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StartseiteDie neue PlatteViola da gamba und Telemann29.10.2006

Viola da gamba und Telemann

Das virtuose Spiel der Hille Per

Die Viola da gamba, auf deutsch "Kniegeige”, galt als das edelste aller Saiteninstrumente und hatte ihre Blütezeit von ca. 1480-1780. Der Verdienst von Hille Per ist es, die konzertante Gambenmusik zu internationalem Erfolg geführt zu haben. Ihr virtuoses Spiel ist von Leidenschaftlichkeit, Ernsthaftigkeit und Leichtigkeit zugleich geprägt, das zeigt eine Aufnahme, die sie mit dem Freiburger Barockorchester unter der Leitung der Geigerin Petra Müllejans aufgenommen hat.

Moderation: Christiane Lehnigk

Notenblatt gerollt (Stock.XCHNG / valentino sirbinas)
Notenblatt gerollt (Stock.XCHNG / valentino sirbinas)

Heute mit konzertanter Musik für Viola da gamba von Georg Philipp Telemann, gespielt von Hille Perl und dem Freiburger Barockorchester unter der Leitung von Petra Müllejans. Erschienen ist die CD in diesen Tagen bei Sony BMG/Deutsche Harmonia Mundi.

Hille Perl gehört heute zu den international erfolgreichsten deutschen Gambistinnen. Ihr virtuoses Spiel ist von Leidenschaftlichkeit, Ernsthaftigkeit und Leichtigkeit zugleich geprägt und hat einen unverwechselbaren Gambenklang entwickelt. Darüber hinaus beherrscht sie auf eindrucksvolle Weise die Kunst der Improvisationspraxis.

In ihrer Ausbildung hat sie von Wieland Kuijken und Jordi Savall wichtige Anregungen erhalten, gehört aber dennoch auch mit zu den Pionieren der Wiederentdeckung dieses Instrumentes, dem sie sich seit ihrer frühesten Jugend verschrieben hat. Hille Perl tritt als Solistin wie als Kammermusikerin auf und hat seit 2002 eine Professur an der Hochschule für Künste in Bremen inne.

Sie ist Mitbegründerin der Ensembles "Los Otros", "The Age of passions" und "The sirious viols" und arbeitet schon seit 1984 mit dem Lautenisten Lee Santana als Duo zusammen, der auch bei diesem Telemann Programm mitspielt.
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Das Repertoire liegt überwiegend zwischen dem 17. und 18.Jahrhundert, aber es gibt mitunter auch Ausflüge in ganz andere klangliche Welten.

2001 wurde sie als "Instrumentalistin des Jahres" mit dem Echo Klassik-Preis für ihr Album "Doulce memoire" ausgezeichnet.

Ihre kongeniale Partnerin bei dieser Produktion ist die Geigerin Petra Müllejans, die Mitbegründerin des Freiburger Barockorchesters, die auch als Professorin an den Musikhochschulen von Frankfurt und Freiburg lehrt. Für Hille Perl ist sie die erklärte "perfekte Ergänzung und Inspiration", was diese CD auch zu einem Dokument der "schwesterlichen Verständigung" zwischen Ihnen mache. "Vermutlich sind uns einige der langsamen Sätze langsamer geraten, als es historisch korrekt oder vertretbar wäre", so Perl, " aber wir fühlten uns oft in der Musik so wohl, dass wir den Moment strecken und verlängern wollten, so lange es eben geht. Dies ist eine der Freiheiten, die uns Musik ermöglicht, eine andere ist wohl die, durch die Töne zu fliegen, frei und wild wie die Vögel, ohne Geschwindigkeitsbegrenzungen und ohne die Gefahr, jemals am Baum zu landen."

Dies war das Largo aus der h-moll Sonate für Violine, Viola da gamba und Basso continuo von Georg Philipp Telemann mit Petra Müllejans und Hille Perl.

Telemann war einer der profiliertesten Komponisten seiner Zeit, und wurde damals allgemein als der führende deutsche Komponist von Anfang bis Mitte des 18. Jahrhunderts angesehen, der keineswegs im Schatten Bachs stand.

In der Musikgeschichtsschreibung galt er lange Zeit als Vielschreiber und profilierungssüchtiger Musiker, eine Art von Abqualifizierung die im 19.Jahrhundert entstand, in einer Zeit, in der jedoch sein Werk kaum bekannt war.

Telemann war es, wie kaum einem anderen Komponisten im 18.Jahrhundert, gelungen, sich und seine Werke zu vermarkten.

