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StartseiteTag für TagBrahma und Buddha20.03.2017

Volksbuddhismus in Thailand Brahma und Buddha

Thailand ist buddhistisch. Doch die Hindu-Kosmologie prägt den Volksbuddhismus. Denken und Handeln der Thai-Buddhisten sind stark beeinflusst von Gedankengut aus vorbuddhistischen Zeiten. Die meisten Thailänder glauben, jedem Lebewesen und Gegenstand wohne eine übernatürliche Kraft inne. Und das kann gravierende Folgen für das eigene Leben haben.

Von Horst Blümel

Der Erawan-Schrein mit der Hindu-Gottheit Brahma (Rungroj Yongrit/EPA/dpa)
Der Erawan-Schrein mit der Hindu-Gottheit Brahma in Bangkok wird vor allem von Buddhisten besucht (Rungroj Yongrit/EPA/dpa)
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Der Erawan-Schrein an einer belebten Straßenkreuzung in Bangkok. Eine junge Frau kniet mit gesenktem Haupt vor der Statue Brahma nieder. Brahma ist ein Hindu-Gott. Die Buddhistin faltet ihre Hände und hält ein paar Räucherstäbchen. Nach einer Weile erhebt sich die Frau und legt Hindu-Gott Brahma eine Blumenkette um den Hals. Tempeltänzerinnen wollen die Gottheit erfreuen, tanzen in der Nähe des Schreines.

"Wir besuchen diesen Ort regelmäßig. Hier beten wir zu Brahma. Heute habe ich ein Versprechen abgelegt: Wenn mein Wunsch in Erfüllung geht, komme ich immer hierher, wenn ich in Bangkok bin", sagt eine Besucherin.

Jeden Tag besuchen Hunderte von Menschen den Erawan-Schrein, fast alle sind Buddhisten. Frauen bitten Brahma um Unterstützung, damit ihr Kinderwunsch in Erfüllung geht. Geschäftsleute wenden sich an den Hindu-Gott, damit ihr Unternehmen auch weiterhin floriert.

"Am Erawan-Schrein verehren die Leute Brahma, den Erschaffer der Welt. Es sind nicht nur Thailänder, die den Schrein besuchen. Auch Menschen aus Hongkong und Singapur kommen hierher, um dem Hindu-Gott zu huldigen", sagt Tavivat Puntarigvivat von der World Buddhist University in Bangkok.

Geister, Hinduismus und Buddhismus

Brahma wird von vielen Thailändern als Vater Buddhas angesehen. Heutzutage bekennen sich 95 Prozent der Thailänder zum Buddhismus. Aber bevor die Lehre Buddhas ins Land kam, glaubten die Menschen an Naturgottheiten und Geister.

"Vor langer Zeit glaubten die Menschen in Thailand, die Natur sei von Göttern und Geistern beseelt. Bäume, Flüsse und Berge galten als Wohnstätten von Gottheiten und Geisterwesen", sagt Tavivat Puntarigvivat.

Der Geisterglaube ist in Thailand auch heute noch lebendig. Davon zeugen unter anderem die Geisterhäuschen an vielen Orten. Die Errichtung dieser Geisterwohnstätten ist mit einer besonderen Zeremonie verbunden, in deren Verlauf der Geist gebeten wird, in seine neue Behausung einzuziehen.

"Man findet Geisterhäuschen nicht nur in Privathäusern, sondern oftmals auch in Klöstern und Tempeln", sagt Tavivat Puntarigvivat. "Dem Geist werden regelmäßig Früchte und kleine Mahlzeiten angeboten und die Leute entzünden für ihn Räucherstäbchen. Es gibt gute und schlechte Geister, Kuan und Phi. Damit die Geisterwesen den Menschen wohl gesonnen sind, müssen sie besänftigt werden."

Eine Frau entzündet Räucherstäbchen am Erawan-Schrein in Bangkok (Narong Sangnak/dpa)"Es entstand eine neue Melange aus drei Grundelementen: Animismus, Hinduismus und Buddhismus", sagt Tavivat Puntarigvivat über den Volksbuddhismus (Narong Sangnak/dpa)

Der Glaube an Naturgötter und Geister vermischte sich mit dem Hinduismus, als indische Händler ins Land kamen. Die Kaufleute brachten nicht nur Waren mit.

"Der Hinduismus aus Indien brachte auch neue Götter ins Land, zum Beispiel Brahma, Vishnu und Shiva. Und im Laufe der Zeit verehrten die Thais auch diese Gottheiten. Neu für die Menschen im Land war damals außerdem die Theorie der Wiedergeburt. Heutzutage glauben die meisten Leute in Thailand, dass sie nach ihren Tod wiedergeboren werden."

Nach dem Hinduismus kam einige Zeit später aus Indien auch der Buddhismus nach Thailand.

"Jetzt traf der Buddhismus auf eine Mischung aus animistischen und hinduistischen Traditionen. Es entstand eine neue Melange aus drei Grundelementen: Animismus, Hinduismus und Buddhismus. Dies ist heute der so genannte Volksbuddhismus in Thailand."

"Jeder nimmt sich das, was ihm zusagt"

Dieser Volksbuddhismus scheint nicht zum - in Thailand verbreiteten - Theravada-Buddhismus zu passen. Dieser frühe Buddhismus beruft sich auf die Lehrtexte in der alt-indischen Sprache Pali. Diese Sprache verwenden die Mönche auch im Tempel und bei buddhistischen Zeremonien.

"Diese Form des Buddhismus in Thailand orientiert sich an den Original-Texten der Lehre Buddhas. Der Theravada-Buddhismus gilt als konservativ und die Mönche halten an den alten Traditionen fest. Dieser Glaube kann sich nicht an die moderne Welt anpassen. Deshalb ist der Theravada-Buddhismus auch in der westlichen Ländern nicht so beliebt."

Aber trotz dieses konservativen Buddhismus sind in vielen buddhistischen Tempeln auch animistische sowie hinduistische Elemente zu finden, besonders in den ländlichen Regionen.

"Grundsätzlich sieht man in der Haupthalle eines buddhistischen Klosters oder Tempels eine sitzende oder liegende Buddha-Statue. Aber außerhalb der Haupthalle findet man oft Hindu-Götter, Natur-Gottheiten oder Abbildungen von Geistern. Dies kann man alles zusammen in einem buddhistischen Tempel antreffen. Und die Thais finden das nicht ungewöhnlich. Sie halten es mit ihrem Glauben wie mit einem Buffet - jeder nimmt sich das, was ihm zusagt."

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