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StartseiteHintergrundVon Kyoto nach Bali02.12.2007

Von Kyoto nach Bali

Der globale Kampf gegen den Klimawandel

1997 wurde das sogenannte Protokoll zur Klimarahmenkonvention im japanischen Kyoto verabschiedet. Die teilnehmenden Staaten verpflichteten sich auf freiwilliger Basis, ihre Treibhausgas-Emissionen bis 2012 zu senken. Ein Folgeabkommen soll jetzt auf Bali diskutiert werden.

Von Britta Fecke

Industrieanlage (AP)
Industrieanlage (AP)
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Von Spielern, Einsätzen und Risiken

Besorgt schaut Hilia Warwae in die weite See, türkisfarben leuchtend so weit das Auge reicht, ein Paradies; nur das dieses Paradies schon wieder ein Stück kleiner geworden ist.

Welle für Welle nimmt sich die See mehr von dem weißen Strand. In der letzten Nacht hat sie die Palmen nah dem Hafen von Tuvalu unterspült. Hilia Warwae von der Wetterwarte in Tuvalu kennt den Schuldigen:

"Präsident Bush ist herzlos. Tuvalu ist klein, deshalb müssen große Nationen Rücksicht auf die tiefliegenden Atolle in der Südsee nehmen, aber Bush weigert sich das Kyoto-Protokoll zu unterschreiben, für uns arme Leute hat er nichts übrig!”"

Die Korallen-Atolle Tuvalus mitten im Südpazifik könnten nach Schätzung der Klimaexperten schon in 50 Jahren unter Wasser liegen. Die globale Erwärmung lässt die Gletscher und das Eis der Arktis schmelzen. Der Meeresspiegel ist in den letzten 100 Jahren fast um 20 Zentimeter angestiegen, in den letzten zehn Jahren allein um drei Zentimeter.

Neuste Studien gehen davon aus, dass der arktische Ozean in dreißig Jahren eisfrei sein könnte, jeden Sommer. Dann gibt es Tuvalu nicht mehr. Auch nicht Kiribati, die Marshall-Inseln oder die Malediven. Carsten Agert vom Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme:

""In Entwicklungsländern haben wir eine geringe Kapazität zur Anpassung an den Klimawandel, wenn der Meeresspiegel steigt, wird Deutschland seine Deiche hochziehen und das auch locker bezahlen können, Bangladesch wird es nicht können."

Tuvalu auch nicht. Statt dessen hat die Regierung für die Inselbewohner im letzten Jahr Asyl beantragt in Australien und Neuseeland. Australien sperrt sich noch. Doch mit der neuen Regierung könnte sich das genauso ändern wie sich auch ein Kurswechsel gegenüber dem Kyoto-Protokoll abzeichnet, beziehungsweise gegenüber dem, was nach dem Kyoto-Protokoll kommt.

Das Folgeabkommen soll ab morgen auf Bali diskutiert werden. Doch was hat eigentlich das erste Abkommen, was hat Kyoto, für das Klima gebracht? Dr. Hans-Martin, Füssel, Potsdam Institut für Klimafolgenforschung

"Also ich würde sagen, es ist der Einstieg, aber da der Hauptemmitent USA nicht beteiligt ist, muss ein Nachfolgeprotokoll deutlich umfassender sein, um einen wirksamen Klimaschutz zu ermöglichen!”"

1997 wurde das sogenannte Protokoll zur Klimarahmenkonvention im japanischen Kyoto verabschiedet. Die teilnehmenden Staaten verpflichteten sich auf freiwilliger Basis, ihre Treibhausgas-Emissionen bis 2012 zu senken.

Im Durchschnitt sollten CO² und Co um 5,2 Prozent gedrosselt werden, gemessen an dem Basisjahr 1990. Der größte Klimasünder Amerika nahm an der Verpflichtung nicht teil. Auch Australien und viele andere Industrienationen nicht, so dass das Protokoll erst 2005 in Kraft treten konnte. Denn der Vertrag ist erst dann gültig, wenn genügend Staaten das Protokoll ratifiziert haben. Genügend heißt: mindestens 55 Länder, die im Basisjahr 55 Prozent der Treibhausgase in die Atmosphäre geblasen haben.

Auch wenn schon 127 Vertragsstaaten das Kyoto-Protokoll ratifiziert hatten, so reichte es nicht aus, denn diese 127 brachten es gemeinsam nicht auf die erforderlichen 55 Prozent des gesamten CO²-Ausstoßes von 1990. Es fehlte ein Land wie Amerika oder Russland, um die Hürde zu nehmen.

