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StartseiteCampus & KarriereVon der Kultur- zur Wissensmetropole17.12.2010

Von der Kultur- zur Wissensmetropole

Was kommt nach der Ruhr 2010?

Die "Ruhr 2010" neigt sich dem Ende zu. Die Wissenschaftler und die Hochschulen der Region waren mit vielen Projekten daran beteiligt - und streben nun nach der Kulturmetropole 2010 die Wissenschaftsmetropole 2020 an.

Von Andrea Groß

Nach der Kulturhauptstadt 2010 streben Wissenschaftler des Ruhrgebiets nun die Wissenschaftsmetropole 2020 an.  (RUHR.2010)
Nach der Kulturhauptstadt 2010 streben Wissenschaftler des Ruhrgebiets nun die Wissenschaftsmetropole 2020 an. (RUHR.2010)
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Ruhr 2010 schafft Wissen

Der Biologe Florian Leese hat eine große Computerkonsole in seinem Büro in der Universität Bochum stehen. Auf dem Touchscreen ist die Weltkugel abgebildet. Mit den Fingerspitzen kann man sie nach Belieben hin und her drehen. Bildausschnitte können vergrößert und Informationen abgerufen werden. So zum Beispiel ein Film über Klimawandel in Brasilien. Die Multimediakonsole ist das Produkt einer Gruppe von Nachwuchsforschern aus dem Ruhrgebiet, die anlässlich des Kulturhauptstadtjahres entstanden ist.

"So haben wir gedacht: Was ist denn vielleicht unsere Stärke als Gruppe. Und das ist eben nicht, dass wir Experten im Kontext Klimawandel, Klimaforschung sind. Sondern dass wir unterschiedlichste Perspektiven auf das Thema haben. Eben von einer historischen Perspektive, von einer physikalischen Perspektive, von einer soziologischen oder einer biologischen Perspektive."

Die unterschiedlichen Perspektiven sind als Informationen auf dem Computerterminal hinterlegt. Außerdem haben die Wissenschaftler Kontakt zu renommierten Klimaforschern weltweit aufgenommen, die ihrerseits Beiträge für die virtuelle Weltkugel geliefert haben. Das Projekt soll online gestellt werden, sodass jeder Zugang zu den Informationen hat und auch jeder Informationen einstellen kann, ähnlich wie bei Wikipedia.

Insgesamt haben fünf solcher interdisziplinärer Forschergruppen zu unterschiedlichen Themenfeldern Projekte erarbeitet. Rund 100 Nachwuchswissenschaftler sind dafür ausgewählt worden. Das war die Global Young Faculty des Kulturhauptstadtjahres. Das geht nun zu Ende, aber der Schwung müsse erhalten bleiben, so Fritz Pleitgen, Geschäftsführer der Ruhr 2010

"Um das Ganze noch deutlicher zu machen, wäre meine Empfehlung, nachdem wir jetzt hier ein Kulturhauptstadtjahr hatten, dass man versucht, unter den Themen Klima, Umwelt und Wissen allgemein ein neues Dekadenprojekt für 2020 auflegt."

Dieser Gedanke ist in den Rathäusern der Region auf positive Resonanz gestoßen. Ein privater Unternehmerverbund hat in diesem Jahr Bottrop zur "Innovation City" gekürt. Für Expertise und Projektförderung sollen mehrere Milliarden Euro fließen, damit Teile der Stadt umweltfreundlich gestaltet werden können. Im Jahr 2020 könne man doch, so die Anregung, eine Klima-Expo im Ruhrgebiet veranstalten und die Bemühungen bilanzieren.

Bernhard Lorenz, Geschäftsführer der Essener Mercator-Stiftung, hat für die nächsten zehn Jahre rund 100 Millionen Euro aus Stiftungsmitteln zugesagt.

"Wir haben von Anfang an gesagt, dass es uns bei der Förderung von Ruhr 2010 darum ging, die Metropole Ruhr langfristig zu einer Metropolregion mit Strahlkraft zu entwickeln. Und dabei spielt Wissenschaft – das zeigen uns die Beispiele global, auch andere Metropolregionen – eine ganz zentrale Rolle."

Die Global Young Faculty soll nun also bis 2020 alle zwei Jahre neu ausgeschrieben werden. Die Ehemaligen bleiben der Region als Alumni erhalten. Zugleich will die Stiftung Projekte der Revier-Universitäten in Dortmund, Bochum und Duisburg-Essen, aber auch die von außeruniversitären Einrichtungen zu den Zukunftsthemen Klima, Bildung und Integration fördern. Sollten die Politiker in der Region sich tatsächlich für den Abschluss dieses neuen Dekadenprojekts entscheiden, sei die Mercator-Stiftung auf jeden Fall dabei, so Bernhard Lorenz. Nachwuchswissenschaftler Florian Leese findet die Idee sehr charmant, weiß aber nicht, ob er daran teilnehmen kann.

"Ich war mir dessen nicht bewusst, was es hier für Institute gibt, was es hier für interessante Personen gibt, mit denen man gemeinsame Projekte auch machen kann. Und ich glaube, da rein zu investieren, eine Vernetzung zu stimulieren zwischen diesen Wissenschaftsinstitutionen – das kann eine enorme Schlagkraft entwickeln."

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