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StartseiteVerbrauchertippObst-Pflücken kann teuer werden20.09.2017

Vom Baum in den MundObst-Pflücken kann teuer werden

Am Wegesrand einen Apfel vom Baum pflücken oder Beeren sammeln kann teuer werden. Denn rechtlich gesehen begeht derjenige Diebstahl. Wer sicher gehen und dennoch nicht auf ungespritztes Obst jenseits des Supermarktes verzichten will, sollte deshalb einiges beachten.

Von Astrid Wulf

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Reife, rote Bio-Äpfel hängen an einem Baum auf einer Obstwiese in Bad Vilbel, bei Frankfurt Main, am 16.09.2012 (picture alliance / dpa / Wolfram Steinberg)
Ein Apfel vom Baum schmeckt um Längen besser als das Standardobst aus dem Discounter (picture alliance / dpa / Wolfram Steinberg)
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Abgepackte Äpfel beim Discounter zu kaufen, kann jeder und ist nicht wirklich aufregend. Obst selbst zu pflücken, macht hingegen den meisten von uns einen Riesenspaß.

"Na ja, schon öfter mal am Wegesrand ein paar Beeren stibitzt, so ist es nicht." - "Brombeeren und solche Sachen haben wir als Kinder natürlich immer gepflückt, ich denke, dass das sowieso erlaubt war." - "Ich wohne im Alten Land, da wächst auch mal ein Apfel oder so über den Wegesrand." - "Ich war mal in Spanien, da war ein Feigenbaum, und da war die Versuchung dann natürlich schon sehr groß. Das war aber ein Firmengelände, da haben wir dann ein, zwei Feigen geklaut." - "Wir stehen zufällig auf einem Wohnmobilplatz, und da sind auch Äpfel- und Pflaumenbäume. Und da gibt es viel zu sammeln, heute Morgen war da jemand, der hatte zwei Taschen voll. Wir haben dann auch für einen Kuchen was aufgesammelt. Ob man es darf, weiß ich nicht – würde ich aber auch nicht nach fragen."

Pflücken kann auch im öffentlichen Raum teuer werden

Das kann – theoretisch – allerdings richtig Stress geben. Wer sich an einem Obstbaum bedient, der auf einem Privat- oder Firmengrundstück steht, ein Wohnmobilplatz zum Beispiel, begeht nämlich rechtlich gesehen Diebstahl - egal, ob man einen Apfel oder eine Kiste Pflaumen mitnimmt. Ist mit dem Eigentümer nicht gut Kirschen essen, kann der den Mundräuber anzeigen. Der Lübecker Polizei zufolge ist das allerdings die Ausnahme. Wer auf Nummer sicher gehen will, bedient sich an einem Obstbaum, der auf Stadt- oder Gemeindeboden wächst, allerdings auch nur in Maßen bitte, sagt die Lübecker Stadtsprecherin Nicole Dorel:

"Grundsätzlich ist es dafür da, damit es der heimischen Tierwelt und Umwelt zur Verfügung steht. Wir haben viele Tiere, die in den Grünanlagen leben, die ernähren sich natürlich auch davon, gerade auch die Vögel den ganzen Winter über.

Es wird keiner etwas sagen, wenn man eine Handvoll Beeren pflückt oder hier oder da mal einen Apfel mitnimmt, solange er im öffentlichen Raum steht – und solange Bäume und Sträucher nicht beschädigt werden."

Vorher klären: Wem gehört der Obstbaum?

Die Leiter an den Apfelbaum zu legen und erstmal ein paar Eimer vollzumachen, dabei vielleicht noch ein paar Äste abzubrechen geht also nicht und kann auch ziemlich teuer werden. Und bevor man sich streckt und beim Baum auf dem scheinbar verwilderten Grundstück zulangt: Lieber vorher klären, wem der Obstbaum gehört.

"Gerne bei der Stadtverwaltung einmal anrufen, in der Telefonzentrale. Wir können dann gucken, ob der Apfelbaum auf privatem Grund oder im öffentlichen Bereich steht, wenn der Apfel denn so verlockend ist."

Soviel Obst zu pflücken, wie man tragen kann, und das, ohne einen Cent dafür zu bezahlen – gar nicht so einfach, aber Initiativen wie "Essbare Stadt" arbeiten daran, Obstbäume im städtischen Raum zu pflanzen – rund um Kirchen oder Friedhöfe sind zum Beispiel gute Plätze dafür, sagt Apfel-Experte Heinz Egleder.

"Wir stehen am Anfang, wir haben round about 1.000 Bäume gepflanzt, pflegen auch ungefähr 350 Altbäume, und die Idee ist schon, dass Bürger dann einfach zugreifen können nach Herzenslust."

Zwei Dinge sind zu beachten

Selbstgepflücktes, ungespritztes Obst – gesünder geht's wohl kaum, wenn man zwei Dinge beachtet: Am besten nicht von Bäumen pflücken, die unmittelbar an Straßen stehen – die Gifte aus Abgasen lassen sich nur schlecht abwaschen – da kann man gleich die Konventionellen essen, sagt Heinz Egleder. Bei Waldbeeren gibt's kein Problem mit Fuchsbandwurmeiern, wenn man sie nach dem Pflücken sorgfältig abwäscht.

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