• Deutschlandfunk bei Facebook
  • Deutschlandfunk bei Twitter
  • Deutschlandfunk bei Instagram

 
 
Seit 02:07 Uhr Kulturfragen
StartseiteSprechstundeWeiße Flecken, nicht nur im Gesicht17.03.2015

VitiligoWeiße Flecken, nicht nur im Gesicht

Radiolexikon Gesundheit: Vitiligo oder Weißfleckenkrankheit

Chantelle Brown-Young hat Vitiligo, auf Deutsch Weißfleckenkrankheit. Durch ihre Modellkarriere ist diese Pigmentstörung bekannter als noch vor einiger Zeit. Viele Betroffene leiden extrem unter der Krankheit, die nicht heilbar ist und über deren Ursachen noch viel gerätselt wird.

Von Andrea Westhoff

Modell Chantelle Brown-Young hat die Hautkrankheit Vitiligo (imago / Winnie Harlow)
Modell Chantelle Brown-Young hat die Hautkrankheit Vitiligo (imago / Winnie Harlow)
Weiterführende Information

Vitiligo
(Deutschlandfunk, Sprechstunde, 16.10.2001)

Die menschliche Hautfarbe ist einerseits angeboren, zum anderen spielt das Sonnenlicht eine Rolle. Verantwortlich dafür sind vor allem die Melanozyten, Zellen in der oberen Hautschicht, die den bräunlichen Farbstoff Melanin bilden. Ein Mangel dieses Gewebefarbstoffes oder Pigments, wie Mediziner sagen, führt zu den charakteristischen farblosen Stellen auf der Haut, der Weißfleckenkrankheit oder Vitiligo. Es gibt zwei Varianten: Die lokalisierte, also auf einzelne kleine Farbfehler beschränkte, tritt meist als Folge von Hautverletzungen auf. Viel häufiger ist die generalisierte Form, bei der mehr oder weniger große Hautareale entfärbt sind. Die Berliner Dermatologin Professor Beate Tebbe:

"Die Vitiligo, die hat Stellen, die bevorzugt betroffen sind: Das ist das Gesicht, besonders die Region um die Augen oder auch um den Mund oder aber auch die Handrücken oder Fußrücken, wo man am häufigsten diese Weißfleckenkrankheit findet."

Typisch sind auch weiße Flecken um den Nabel, symmetrisch an beiden Ellenbogen oder Knien und im Genitalbereich. Sogar in den Haaren, Augenbrauen und Wimpern können sich farblose Stellen zeigen. Bei der Hälfte der Betroffenen tritt die Krankheit zwischen dem 10. und 30. Lebensjahr auf. Sie ist nicht ansteckend, nicht schmerzhaft, kann aber, weil sie so auffällig ist, sehr leidvoll sein.

Besonders für Menschen mit dunklerer Hautfarbe bedeutet die Vitiligo ein Stigma, in Indien wird sie fatalerweise oft mit der Lepra in Verbindung gebracht. Sie kann aber auch hierzulande seelische Probleme bereiten, sagt der Dermatologe Professor Wolfgang Harth vom Vivantes-Klinikum Berlin-Spandau:

"Das hängt ein bisschen immer auch von dem Schönheitsideal unserer Zeit ab."

Und das ist die makellose Haut, so dass Vitiligo-Kranke oft ein Entstellungsgefühl haben. Das wird noch verstärkt dadurch, dass sichtbare Hautveränderungen an Urängste von Gefahr, von Ansteckung, rühren. Das Anstarren ist deshalb nicht unbedingt böse gemeint:

"Das kann man sich auch recht einfach vorstellen, weil jeder, je nachdem, wo Sie arbeiten, der Ihnen die Hand gibt und Sie haben da weißen Flecken, der guckt erstmal: Was hat der denn da? Das ist einfach im Rahmen der normalen menschlichen Interaktion und Kommunikation ein Blick der Orientierung. Und die betroffenen Patienten nehmen das als besonders belastend wahr, und das kann bei vulnerablem Selbstwert dann auch zu depressiven Störungen führen."

Die genaue Ursache der Weißfleckenkrankheit kennt man noch nicht: Sie ist nicht angeboren, aber es gibt eine gewisse genetische Veranlagung, sie tritt also familiär gehäuft auf. Alles weitere sind Vermutungen: Eine Hypothese sieht die Vitiligo als Autoimmunerkrankung: Das heißt, körpereigene Zellen, hier die Melanozyten, werden als vermeintlich körperfremde ausgemacht und deshalb von den Immunzellen angegriffen und zerstört. Eine andere Hypothese besagt, dass der Stoffwechsel in der Pigmentzelle gestört ist und dadurch der Mangel an hautfärbendem Melanin entsteht. Auch psychische Faktoren, vor allem Stress, könnten ein Auslöser sein, doch auch hier gilt:

"Das ist bei der Vitiligo noch wissenschaftlich schlecht untersucht", sagt Professor Wolfgang Harth, der auch Vorstand des Arbeitskreises Psychosomatische Dermatologie ist. Und die Stresshypothese trifft nicht auf alle Vitiligo-Patienten zu.

