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Vierfacher Erfolg für ARD-Koproduktion "Liebe"

Haneke-Film gewinnt beim 25. Europäischen Filmpreis 2012 in Malta

Von Josef Schnelle

Michael Haneke erhielt für seinen Film "Amour" den Europäischen Filmpreis für die beste Regie. (dpa / picture alliance / Darrin Zammit Lupi / Pool)
Michael Haneke erhielt für seinen Film "Amour" den Europäischen Filmpreis für die beste Regie. (dpa / picture alliance / Darrin Zammit Lupi / Pool)

Bester Film, bestes Drehbuch und Auszeichnungen für die beiden Hauptdarsteller machten "Liebe" von Michael Haneke zum umjubelten großen Gewinner des Abends. Er nahm nach drei Jahren routiniert seinen zweiten Europäischen Filmpreis in Empfang.

Nina Hoss, Christian Petzold und Jan Speckenbach sind wenigstens einmal auf Malta gewesen. Als Nominierte für den Europäischen Filmpreis hatten sie im Medienzentrum neben den Rittersälen von La Valetta nicht einmal den Hauch einer Chance ob als beste Darstellerin in "Barbara" oder als Regisseur des Films oder als beste Neuentdeckung mit "Die Vermissten".

Die Drei bildeten aber die Delegation des deutschen Kinos bei der 25. Verleihung des Europäischen Filmpreises. Malta ist nicht gerade bekannt als Filmland. Es gibt vier Multiplexe plus einem auf der Schwesterinsel Gozo und die Filmkulisse von Robert Altmans misslungenem Popeye-Film, die nun als halb vergammelte Touristenattraktion dient. Als Drehort hat sich Malta auch einen Namen gemacht in Großproduktionen wie "Gladiator" oder "Der Da Vinci Code". Als Heimat des Autorenfilms gilt Malta jedoch nicht. Angeblich haben gerade die Dreharbeiten zu einem allerersten Film maltesischer Herkunft begonnen.

Alle zwei Jahre geht der europäische Filmpreis – zwischendrin wird er stets in Berlin verliehen – als eine Art Wanderzirkus auf Reisen in ein Land an der Peripherie Europas, wo sich dann die europäische Filmbranche unter Ausschluss der Weltöffentlichkeit mit Späßen von Anke Engelke zwischen den zeremoniellen Übergaben der ungefähr Oscar großen Statuen an die Preisträger trifft. Wie bei allen großen Preisvergaben sogenannter Akademien, die man mit ihren 2500 Mitgliedern eher als ständische Vertretung der Filmwirtschaft sehen muss, gewinnt stets das beste Gerücht und das eilte Michael Haneke schon nach der goldenen Palme von Cannes voraus.

Bester Film, bestes Drehbuch und Auszeichnungen für die beiden Hauptdarsteller machten "Liebe" von Michael Haneke zum umjubelten großen Gewinner des Abends, der routiniert nach drei Jahren seinen zweiten Europäischen Filmpreis in Empfang nahm:


"Liebe" handelt vom Sterben und hat trotz seiner kompromisslosen Härte inzwischen fast 300.000 Zuschauer angelockt und befindet sich noch immer mit 73 Kopien in den deutschen Kinos. Er erzählt von einem alten Paar, das sich den letzten Fragen stellen muss. Gespielt von Jean-Louis Trintignant und Emmanuelle Riva ist der Film mit so großer Perfektion inszeniert, das selbst Isabell Huppert, der lediglich ein kleiner Gastauftritt als besorgte Tochter gehört, einen Preis gewonnen hätte, wenn es die Kategorie Beste Nebendarstellerin geben würde.

"Als ich in die Wohnung kam vorhin fiel mir ein, wie ich euch als Kind immer zugehört hab, wenn ihr miteinander geschlafen habt. Das hat mir das Gefühl gegeben, dass ihr euch liebt und das wir für immer zusammenbleiben."

Nichts ist erfolgreicher als der Erfolg und so kann sich Haneke auch noch Hoffnungen auf den Auslandsoscar und auf den dann auch noch großzügig dotierten Deutschen Filmpreis machen, denn er ist eine deutsche Koproduktion. Die Ständegesellschaften der europäischen Filmakademien mögen mit ihren Galashows auf roten Teppichen etwas hermachen. Sie sind in jedem Fall unfähig zur Erneuerung. Abwegiges, Frisches, Innovatives müssen andere entdecken – zum Beispiel kleinere Filmfestivals. Sicher, es ist berührend Bernardo Bertolucci in seinem Rollstuhl auftrumpfen zu sehen. Immerhin hatte er vor 25 Jahren den allerersten Europäischen Filmpreis in Empfang nehmen können und auch auf die schlagfertige britische Schauspielerin Hellen Mirren kann man sich schnell einigen. Doch geht in den Routinen der Selbstbeweihräucherung schnell die eigentliche Kraft des Autorenkinos verloren: seine Originalität. Und so wirkt eine Filmszene aus "Liebe" plötzlich doppeldeutig.

"Du wirst doch wohl auf Deine alten Tage dein Image nicht ändern?" – "Was ist denn mein Image?" – "Du bist ein Monster manchmal."

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