Unter Leitung der EU wurde Russland solange hofiert, bis Putin einwilligte. Politisch war das Inkrafttreten des Kyoto-Protokolls ein Erfolg, in der Wirkung ist es jedoch vernachlässigbar. Michael Müller, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesumweltministerium:

""Wir haben heute weltweit eine Erwärmung von 0,8 Grad, seitdem die Temperatur überhaupt gemessen wird. Wir haben ein Klimasystem mit einem Bremsweg von ca. vier Jahrzehnten. So dass schon jetzt eine weitere Erwärmung von 1,4 Grad nicht mehr zu verhindern ist. Es geht darum, ob wir dieses halbe Grad beim Zwei-Grad-Ziel heute durch Maßnahmen erreichen können.”"

Dass die globale Oberflächentemperatur um 0,8 Grad in den letzten 100 Jahren gestiegen ist, führen die Wissenschaftler des Weltklimarats auf die erhöhte Konzentration klimarelevanter Gase zurück. Methan, Kohlendioxid und Lachgas aus Verbrennungsmotoren, Heizkraftwerken, landwirtschaftlichen Großbetrieben und Industrieanlagen haben die Atmosphäre aufgeheizt.

In der Klimarahmenkonvention von 1992 sprach sich die Weltgemeinschaft dafür aus, einen - wie es hieß- "gefährlichen” Klimawandel zu vermeiden. Als Obergrenze wurden zwei Grad Celsius Erwärmung über dem Vorindustriellen Niveau empfohlen. Ein Temperaturanstieg über diese zwei Grad hinaus würde die Wahrscheinlichkeit von extremen Wetterereignissen wie Überflutungen, Tropenstürme und Hitzewellen gefährlich erhöhen.

Guanun Achmed reicht es jetzt schon, der Berber schaut besorgt auf die braune Graslandschaft: Saftige Wiesen sehen anders aus. Seitdem er denken kann, lebt sein Volk von dem, was Schafe und Ziegen hergeben, doch seine Wege werden immer weiter und die Tiere immer dünner

""Wasser! Wir brauchen einfach Wasser, schauen Sie da meine Ziegen, die sind ja schon genügsam, aber ein bisschen brauchen sie auch. Was sollen die denn fressen?”"

In Marokko wird die Wüste immer größer, die Nomaden verlieren ihre Weidegründe, in den Tälern, wo zuvor wenigstens eine karge Graslandschaft war, ist jetzt eine Sanddüne. Doch nicht nur Nordafrika ist betroffen. Dr. Hans-Martin Füssel vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung:

""Es gibt eine ganze Reihe Länder, wo wir schon jetzt abnehmende Niederschläge verzeichnen: die Sahelzone, südliches Afrika!”"

... und was bei den einen zu wenig, ist bei den anderen zu viel.

""Das Interessante ist, dass durch den Klimawandel in fast allen Regionen die Starkniederschläge zugenommen haben, weil warme Luft mehr Wasser aufnimmt und der Kreislauf von Verdunstung und Niederschlag intensiver wird. In den meisten Regionen Europas müssen wir mit Flutgefahr rechnen.”"

Selbst wenn alle CO²-Emissionen sofort gestoppt würden, stiege die globale Temperatur in Bodennähe trotzdem mindestens noch um weitere 0,6 Grad an, die Trägheit des Klimasystems unserer Erde präsentiert uns die Sünden der vorherigen Jahrzehnte zeitlich verzögert. Die Bilanz des diesjährigen Klimaberichts vom Weltklimarat IPCC ist schon jetzt alarmierend:

""Elf der letzten zwölf Jahre gehörten zu den wärmsten Jahren seit der Wetteraufzeichnung. Die Konzentration von CO² und Methan lag 2005 höher als in den vergangenen 650.000 Jahren. Seit 1993 ist der Meeresspiegel jedes Jahr um drei Millimeter gestiegen.

Die Gletscher schmelzen weltweit und lassen die Weltmeere derzeit um zusätzliche 0,8 Millimeter im Jahr steigen. Das Meereis der Arktis ist seit 1978 jedes Jahr um acht Prozent zurückgegangen. Die Häufigkeit heftiger Niederschläge hat zugenommen."

Tendenz steigend! Da sind sich Hunderte Wissenschaftler, die alle dem Weltklimarat zuarbeiten, einig. Küsten und flache Inseln werden untergehen. Die Jahreszeiten werden sich verschieben. Hitzewellen, Ernteausfälle und Dürreperioden nehmen zu. In den Entwicklungsländern werden sich die Wüsten weiter ausbreiten.