Er hatte ein großes Gespür für den Geschmack des Publikums und die Bedürfnisse der professionellen Musiker und Sänger wie auch der Musikliebenden Amateure. Seine Sammlung von Gebrauchsmusiken ist einzigartig und zeigt, wie sehr sich Telemann an den jeweiligen Bedingungen orientieren konnte. Seine großen Zyklen ließ er im Druck, oft im Eigenstich, verbreiten, was seinen Werken weit über Deutschland hinaus zu großer Popularität verhalf. Es war lange verkannt, wie immens sein Einfluss auf das Konzertleben, die musikalische Erziehung und die Musik-Theorie seiner Zeit und darüber hinaus gewesen war.

Er hat Werke für fast jedes Instrument geschrieben und dabei stets eine profunde Kenntnis aller Sparten bewiesen. Fließende Melodiebehandlung und unkomplizierte Strukturen waren die bestimmenden Elemente in seinen Werken, in denen auch französische und italienische Einflüsse mit miteinbezogen wurden.

Die Stücke die Hille Perl und Petra Müllejans auf dieser CD von Telemann vorstellen, zeigen die Entwicklung des instrumentalen Konzertes, vom Duettieren in einer mehr oder weniger traditionellen Sonate, - von Telemann auch schon mal als "Concerto" bezeichnet-, bis hin zu einem regelrechten Solo-Konzert für Gambe, Streicher und Basso continuo. Dabei zeigt sich, dass es in dem immensen, vielschichtigen Oeuvre Telemanns immer noch viel zu entdecken gibt.

Hille Perl, Viola da gamba sowie Petra Müllejans und Christa Kittel, Violine, spielten, begleitet von der Basso continuo-Gruppe des Freiburger Barockorchesters, den ersten, mit "Soave", "lieblich", überschriebenen Satz des A-dur "Concerto" von Georg Philipp Telemann.

Die Viola da gamba, auf deutsch "Kniegeige”, galt als das edelste aller Saiteninstrumente und hatte ihre Blütezeit von ca. 1480-1780 und erfreute sich in der Zeit bei Hofe wie in der Kirche oder der Kammer gleichermaßen großer Beliebtheit.

Gegen Ende des 15.Jahrhunderts war die Viola da gamba zunächst in Spanien aufgekommen und hielt dann auch Einzug in Italien. Von dort gelangte sie nach Deutschland und fand bald auch Verbreitung in England. Der zarte, obertonreiche und modulierfähige Klang der Gambe galt als am besten geeignet, die menschliche Stimme, als Maßstab aller damaligen musikalischen Belange, nachzuahmen.

Im 20.Jahrhundert wurde die Gambenmusik wiederentdeckt und inzwischen schätzen auch zeitgenössische Komponisten wieder das Klangspektrum des Instrumentes. Das besondere Verdienst, der Gambe weltweit zu großer Publizität verholfen zu haben, liegt bei Jordi Savall. Wieland Kuijken und August Wenzinger, beides Lehrer von Savall, hatten die Wiederbelebung der Gambenmusik auf Nachbauten alter Instrumente im vorigen Jahrhundert mit initiiert. Und nachdem Savall 1991 die Musik zu dem Film "Tous les matins du monde" gespielt hatte, der von Marin Marais, einem der besten Viola Spieler- und Komponisten seiner Zeit und seinem Lehrer Sainte Colombe handelt, wurden er und seine Gambe mit einem Schlag zu Berühmtheiten. Dass die folgende Generation von Gambenspielerinnen und -Spielern auf diesem hohen Niveau aufbaute, davon zeugt auch Hille Perls Telemann Einspielung.

Es ist erstaunlich, wie perfekt das Spiel von Hille Perl und dem Freiburger Barockorchester zusammenpasst, wie homogen Solistin und Orchester miteinander harmonieren, was auch durch die ansprechende Klangaufnahme der SACD unterstützt wird. Hören Sie zum Abschluss noch den letzten Satz aus dem G-dur Concerto, das im Original für eine Viola konzipiert ist. "Aber es ist" , so Hille Perls augenzwinkernde Entschuldigung, "ein so ein fantastisches Werk, dass es meine kleine Telemann-Kollektion brillant abrundete. Ich musste es also bei den Bratschisten dieser Welt ausleihen, dafür haben jene gerne weiterhin meinen Segen, wenn sie sich ununterbrochen an all den Werken abarbeiten, die ursprünglich für Viola da gamba intendiert waren."

In der Neuen Platte im Deutschlandfunk stellten wir Ihnen heute konzertante Gambenmusik von Georg PhilippTelemann vor, eingespielt von Hille Perl und dem Freiburger Barockorchester unter der Leitung der Geigerin Petra Müllejans.

Erschienen ist diese SACD bei Sony BMG/Deutsche Harmonia Mundi.

Titel: Telemann, Concertos for Viola da gamba
Solisten: Hille Perl, Freiburger Barockorchester
Label: Sony/BMG/Deutsche Harmonia Mundi, LC 00761
Bestell-Nr.: SACD 82876850552

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