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StartseiteKommentare und Themen der WocheEinseitiges Statement versus Journalismus20.04.2017

Videobotschaften und Tweets von PolitikernEinseitiges Statement versus Journalismus

Frauke Petry hat den Verzicht auf ihre Spitzenkandidatur via Facebook bekannt gegeben und nicht über die Presse. Politische Kommunikation über soziale Netzwerke ist mittlerweile alltäglich - eine Herausforderung für Journalisten, meint Christoph Sterz. Sie müssten nun beweisen, dass ihre unabhängige Berichterstattung und ihre fundierte Einordnung zwingend erforderlich sind.

Von Christoph Sterz

Die Internetseite von facebook ist auf einem Laptop zu sehen. (picture alliance / dpa / Oliver Berg)
Die Wege der Kommunikation haben sich unwiederbringlich geändert. (picture alliance / dpa / Oliver Berg)
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Frauke Petry spricht nicht mit Medienvertretern, sondern nimmt stattdessen lieber ein Video auf. Das erspart ihr nervige Nachfragen und gibt ihr die Möglichkeit, sich direkt an ihre Facebook-Freunde und alle anderen Interessierten zu wenden. 

Das ist aus journalistischer Sicht nicht der Idealfall. Es ist aber auch nicht schlimm. Weil wir Journalisten ja trotzdem unsere Arbeit machen können. Wir können und müssen sie trotzdem zitieren, kritisieren, darauf hinweisen, dass sie ein - vorsichtig formuliert -schwieriges Verhältnis mit Medien hat; dass die AfD traditionell eher Journalisten aussperrt als mit ihnen redet.

Das heißt: Wenn ein Politiker, ein Fußballverein oder wer auch immer bei Facebook, Twitter oder Youtube etwas von sich gibt, ist es unser Job, diese Aussagen einzuordnen. Denn das ist es, was bei allen Videobotschaften, Tweets und Facebook-Posts fehlt: der Kontext. Den können und müssen Journalisten herstellen, müssen weitere Statements einholen, Gegenpositionen einholen, Analysen liefern, abwägen.

Auch die Mediennutzer gehören dazu

Der Job der Journalisten ist es also, zu beweisen, dass sie gebraucht werden, dass ihre unabhängige Berichterstattung, ihre fundierte Einordnung zwingend erforderlich sind. 

Sie müssen klarmachen, was anders als bei irgendwelchen Videobotschaften der Wert des Journalismus ist: Kritisch zu hinterfragen; zu verdeutlichen, warum echte Interviews wertvoller sind als Statements ohne Nachfrage-Möglichkeit. 

Aber damit ist es natürlich nicht getan. Denn auch die Mediennutzer gehören dazu. Sie müssen erkennen können, was ein einseitiges Statement ist und was Journalismus. Medienkompetenz ist hier das Stichwort.

Die kann über Videos oder Texte gefördert werden, die klar machen, wie Journalismus funktioniert; sprich: die für Transparenz sorgen. 

Aber auch durch ganz normalen, handwerklich sauberen Journalismus ist das möglich: Weil die Mediennutzer dann schon automatisch den Unterschied erkennen werden zwischen einfachen Statements und Journalismus.  

Wege der Kommunikation haben sich geändert

Dafür müssen Journalisten ihre Leser, Hörer und Zuschauer ernst nehmen, ihnen auf Augenhöhe begegnen, ihnen zutrauen, mit Medien umgehen zu können, und ihnen dabei auch helfen. 

Denn das Rad lässt sich nicht mehr zurückdrehen: Wer sich Videobotschaften wie die von Frauke Petry anschauen will, der wird das auch tun. Dieses Internet geht nicht mehr weg - und die Wege der Kommunikation haben sich unwiederbringlich gewandelt. Journalisten sollten sich deshalb nicht ängstlich in die Gefällt-mir-nicht-Ecke verkrümeln, sondern die neuen Verhältnisse als spannende Herausforderung sehen, als große Chance für Qualitätsjournalismus. 

Denn nur wer schlampig arbeitet, wer sich angreifbar macht, wer zu wenig erklärt, der muss Angst haben, irgendwann nicht mehr gebraucht zu werden, als Journalist ersetzt zu werden durch einseitige Videos oder Tweets.

 

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