Am schlimmsten werden die unter der Folgen des Klimawandels leiden, die am wenigsten dazu beigetragen haben. Wenn das Wasser noch knapper wird, Ernten ausfallen und sich Epidemien ausbreiten, werden auch die Verteilungskämpfe zunehmen. Immer mehr Umweltflüchtlinge sind die Folge: Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul:

"Klimawandel ist heute das Sicherheitsrisiko Nummer eins der Menschheit. Wer heute nicht in den Klimaschutz investiert, wird morgen von den globalen Problemen eingeholt, zum Beispiel der wachsenden Migration und den Folgen der wirtschaftlichen Krisen in anderen Teilen der Welt!”"

Die Europäische Union sieht den Weltfrieden durch den Klimawandel bedroht. Gegen den Willen der USA hat die Gemeinschaft, allen voran Großbritannien, das Thema auf die Agenda des UN-Weltsicherheitsrats in New York gesetzt.

Um das Schlimmste zu verhindern und der Entvölkerung ganzer Landstriche entgegenzuwirken, müssten die Industrienationen in die Pflicht genommen werden, denn den betroffenen Ländern im Süden fehlen für Anpassungsmaßnahmen die Mittel. Dr. Hans-Martin, Füssel, Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung:

""Ich denke, dass eine internationale Übereinkunft nur dann machbar ist, wenn wir eine gerechte Vereinbarung bei der Lastenverteilung des Klimaschutzes haben, die die Entwicklungsnotwendigkeit der armen Menschen miteinbezieht.”"

So wurde beim letzten UN-Klimagipfel in New York über einen Fonds mit 50 Milliarden Dollar diskutiert, finanziert von den Industrienationen, um die Folgen des Klimawandels in den Entwicklungsländern abzumildern.

Auch der Wissens- beziehungsweise. Technologietransfer soll ausgebaut werden. Bessere Technik zur Gewinnung von Trinkwasser, Getreidesorten, die an Trockenheit besser angepasst sind, Solarkocher, die als Energiequelle die Sonne und nicht die letzten Bäume nutzen. Carsten Agert vom Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme:

""Der andere Punkt globaler Klimaschutz ohne die Teilnahme der Entwicklungsländer scheitert. ...also Klimaschutz und Entwicklungsländer brauchen einander. Und dazu braucht es zum einen ein verbindliches Abkommen, um den Ausstoß Co² und Co drastisch zu drosseln und zum anderen Anreize, damit auch die Schwellenländer ihren Energieverbrauch senken.

Da selbst in den Entwicklungsländern der Kohlendioxidausstoß steigt, müssen diese Länder langfristig in ein Klimaschutzabkommen eingebunden werden. Inzwischen kommt die Hälfte aller Treibhausgase aus Entwicklungsländern. In Ländern wie Katar oder Singapur ist der CO²-Ausstoß schon jetzt größer als in vielen europäischen Staaten. Was leider nicht heißt, dass dort Erfolge zu verbuchen wären. Das Gegenteil ist der Fall."

Das Sekretariat der Klimarahmenkonvention veröffentlichte vor knapp zwei Wochen die Entwicklung der westlichen Industrienationen beim CO² Ausstoß.

"Die Emissionen klimarelevanter Gase sind in fast allen Industrieländern gestiegen. Auch die Länder, die das Kyoto-Protokoll ratifiziert haben und sich damit das Ziel gesetzt haben, ihre Emissionen abzusenken, legen statt dessen zu.

Die meisten Länder sind von ihren Reduktionsverpflichtungen, die sie selbst im Kyoto-Pprotokoll eingegangen sind, weit entfernt. Die Emissionen sind allein zwischen 2004 und 2005 um 2,6 Prozent gestiegen. Das Ziel war jedoch, bis 2012 die Treibhausgasemissionen um fünf Prozent zu senken gegenüber dem Basisjahr 1990."

Vom Kyoto-Kurs sind die meisten Länder abgekommen, ein Beispiel ist Kanada mit einer Zuwachsrate von 25,3 Prozent. Das Land hatte sich jedoch verpflichtet, die Emissionen bis 2012 um sechs Prozent zu senken. Beim schlichten Zusammenrechnen kommt Kanada auf einem Emissionsanstieg, der rund 31 Prozent höher ist als die Zielvorgabe.

