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StartseiteForschung aktuellViele Adressen - viele Probleme02.12.2011

Viele Adressen - viele Probleme

Warum das neue Internetprotokoll IPv6 nicht richtig in Gang kommt

Knapp 4,3 Millarden einzelne Adressen für die Rechner im Netz gibt es weltweit. Doch dem Netz gehen schon seit Längerem die Adressen aus. Abhilfe schaffen soll das neue Internetprotokoll mit dem Kürzel IpV6. Doch bei der Kommunikationsindustrie stößt IpV6 nicht wirklich auf Gegenliebe.

Von Manfred Kloiber

Aufgestockt: Unvorstellbare 340 Sextillionen Adressen bietet das neue Protokoll IPv6 (AP)
Aufgestockt: Unvorstellbare 340 Sextillionen Adressen bietet das neue Protokoll IPv6 (AP)

Mit allen möglichen technischen Kniffen haben die Internetanbieter bislang den Umstieg auf das neue Protokoll IPv6 hinausgezögert. Mehrfachvergabe von IP-Adressen oder Sammeladressen für Firmennetze führten aber dazu, dass den Nutzern viele Möglichkeiten des Internets vorenthalten werden, meint Dr. Harald Sack, der Generalsekretär des deutschen IPv6-Rates:

"Heutzutage, wenn sie eine Internetadresse dynamisch von ihrem Internet-Provider beziehen, erhalten sie diese normalerweise in der Regel für 24 Stunden. Danach werden sie disconnected und erhalten eine neue Adresse. Das ist natürlich ein Problem, wenn sie Anwendungen benutzen, die rund um die Uhr, 24 Stunden, sieben Tage die Woche verbunden sein müssen, im Netz sein müssen, weil sie dann immer einen Cut-Point haben."

Tatsächlich können mit den festen IPv6-Adressen und der damit möglichen Direktverbindung zwischen zwei Computern viele Dienste sicherer werden. Eine E-Mail zum Beispiel, die heute noch als offene elektronische Postkarte durchs Netz über viele verschiedene Server läuft, diese Email könnte dann quasi als Direktzustellung vom Absender zum Empfänger geschickt werden. Diese Direkt-Kommunikation ist der Schlüssel für viele neue Anwendungen der Internettechnologie – besonders in der Autoindustrie. Doch ausgerechnet die wichtigsten Firmen in der Branche halten sich zurück. Latif Ladid, der Präsident des Internationalen IPv6 Forums zeigt im Plenum eine Liste Deutscher Internetanbieter, die bereits IPv6 bereitstellen und fragt erschrocken:

"Wer fehlt auf dieser Liste, der eigentlich drauf stehen sollte? Die großen Telekommunikations-Anbieter. Die sind in den ganzen großen EU-Forschungsprojekten mit drin und bekommen die dicksten Brocken vom Fördergeld. Die bieten IPv6 nicht an. Die Deutsche Telekom sollte es aber tun. Mein Gott, die haben gerade T-Mobile in den USA für 39 Milliarden Dollar verkauft, und IPv6 wäre nichts Großes für sie. Das Internet hat so viel ermöglicht, aber IPv6 würde Innovations-Tornados auslösen."

Zum Beispiel im Mobilfunkbereich mit den vielen neuen Smartphones als persönliche Begleiter. Oder in der Logistik, wenn jedes Fahrzeug, jeder Container oder jede Palette mit dem Netz verbunden ist. Auch im Haushalt sollen alle Geräte, von der Kaffeemaschine bis zur Fußbodenheizung vernetzt werden. Angesichts der vielen Möglichkeiten macht sich auch Internetpionier Prof. Michael Rotert, der Vorsitzende des Verbandes der deutschen Internetwirtschaft ECO, Sorgen um die Geschwindigkeit des Umstiegs:

"Ich mein’, die meisten Provider sind bereits IPv6-ready, wo es noch dran hängt, ist IPv6 für die Endverbraucher, also sprich für das ganze Volk. Das wird sicherlich noch eine Weile auf sich warten lassen, da sind noch Diskussionen dran. Auf der anderen Seite muss die Industrie ja auch eine ganze Menge investieren. Die ganzen Webserver, alles muss ja umgestellt werden, angepasst werden. Sodass das eben nicht so schnell vonstattenginge wie man sich das ausgerechnet hat und wie man sich das gewünscht hat."

Der Grund für die Zurückhaltung ist einfach und banal – dem normalen Internet-Nutzer ist IPv6 schlichtweg egal, solange seine Anwendungen funktionieren. Auf der anderen Seite sind die Datenschützer auf das Thema aufmerksam geworden und zeigen auf das große Problem mit IPv6. Jeder Mensch wird demnächst von Hunderten, wenn nicht Tausenden IPv6-Adressen umzingelt sein, die ihn eindeutig identifizieren und unter Umständen auch seine Aktivitäten ausspähbar machen. Zwar gebe es im Protokoll sogenannte Privacy Extensions, die einen Teil der IPv6-Adresse verschleierten, aber dieser Schutzmechanismus sei noch nicht richtig implementiert. Prof. Dr. Chistoph Meinel, der Chef des Hasso-Plattner-Instituts und Präsident des IPv6-Rates wägt ab:

"Prinzipiell ist zu sagen: Alle Sicherungsmechanismen, die mit IPv4 funktionieren, funktionieren eins zu eins mit IPv6. Allerdings verliert man einige Potenziale von IPv6. Bei diesen Diskussionen wird oftmals die Anonymität als ein Punkt genannt, der wichtig wäre. Hier muss man sagen: Weder bei IPv4 noch bei IPv6 ist diese Anonymität gegeben."

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