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StartseiteUmwelt und VerbraucherVogelschutz europaweit31.07.2006

Vogelschutz europaweit

Storchendörfer fordern besseren Schutz des Weißstorches

Die europäischen Storchendörfer haben zum Abschluss einer internationalen Konferenz in Rühstädt in Brandenburg einen besseren Schutz des Weißstorches gefordert. Vor allem auf den Vogelflugrouten gebe es immer wieder viele Verluste. Deshalb müssten europaweite Regelungen geschaffen werden.

Von Elke Drewes

Eine Storchenmutter füttert zwei frisch geschlüpfte Jungen. (AP)
Eine Storchenmutter füttert zwei frisch geschlüpfte Jungen. (AP)

Eine kleine Herde mit hellbraunen Wildpferden grast auf den Sudewiesen. Die Sude ist ein kleiner Nebenfluss der Elbe. Zwischen Tümpeln liegen Auerochsen im gelben Gras. Landwirt Hermann Dähling mäht eine Pferdeweide. Neben seinem Trecker marschiert unbeirrt ein Storch her:

"Wir mähen die Weide nach, dass die Unkräuter kaputt gehen, Disteln und Ochsenzungen. Der Storch läuft hinterm Mähwerk her und sucht sich Nahrung: Insekten, eine Ringelnatter, Frösche, Grashüpfer. Das bringt er seinen Jungen. Wo man mäht, findet sich der Storch. Das ist seine beste Zeit - wie wenn wir im Hotel sitzen. Immer der gedeckte Tisch."

Nach der Wende haben Vogelschützer von der Stork Foundation mit Landwirten in der Elbaue Land getauscht, um für die Störche eine möglichst große, zusammenhängende Flusslandschaft zu gewinnen. Gleichzeitig können die Landwirte die Sudewiesen nutzen so wie Bauer Dähling:

"Ein Hand wäscht die andere. Wir haben Auflagen, in Etappen das Grünland zu bewirtschaften, damit der Storch immer Nahrung hat."

Das heißt: Mähen nicht vor dem 1. Juli und die Wiesen nicht düngen. Hartmut Heckenroth hat lange Zeit die niedersächsische Vogelschutzwarte geleitet, und setzt sich seit mehr als 10 Jahren für den Storchenschutz in der Elbtalaue ein:

"In Preten haben wir kräftige Jungstörche auf dem Nest. Der Storch ist ein Opportunist, ein Allesfresser, der frisst alles, was ihm vor den Schnabel kommt."

Das gilt allerdings nicht für die Jungstörche. Und hier liegt das Problem: Für die ein bis zwei Wochen alten Jungen muss der Storch geeignete Nahrung finden, die es nur auf Feuchtwiesen gibt, sagt Heckenroth. Denn der Storch zerkleinert die Nahrung für die Jungen nicht:

"Denn gerade die kleinen Jungen muss er mit schlüpfriger Nahrung versorgen: Pferdeegel, Wasserkäfer, Fischlaich - alles was in Tümpeln zu finden ist."

In diesem Jahr haben sich in den Dörfern nahe der Sudewiesen wieder fünf Storchenpaare angesiedelt. Auf dem Nest in Preten gegenüber der Kirche sitzen vier Jungstörche. Nachdem sie im Juli ihre Flugfähigkeit ausgebildet haben, werden sie im August nach Afrika fliegen. Und im nächsten Sommer wieder in die Elbtalaue kommen, hofft Vogelschützer Heckenroth:

"Die untere Mittelelbe ist das storchenreichste Gebiet in Deutschland. 1971 hatten wir fünf Paare, als wir kamen, waren es drei. Letztes Jahr wieder fünf. Aber im Artenschutz sind wir schon zufrieden, wenn wir den Bestand halten können."

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