Auch viele europäische Länder sind weit von ihrer oft zitierten Vorreiterrolle entfernt: Spaniens Emissionsanstieg im Jahr 2005 betrug über 50 Prozent gegenüber 1990. Diese Bilanzen werfen die Frage auf, ob Kyoto nur eine fromme Absichtserklärung geblieben ist? Dr. Hans-Martin Füssel:

"Kyoto ist ein wichtiger Einstieg in die internationale Klimaschutz-Architektur, und das Protokoll war auch die Vorraussetzung, dass wir in immer mehr Regionen der Welt einen Kohlenstoffmarkt aufgebaut haben. In Europa ist er noch nicht voll funktionsfähig, da die Emmissionsrechte zunächst verschenkt statt versteigert wurden.”"

Von dieser Panne mal abgesehen, wird der Handel mit CO²-Zertifikaten von vielen Klimaexperten generell als gutes Instrument gesehen, um den Emissionsausstoß zu regeln. Rajendra Pachauri, Chef des Weltklimarats:

""Das ist eine wichtige Erkenntnis, wenn wir etwas unternehmen wollen, dann muss die Freisetzung von Kohlenstoff einen hohen Preis haben. Das bewegt uns zu einer Industrie, die wenig Kohlenstoff freisetzt.”"

Im Kyoto-Protoll fehlen Sanktionen. Die Beteiligung am globalen Klimaschutz ist freiwillig und unterliegt der Selbstkontrolle, wer die selbstgesteckten Einsparungsziele nicht erreicht, muss trotz Vertragsbruchs mit keinen Konsequenzen rechnen. Wenn der Klimaschutz mit marktwirtschaftlichen Elementen wie dem Handel mit CO²-Zertifikaten verknüpft wird, könnte das ein Ansporn zur Einsparung sein.

""Ich denke, es ist notwendig, eine langfristige Zielsetzung zur Stabilisierung des Klimas zu vereinbaren, und diese muss mit Zwischenzielen unterstützt werden. Eine Methode ist die Etablierung eines Kohlenstoff-Preises!”"

Damit wäre auch ein ökonomischer Anreiz für die Entwicklung emissionsarmer Technologien geschaffen. Mehr als 60 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen kommen aus dem Energiesektor. Der Bedarf wird weiter steigen, die Internationale Energieagentur geht davon aus, dass der Konsum in den Industrieländern noch weiter zunimmt.

Der Energiebedarf in den wirtschaftlich erstarkenden Schwellenländern China, Indien und Brasilien wird rasant ansteigen. Der Wissenschaftliche Beitrat der Bundesregierung für Globale Umweltveränderungen, kurz WGBU, rät:

""Ein weiterentwickeltes Kyoto-Protokoll muss wirksame Anreize für die Energiewende setzen. Die Industrieländer sollten sich zu ambitionierten Emissonsreduktionen verpflichten. Für die Schwellen- und Entwicklungsländer müssen Mechanismen einer schrittweisen Einbindung in Verpflichtungen geschaffen werden.

Die EU muss die Machbarkeit von Klimaschutz demonstrieren und weltweit Impulse für Energieeffizienz und erneuerbare Energien setzen. Das Europäische Emmissionshandelssystem sollte zügig weiterentwickelt und verbessert werden."

Bei der UN-Klimakonferenz auf Bali soll auch über die Einbindung der Schwellenländer in ein Klimaschutzabkommen diskutiert werden. Das Signal, das die westlichen Industrienationen zu diesem Zeitpunkt senden, da sich die Vereinten Nationen um China, Indien und Brasilen bemühen, ist aber denkbar ungünstig. Denn bei ihnen steigt der CO²-Ausstoß weiterhin an. Das kritisierte auch der Chef des UN-Klimasekretariats in Bonn, Yvo de Boer, doch damit nicht genug:

"Die Frage ist, ob auf Bali überhaupt Verhandlungen für die Zeit nach 2012 beschlossen werden, ob man sich auf ein gemeinsames Vorgehen einigt und ob eine Deadline für den Abschluss der Verhandlung festgesetzt wird, damit die Verhandlung nicht so verschleppt wird und wir das Zeitfenster von zehn bis 15 Jahren gar nicht mehr nutzen können!”"

Auf Bali sollen die Verhandlungen über ein Nachfolgeabkommen des Kyoto-Protokolls beginnen, denn die erste Verpflichtungsperiode endet 2012. Zwei Wochen lang werden mehr als 10.000 Teilnehmer die Handlungsoptionen diskutieren. In diesem Jahr, so die Hoffnung der Klimaexperten, mit mehr Nachdruck, als noch im letzten Jahr in Nairobi.

