Aber er hielt es nie für nötig, sich vor die Schiedsrichter zu stellen, die in der Kritik stehen. Auch der Projektleiter Videobeweis, Hellmut Krug, und der Chef der Elitekommission der Schiedsrichter, Lutz-Michael Fröhlich, ergreifen nicht das Wort, um öffentlich die Probleme mit dem Videobeweis zu erklären oder ihre Schiedsrichter vor teils ungerechtfertigter Kritik in Schutz zu nehmen. Ob, wann und wie die Probleme gelöst werden ist nicht bekannt. Das Krisenmanagement lässt also auch in diesem Punkt zu wünschen übrig.

Die "Fehlerkultur beim DFB ist katastrophal", meint Ex-Bundesligaschiedsrichter Babak Rafati. Durch das jahrelange Ignorieren der Probleme habe die Leistung der Schiedsrichter gelitten, was schließlich zu Lasten des Fußballs gehe.

Diesen Vorwurf muss sich insbesondere die DFB-Führung gefallen lassen. Die Schiedsrichter blieben stets sich selbst überlassen, so dass die Machtfülle einzelner Funktionsträger über Gebühr wachsen konnte und Machtmissbrauch und Vetternwirtschaft möglich wurden. Mit diesen Problemen muss sich die DFB-Spitze schnellstmöglich auseinandersetzen und darf nicht erst die Ergebnisse der Ethikkommission abwarten, denn durch das ständige Abwarten steigt die Unzufriedenheit  unter den Schiedsrichtern und ihre Leistung auf dem Spielfeld leidet. Und das schadet dem fairen Wettbewerb in der Bundesliga.

Der faire Wettbewerb ist aber das höchste Gut des Sports, weshalb DFB-Präsident Reinhard Grindel den Schiedsrichterstreit und die Behebung der Probleme mit dem Videobeweis endlich zur Chefsache machen muss.

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