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Von Misstrauen geprägt?

WADA sieht deutsches Vorgehen im Fall Erfurt weiter kritisch

Von Robert Kempe

David Howman, Generaldirektor der Anti-Doping-Agentur WADA (picture alliance / dpa)
David Howman, Generaldirektor der Anti-Doping-Agentur WADA (picture alliance / dpa)

Seit Wochen herrschen nach Deutschlandfunk-Informationen in den Gremien der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA Unverständnis und große Diskussionen bezüglich des deutschen Umgangs mit der Erfurter UV-Bestrahlung. Deshalb beobachten die WADA-Funktionäre die Vorgänge in Deutschland mit Argusaugen.

Die WADA will sämtliche Urteile, die vom deutschen Sportschiedsgericht im Zusammenhang mit der Causa-Erfurt gefällt werden, genau prüfen. Das erklärte der WADA-Generaldirektor, David Howman, am Rande einer internationalen Anti-Doping-Konferenz in Stockholm. Howman legt darauf Wert, dass vor allem die über zwanzig Fälle, in denen Athleten vor dem 1.1.2011 die strittige UV-Blutbestrahlung erhalten haben sollen, endlich geklärt werden müssen.

"Wir überprüfen jede Entscheidung zum Fall Erfurt, die vom Deutschen Sportschiedsgericht gefaellt wird. Hier haben wir ja die besondere Situation, dass auch die Fälle, in denen es um den Gebrauch der verbotenen Methode vor 2011 geht, noch abgeschlossen werden müssen. Sobald das der Fall ist, werden wir schauen, ob die Fälle den Regeln entsprechend in Deutschland behandelt wurden. Sollte sich ein Fall für einen Einspruch beim Internationalen Sportgerichtshof eignen, werden wir diesen Schritt in Betracht ziehen."

Ein Einspruchsrecht hat auch die deutsche Nationale Anti Doping Agentur NADA. Doch hatte die NADA an den zwei bisherigen Entscheidungen nichts auszusetzen. Beide Athleten gingen straffrei aus.

Die Ermittlungen gegen die Bahnrad-Olympiasiegerin Kristina Vogel – ein Fall aus der Zeit vor 2011 - wurden von der NADA gar noch vor den Olympischen Spielen eingestellt, da Vogel angeblich glaubhaft versichern konnte, die UV-Behandlung gar nicht erhalten zu haben. Doch taucht ihr Name auf einer Patientenliste auf, die Bestandteil staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen war.

WADA-Generaldirektor David Howman zeigte sich jetzt in der schwedischen Hauptstadt davon überrascht und erklärte, über die Einstellung des Verfahrens nicht von der NADA informiert worden zu sein.

"Ich kenne diesen Fall nicht, daher kann ich dazu nichts sagen. Aber eins sage ich schon, wir sind immer sehr alarmiert, wenn ein Athlet andere verantwortlich macht."

Howmans Unkenntnis wirft weitere Fragen auf, da NADA- und WADA-Spitzen noch Anfang Juli engere Zusammenarbeit gelobt hatten.

Offenbar ist aber ein anderer Fall eines Sportlers in der Affäre Erfurt aus der Zeit vor 2011 derzeit in der Entscheidungsfindung. Dies erklärte die NADA-Chefin Andrea Gotzmann in dieser Woche gegenüber der Nachrichtenagentur DPA.

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