Denn die öffentliche Wahrnehmung ist größer seit dem letzen Weltklimareport und auch seitdem der letzte Friedensnobelpreis an Al Gore und den Weltklimarat ging. Aber dennoch ist Bali erstmal nur eine der jährlichen Klimakonferenzen der Vereinten Nationen. Dr. Hermann Ott, Klimaexperte beim Wuppertal Institut:

""Meine Prognose ist, dass eine Einigung über die zweite Periode erst sehr spät stattfinden wird, wenn die Staaten sehen können, wie ihre Ergebnisse der ersten Periode aussahen und sie abschätzen können, wie leicht oder schwer ihnen die Einspaarungen fielen. Es wird wohl bis 2010, 2011 verhandelt werden. Das liegt am Webfehler im System, dass die Verpflichtungen nicht weiter laufen, es gibt Verträge zum Beispiel beim Ozonschutz, die gelten länger, das fehlt beim Kyoto-Protokoll.”"

Zur UN-Klimakonferenz kommen auch zwei Delegationen aus den USA: eine Regierungsdelegation und eine halbamtliche, eine überparteiliche Gruppe von Senatoren, die auf die Zeit nach Bush hofft und darauf, dass nach dem Januar 2009 die - so wörtlich - "Ära des Quertreibens” ein Ende hat. In den Vereinigten Staaten leben rund fünf Prozent der Weltbevölkerung. Und diese fünf Prozent verursachen 20 Prozent der Treibhausgase.

China folgt Amerika auf der weltweitern Rangliste der CO²-Emsssionen. Mit seinem rasanten Wirtschaftswachstum von rund zehn Prozent jährlich geht China auf die Überholspur und hängt selbst die USA bald ab. China verweist auf die historische Verpflichtung der westlichen Industrienationen, sie hätten durch ihre Emissionen in den letzten Jahrzehnten den Klimawandel verursacht.

""Nach Ansicht des WGBU ist eine weltweite Zuordnung gleicher Emmissionsrechte pro Kopf der Verteilungsschlüssel, den es langfristig anzustreben gilt."

Die Entwicklungs- und Schwellenländer führen zu Recht ins Feld, dass ihr Pro-Kopf-Verbrauch extrem gering ist im Vergleich zum Pro-Kopf Verbrauch der Industrieländer. Auf jeden Chinesen kämen zum Beispiel jährlich nur drei Tonnen, auf jeden Amerikaner jedoch 20 Tonnen Kohlendioxid.

Dennoch sollen auch die Schwellenländer stärker mit in den Klimaschutz eingebunden werden. Wie genau, dürfte für viel Gesprächsstoff in Bali sorgen. Noch gibt man sich optimistisch, Bundeskanzlerin Angela Merkel:

""Ein UN-Klimaabkommen für die Zeit nach 2012 ist die Brücke, über die alle Länder zu einer nachhaltigen Entwicklung gelangen können. In Bali sollten wir uns auf einen klaren Fahrplan einigen, damit wir die Verhandlungen bis 2009 abschließen können!”"

Das Interesse an einem wirksamen Instrument des Klimaschutzes ist auch in den wirtschaftlich erstarkenden Schwellenländern groß. Denn sie sind nicht nur Verursacher, sondern auch Opfer der globalen Erwärmung. In China wüten immer häufiger Taifune über die Küsten hinweg. Im Land selbst breiten sich die Wüsten aus, im Himalaya schmelzen im Zuge des Klimawandels die Gletscher. Damit ist die Wasserversorgung für Hunderte Millionen Menschen in Asien gefährdet.

Im Angesicht dieser Herausforderung wirkt die Diskussion um den Gesamt- oder Pro-Kopf-Ausstoß fast belanglos. Am Ende muss der Ausstoß von Treibhausgasen überall auf der Welt gedrosselt werden, denn ob Methan durch einen chinesischen oder französischen Schornstein in die Atmosphäre geblasen wird, ist in seiner Wirkung vollkommen gleich. Rajendra Pachauri, Chef des Weltklimarats:

""Ich möchte mit Mahad Magandi schließen: Sei die Veränderung, die du in der Welt sehen willst. Was wir wirklich brauchen ist eine neue Ethik, durch die jeder einzelne die Wichtigkeit der Herausforderung erkennt und ihr aktiv begegnet durch einen anderen Lebensstil!”"

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