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StartseiteHintergrundVon der Sowjetunion lernen, heißt verlieren lernen...21.10.2009

Von der Sowjetunion lernen, heißt verlieren lernen...

Die Lehren des Afghanistan-Krieges aus russischer Sicht

Afghanistan: Das Land, an dem bereits Russland scheiterte und nun der Westen seit Jahren einen Krieg gegen den Terror führt. Dennoch glauben Experten, dass der Krieg zu gewinnen ist. Allerdings erst in der historischen Perspektive.

Von Robert Baag

ISAF-Soldaten der Bundeswehr patrouillieren in der Nähe von Feisabad, in Nordafghanistan. (AP)
ISAF-Soldaten der Bundeswehr patrouillieren in der Nähe von Feisabad, in Nordafghanistan. (AP)

"Die haben uns nur an den Mutterflüchen erkannt, die unsere Jungs pausenlos vor sich hinbrüllten... Das war so eine Art Verteidigungsreflex bei denen... 'Aha', sollte das heißen, 'hier ist'n eigener Mann...'"

Vor fast 30 Jahren spielt sich diese Szene ab, am 27. Dezember 1979 - kurz nach 19 Uhr Ortszeit. In der afghanischen Hauptstadt Kabul hat der Sturm auf den Darulaman-Palastkomplex begonnen, in dem sich der Präsident des Landes verschanzt hat. Major Michail Romanov vom sowjetischen Geheimdienst KGB befehligt das Kommando-Unternehmen der Spezialeinheit "Alfa". Sein Auftrag ist klar: Der afghanische Präsident Hafizullah Amin ist zu liquidieren. An diesem Unternehmen beteiligt sich auch das sogenannte "muslimische Bataillon" des sowjetischen Militärgeheimdienstes GRU, das in afghanische Uniformen gesteckt worden war, um die Amin-treuen Wachmannschaften leichter zu überrumpeln. Romanovs Männer führen ihren Befehl ohne zu zögern aus - sie spüren Amin im zweiten Stock des Gebäudes auf und erschießen ihn.

Die Trauer über Amins gewaltsamen Tod hält sich in Grenzen - national wie international. Er ist als blutiger Diktator berüchtigt und verhasst. Aber als kurz darauf sowjetische Soldaten aus den mittelasiatischen Sowjetrepubliken Turkmenistan und Usbekistan in Afghanistan einrollen und das Land besetzen, um ihm - wie es hieß - "internationalistische Hilfe" zu leisten, ist der Schock groß. Weltweit ist die Weihnachtsruhe plötzlich dahin. US-Präsident Jimmy Carter macht umgehend klar, dass die UdSSR mit dieser de-facto-Invasion die internationale Lage schlagartig verändert hat. Nach einer eilends einberufenen NATO-Ratssitzung präzisierte deren damaliger Generalsekretär Joseph Luns:

"Bei den Beratungen habe ich erneut meine Überzeugung unterstrichen, dass die bewaffnete sowjetische Aggression gegen Afghanistan eine Verletzung des Völkerrechts sowie eine Bedrohung für den Weltfrieden darstellt. Ich möchte betonen, dass die Sowjetunion damit zum ersten Mal in einem Land außerhalb des Ostblocks ihre Militärmacht so direkt und massiv eingesetzt hat."

Originalton Kalter Krieg an einer neuen Wegmarke im Dauerkonflikt zwischen Ost und West. Knapp zehn Jahre wird es dauern, bis der letzte sowjetische Soldat das Land am Hindukusch wieder verlassen haben wird. Rund 1,2 Millionen Tote werden dann zu beklagen sein - davon über 14000 tote Sowjetsoldaten. Afghanistan rückt aus dem Fokus des internationalen Interesses, wird sich und seinen Problemen selbst überlassen - mit fatalen Folgen.

Mitte der 90er-Jahre ist es zur Beute des islamistisch-fundamentali-stischen Taliban-Regimes geworden, Basislager und Rückzugsraum für Osama Bin Ladens Terrororganisation Al Quaida. Die Spuren der Anschläge auf die Türme des World-Trade-Centers in New York am 11. September 2001 lassen sich dorthin zurückverfolgen. Drei Wochen später, am 7. Oktober, schlagen die USA zurück, verbünden sich mit dem Anti-Taliban-Widerstand, sichern deren Marsch auf Kabul, Kandahar und Kunduz mit massiver Luftunterstützung ab.

Der Moskauer Journalist und Militär-Experte Aleksandr Gol'c ist sich sicher, dass der US-Generalstab zuvor bei seinen Interventionsplänen die sowjetische Kriegsführung in den achtziger Jahren analysiert und dann in seine strategischen Vorgaben einbezogen hat:

"Natürlich haben die Amerikaner das gemacht. In den ersten Kriegsphasen haben die Amerikaner massive Luftangriffe geflogen und ihre Spezial-Einheiten am Boden mit einheimischen Verbündeten sehr effektiv eingesetzt. Das Anfangsstadium war erfolgreich. Dass es danach Schwierigkeiten gegeben hat, ist nicht Schuld der US-Militärs. - Wir haben es hier mit einer Art Infektionskrankheit zu tun. Das ist fast immer so. Wenn Streitkräften einige Erfolge gelingen, entsteht bei vielen Politikern der Eindruck, dass man mit militärischen Mitteln jedes Sicherheitsproblem lösen kann."

Und an dieser Stelle, so spitzt Gol'c bewusst zu, habe der Westen, hätten die USA und habe die Nato auch in negativer Hinsicht von der UdSSR gelernt. Sie seien in dieselbe Falle getappt, aus der auch sie heute nicht so ohne weiteres herauskämen:

"Beide, der Westen und die Sowjetunion, gleichen sich leider in ihrem ideologisch begründeten Handeln. Die einen wie die anderen sind in dem Bemühen in Afghanistan eingerückt, diesem Volk gewisse Werte zu importieren, die ihm absolut fremd sind. Hier finden wir Gemeinsamkeiten zwischen kommunistischem Ideengut und Vorstellungen von liberaler Demokratie. Beide sind der traditionsverhafteten afghanischen Gesellschaft gleichermaßen fremd."

Die sowjetischen Soldaten in Afghanistan werden - anders immerhin als 25 Jahre später die westlichen ISAF-Kontingente zu Beginn ihres Einsatzes - von der Bevölkerung von Beginn an ganz überwiegend als Besatzer betrachtet und bekämpft. - Dem Ex-Panzer-Offizier Alexandr Pantschenko ist damals klar gewesen, weshalb er in Afghanistan kämpfen soll - der inzwischen in Deutschland lebende Veteran zweifelt so recht bis heute nicht am damaligen Einmarschbefehl:

"Damit Amerika nicht neben dem Territorium der Sowjetunion auftaucht. Und: Als wir nach Afghanistan kamen, fanden wir ein Land vor, das wie im 13. Jahrhundert lebte. Die Bauern dort bestellten ihr Land noch mit Holzpflügen. Kein Fernsehen, kein elektrisches Licht, nichts gab es da!- Geheizt haben die so, dass der Rauch durch ein schwarzes Loch in der Zimmerdecke abzog. Herumgelaufen sind die nackt und barfuss. - Zuerst waren's ja die Engländer... Und dann haben wir, die Sowjetunion, versucht, die Zivilisation dort hinzubringen. - Alles umsonst, alles vergeblich!"

Dennoch, trotz seiner vermeintlichen Rückständigkeit: Afghanistan ist in seiner langen Geschichte niemals auf Dauer von Fremden erobert worden. Selbst viele marxistisch inspirierte Afghanen, die damals mit Hilfe der UdSSR den Sozialismus nach Afghanistan hatten bringen wollen, sehen ihr Scheitern inzwischen vergleichsweise nüchtern - so wie Guljam Mohammed, Exil-Afghane in Moskau, ein ehemaliger hoher Funktionär der früheren pro-sowjetischen "Chalq"-Partei, der sogenannten "Volkspartei":

"Unsere Revolutionäre lernten den Marxismus-Leninismus nach den sowjetischen Filmen, die man bei uns in den Kabuler Kinos zeigte. Und dann wollten sie bei uns dasselbe machen, was man dort sah: 'Gegner musst du vernichten! Sonst hast du keine Ruhe.' Aber: Afghanistan ist nicht Europa! Jeder tote Feind hat hunderte Angehörige, die dem Staat diesen Tod nie im Leben verzeihen werden. - Einen Menschen zu töten, heißt automatisch: Hunderte andere Menschen werden zu Feinden, zu unversöhnlichen Feinden des Staates."

Aleksandr Gol'c, Afghanistan-Veteran und einstiger Reporter bei der sowjetischen Militärzeitung "Krasnaja Zvezda" ("Roter Stern"), stimmt ihm zu. Vor dem Hintergrund eigener Erfahrungen mahnt er die USA und die NATO einen fundmentalen Lehrsatz nicht außer Acht zu lassen:

"Jeder Krieg, den man gegen Partisanen führt, wird sich in einen Krieg gegen die friedliche Bevölkerung verwandeln. Sie können noch so akkurat vorgehen wollen, am Ende heißt es: 'A la guerre comme à la guerre!' - 'Krieg ist Krieg!'. Was die Amerikaner so sauber 'Kollateralschaden' nennen, ist unvermeidbar! Doch jedes Mal, wenn unbeteiligte Menschen dabei umkommen, bekommt man anstelle des einen getöteten Terroristen zehn neue Gegner, die einen hassen."

Und noch vor einer anderen Illusion warnt Gol'c. Wenn der Westen offenbar glaube, Militär- und Polizei-Ausbildung für Regime-loyale Afghanen sei der Königsweg, das eigene Engagement mittel- bis langfristig herunterfahren zu können, dann werde auch mit diesem Ansatz ein sowjetischer Fehler aus den 80-ern wiederholt, denn:

"Tausende Afghanen haben auch wir ausgebildet, in unseren Militärschulen vor Ort und in der Sowjetunion. In Afghanistan selbst haben wir die Volksmiliz, also die Polizei, trainiert. Es hat nicht geklappt! Denn auch an dieser Stelle taucht der Reflex auf: Wir wollen ihnen dabei unsere Wertvorstellungen mitgeben, die dieser in ihren Traditionen verhafteten Gesellschaft fremd sind. Es hilft nichts. Das müssen wir uns eingestehen!"

"Wach-Abteilung - Richt' Euch! - Die Überlebenden der diensttuenden Schicht melden sich zurück - Es meldet: Der Stellvertreter des Abteilungskommandanten, Leutnant Mersichin. - Ich wünsche Gesundheit, Genosse Kommandeur!"

Die Kriegsführung am Hindukusch in den 80er-Jahren ist grausam - auf beiden Seiten. Und am stärksten leidet die Zivilbevölkerung. Mehrere Millionen Flüchtlinge zählt man am Ende.

Karen Karagesjan, einst außenpolitischer Mitarbeiter im Zentralkomitee der KPdSU, der Kommunistischen Partei der Sowjetunion, in den achtziger Jahren auch enger Berater des letzten sowjetischen Staatsoberhaupts Michail Gorbatschow, macht eine nachdenklich stimmende Bilanz auf:

"Dieser Krieg hat zwei Seiten gehabt - eine politische und eine militärische, oder: militärisch-wirtschaftliche. - Soweit ich weiß, hat dieser Krieg unser Land jährlich 6 Milliarden Rubel gekostet. Aber das Schlimmste war natürlich: die Opfer! Die Menschen! Praktisch 14000 gestorben. Aber Zehntausende - Hunderttausende de wurden Krüppel. Ich spreche nicht mehr vom psychologischen Faktor. Damals hat man das erst entdeckt. Früher hat man daran überhaupt nicht gedacht. Soldat ist Soldat! Geht in den Krieg, muss entweder verteidigen oder angreifen, wird getötet, muss töten, sieht Tod, sieht Mord. Das hat man gespürt, wenn die Soldaten aus Afghanistan kamen, wie sie psychologisch auch gelitten haben."

Hannes Adomeit, bis vor kurzem außen- und sicherheitspolitischer Experte bei der Berliner Stiftung für Wissenschaft und Politik, vergibt in der historischen Rückschau schlechte Noten nicht nur an die damalige Sowjetführung sondern auch an deren Hauptgegner im Kalten Krieg, die Vereinigten Staaten von Amerika, die von Anfang an auf den anti-sowjetischen Widerstand in Afghanistan gesetzt hätten. Dies aber - so Adomeit - führte im Ergebnis dazu...

"...dass die radikal-islamistischen Strömungen Auftrieb bekommen haben im Zuge eben des Kampfes gegen die Invasoren und natürlich - das ist der zweite Gesichtspunkt - dass die USA zum Entstehen der Taliban beigetragen haben. Denn sie haben ja dann über Pakistan im Rahmen des Ost-West-Konfliktes diese religiösen, auch fundamentalistischen Strömungen mit Waffen unterstützt. Sie haben also zusammen praktisch mit der Sowjetunion zu diesem Problem beigetragen, mit dem wir heute alle konfrontiert sind."

Gol'c sieht den Westen heute in Afghanistan in einer klassischen Falle. Denn auch die ebenfalls zunehmend lauter formulierten Anfragen amerikanischer Militärs, die Truppenstärke deutlich anzuheben - und zwar nicht nur bei den US-Streitkräften sondern auch beim Bundeswehr-Kontingent - hält er nach allen vorliegenden Erkenntnissen und Erfahrungen für den falschen Weg. Denn eines habe sich stets bestätigt:

"In solchen Kriegen fehlen immer Soldaten! Aber: Moderne Armeen wie die des Westens sind als Okkupationstruppen ungeeignet. Für Besatzungszwecke braucht man Streitkräfte, die zuvor in massivem Umfang mobilisiert werden müssten, um tausende und tausende Mann aufzubieten, damit praktisch an jeder Straßenkreuzung ein Wachtposten stehen kann."

Obwohl - jetzt muss Gol'c sogar unwillkürlich ein wenig lachen:

"Po skol'ku vojska NATO...pasylatj."

Schließlich gewährleisteten die NATO-Truppen in Afghanistan nicht zuletzt auch die Sicherheit Russlands. Allein schon deshalb, so Gol'c, begrüße er es durchaus, wenn die Allianz jetzt noch mehr Truppen in dieses zentralasiatische Land schicken wolle. An seiner skeptischen Analyse der Erfolgsaussichten der USA und ihrer NATO-Verbündeten ändere dies allerdings nichts.

Zentralasiatische Länder wie die einst sowjetischen, heute aber selbstständigen Staaten Tadshikistan, Usbekistan oder Turkmenistan haben gemeinsame Grenzen mit Afghanistan. Russland ist über verschiedene supranationale Strukturen wie die GUS, die Gemeinschaft Unabhängiger Staaten, vor allem aber die Shanghai-Organisation, an der sich auch China beteiligt, bemüht, diese politisch wie wirtschaftlich keineswegs stabilen Republiken einzubinden. Moskau empfindet diese Weltregion weiterhin als seine ureigenste Einflusszone aber - unter sicherheitspolitischen Gesichtspunkten - auch als seinen "weichen Unterleib". Das ist übrigens schon vor 30 Jahren so, und führt mit zum Einmarsch der Sowjetarmee in Afghanistan. Damals wie heute - der Faktor "Islam" spielt bei den Überlegungen des Kreml eine permanent wichtige Rolle. Dazu der russische Politologe Jevgenij Chrusch-tschov kürzlich im Auslandssender "Russia Today":

"Der wirkliche Grund, den die meisten - ob Zivilist oder Militär - nicht verstehen oder vorgeben, er existiere nicht, hat eine überragende Bedeutung: Afghanistan mit seiner gemeinsamen Grenze zur damaligen Sowjetunion und deren muslimischen Republiken. Und: Immerhin 20 Prozent der damaligen Sowjetbevölkerung waren Muslime."

Ein Scheitern des Westens in Afghanistan liegt keinesfalls im Interesse Russland. Denn zieht sich der Westen von dort zurück, befürchten Moskaus Sicherheitsexperten eine Neuauflage der sogenannten "Domino-Theorie". Wie sich vor Jahrzehnten die USA gesorgt hatten, dass bei einem Verlust Vietnams an Ho Chi Minhs Kommunisten die restlichen südostasiatischen Länder anschließend nacheinander wie Dominosteine kippen und ins kommunistische Lager fallen würden, treibt den Kreml heute eine ähnliche Angst um - wenn auch unter anderen ideologischen Vorzeichen: Ganz Zentralasien bis hin zum wohl noch lange unruhigen islamisch geprägten russischen Nordkaukasus könnte zum Angriffsziel für Fundamentalisten à la Taliban werden und zu einer breiten Ausgangsbasis für Terroristen-Netzwerke mutieren, die dann das russisch-europäische Kernland ins Visier nähmen.

So verwundert es nicht, dass trotz aller harschen Töne der vergangenen Monate zwischen der US-geführten NATO und Russland an diesem Punkt Einigkeit und neuerdings sogar offene Kooperation demonstriert wird. - John Beyrle, US-Botschafter in Moskau, nun im Sender "Echo Moskvy" lobend und werbend zugleich:

"Viel wird darüber erzählt, dass die NATO irgendeine Gefahr für Russland darstellt. In Wirklichkeit aber hilft und unterstützt die Russische Föderation die Bemühungen der NATO-Streitkräfte in Afghanistan in diesem gemeinsamen Kampf gegen den Terrorismus. Das ist ein sehr wichtiger Umstand."

Doch Aleksandr Gol'c, seit jeher ein kritischer Beobachter der russischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik, sieht trotz derlei betont gemeinsamen Interessen keinen grundsätzlichen Strategiewandel in Moskau. Die USA bleiben trotz ihrer aktuellen Schutzschildfunktion für Russland auch weiterhin Konkurrenten um Einfluss und Macht in diesem geostrategisch- wie energiepolitisch wichtigen zentralasiatischen Raum:

"Heute beschränkt sich die Position Russlands darauf, den Transit westlicher Militärgüter nach Afghanistan zu monopolisieren. Wenn die Truppenstärke dort erhöht werden sollte, ist es für die USA und ihre Verbündeten in der Allianz von prinzipieller Wichtigkeit, störungsfreie Nachschubwege zu erhalten. Und jetzt, nachdem Russland mit den USA solch ein Transitabkommen geschlossen hat, bekam Moskau darüber hinaus auch noch eine Trumpfkarte, mit der sie gegenüber den Vereinigten Staaten Realpolitik betreiben kann."

Sitzen die USA, die NATO in Afghanistan inzwischen buchstäblich zwischen allen Stühlen? Logistisch abhängig vom Wohlwollen Russlands, das von der Allianz jederzeit Wohlverhalten einfordern könnte, wenn es etwa um NATO-Träume Georgiens oder der Ukraine geht? Verstrickt in einen Partisanenkrieg, der aus heutiger Sicht kaum zu gewinnen ist? Rückzugsoptionen, die aktuell aber derzeit niemand ernsthaft erwägt, denn würde das Machtvakuum dann nicht sofort von den Taliban ausgefüllt werden? - Ist dieser Krieg in Afghanistan für den Westen eigentlich überhaupt zu gewinnen? - "Ja", meint schließlich trotz all seiner Bedenken Aleksandr Gol'c, der russische Veteran und Militärexperte:

"In der historischen Perspektive wahrscheinlich schon. Hier geht es nicht um drei oder vier Jahre. Das wird Jahrzehnte dauern, um ein mehr oder weniger modernes Bildungs- und Gesundheitssystem aufzubauen, sich für die afghanischen Bauern etwas Sinnvolleres als den Drogenanbau auszudenken. Und dann muss man sich daran machen, langsam und mühselig - unter dem Verlust eigener Soldaten - solch eine Politik konkret Wirklichkeit werden zu lassen."

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