"Man muss auch hier wieder die Gruppe herausfinden, bei der es einen solchen Zusammenhang gibt. Man kann sich das so vorstellen, dass jemand der ständig unter Belastung ist, dass die Achse des vegetativen Nervensystems besonders aktiviert ist, und dass man Neuropeptide hat, die direkt bis in die Haut gehen, dort freigesetzt werden, und dass das dazu führt, dass eine Vitiligo befördert wird."

Allerdings stellen viele Betroffene fest, dass die Krankheit deutlich schlimmer wird, wenn sie Stress, vor allem emotionale Belastungen haben.

Häufig in Kombination mit anderen Symptomen

Nicht alle hellen Hautflecken sind eine Vitiligo, deshalb sollten Menschen mit bleibenden Pigmentstörungen immer zum Hautarzt gehen. Der kann die Weißfleckenkrankheit eindeutig diagnostizieren und wird es dann nicht nur bei einer Hautuntersuchung belassen, sagt die Professorin Beate Tebbe:

"Ich empfehle in jedem Fall, dass die Schilddrüsenfunktion überprüft wird, weil nicht selten mit der Weißfleckenkrankheit eine Schilddrüsenfehlfunktion vorliegen kann, und ich empfehle auch, dass in jedem Fall ein Vitamin B-12-Spiegel und Folsäurespiegel bestimmt wird, das sind wichtige Maßnahmen."

Denn eine Vitiligo tritt nicht selten zusammen mit anderen Erkrankungen auf: Neben Schilddrüsenfunktionsstörungen sind das vor allem Diabetes Mellitus Typ I, Augenentzündungen und eine spezielle Blutarmut, die gesondert therapiert werden müssen. Die Weißfleckenkrankheit selbst ist derzeit nicht heilbar, aber es gibt ein paar dermatologische Behandlungsmöglichkeiten:

"Hat man nur begrenzte kleine Hautareale, wird man es versuchen mit einer Cortisonsalbe zu behandeln, das hat auch einen günstigen Effekt, die Haut kann wieder Pigment annehmen; wenn große Hautareale betroffen sind, ist die zweite Möglichkeit, die Bestrahlung mit UV-B1, wo eben beim Arzt UV-Licht mit einer speziellen Wellenlänge die pigmentbildenden Zellen, die so genannten Melanozyten, anregt, um Pigment wieder neu zu bilden. Das muss man aber über viele Monate durchführen, um einen Effekt dann sehen zu können, aber es ist durchaus einen Therapieversuch wert."

Die Patienten sind mit der Behandlung oft unzufrieden, weil sich, wenn überhaupt, meistens nicht so viele Pigmente bilden, dass die betroffenen Stellen wieder genauso aussehen wie die übrige Haut. Es gibt auch eine gezielte Bestrahlung der weißen Stellen mit einem Spezial-Laser, die ist jedoch im Vergleich zur UV-B-Therapie auch nicht erfolgreicher, aber teurer und wird von der Kasse nicht bezahlt.

"Ob eine Therapie erfolgreich ist, hängt aber auch davon ab, wie lange die Weißfleckenkrankheit besteht. Und der Erfolg einer Therapie ist höher, wenn die Bestanddauer nur wenige Monate oder wenige Jahre ist."

Auf jeden Fall müssen Vitiligo-Patienten mehr auf einen guten Sonnenschutz achten, denn die Pigmente, die ihnen fehlen, verhindern normalerweise, dass das UV-Licht in die tieferen Hautschichten eindringt.

Kosmetisch lässt sich inzwischen auch einiges tun, um die weißen Hautflecken wenigstens zu verdecken, mit speziellen Makeups oder Selbstbräunern. Für Männer ist das allerdings immer noch schwieriger, deshalb sind sie von den psychischen Folgen einer Weißfleckenerkrankung oft mehr betroffen als Frauen.

Aber generell kann bei der Vitiligo eine psychotherapeutische Unterstützung sinnvoll sein, meint der Experte für psychosomatische Dermatologie, Professor Wolfgang Harth:

"Am Anfang steht das Gespräch. Manche Patienten denken, sie sind der einzige auf der ganzen Welt, der diese Problematik hat, aber wenn man dann vermittelt, dass viele Patienten auch diese Schwierigkeit haben, wenn sie sichtbare Veränderungen haben, dass es Schwierigkeiten im Kontakt gibt, dann kann ein unterstützendes Gespräch oder auch aufklärendes Gespräch den Patienten extrem entlasten."

Dafür stehen auch Selbsthilfe-Gruppen für Vitiligo-Kranke bereit. Eine psychotherapeutische Hilfe kann zudem nötig sein, wenn psychische Faktoren als Auslöser der Krankheit in Frage kommen:

"Dann müssen Sie natürlich, wenn Sie die Haut behandeln, auch diese psychischen Ursachen mitbeachten, sonst werden Sie keine erfolgreiche Therapie letztendlich machen können, weil, wenn der Auslöser Psyche ist und weiter besteht, dann wird auch eine Creme nicht helfen alleine."

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk