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StartseiteUmwelt und VerbraucherVon Monokulturen und Abholzung04.01.2011

Von Monokulturen und Abholzung

Internationales Jahr der Wälder 2011

Vom düsteren Forst zum einladenden Hain – die Romantik prägte das Bild vom deutschen Wald als einem Ort der Verklärung und der heilen Welt. Prosaischer sehen es die Vereinten Nationen, die das Jahr 2011 zum Jahr der Wälder erklärt haben.

Von Dieter Nürnberger

Dichter Wald in Bergen, Niederlande (Stock.XCHNG / Gerla Brakkee)
Dichter Wald in Bergen, Niederlande (Stock.XCHNG / Gerla Brakkee)

In den siebziger und achtziger Jahren bestimmten Schlagwörter wie Waldsterben oder saurer Regen die Debatte. Dem deutschen Wald wurde eine düstere Zukunft prophezeit. Mehr als 30 Jahre später haben sich zumindest die schlimmsten Schreckensszenarien nicht bewahrheitet. Unter anderem auch deswegen, weil die Politik durch stärkere Umweltauflagen für die Industrie, etwa den Einbau von Filtertechniken, das Gröbste abwenden konnte. Doch von einem guten, einem normalen Zustand sind die Wälder hierzulande noch weit entfernt. Anhand des Waldzustandsberichts der Bundesregierung wird deutlich, dass mehr als ein Viertel der Bäume in Deutschland schwere Schäden aufweist.

Experten sehen heute vor allem die Auswirkungen des Klimawandels als Gefahr für den Wald an. So auch die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald mit Sitz in Bonn. Für Geschäftsführer Christoph Rullmann sind die Folgen schon heute spürbar:

"Wo wir zum Beispiel Grundwasserabsenkungen haben, die dazu beitragen, dass Baumarten, die sonst von der Bodenausstattung her für ein feuchteres Klima ausgelegt sind, plötzlich deutliche Schäden aufweisen, weil sie nicht mehr genug Wasser haben."

Rund ein Drittel der Fläche Deutschlands ist noch heute mit Wald bedeckt. Allerdings sind es vor allem Monokulturen, die sich im Laufe der Jahrhunderte durch Bewirtschaftung ausgebreitet haben. So machen rund ein Viertel des Waldes inzwischen die Fichten aus. Das sei ein Problem, sagt Julian Heiermann vom Naturschutzbund Deutschland:

"Sie fallen bei Stürmen oft um, die Insekten gehen da rein – und diese Fichtenmonokulturen, die den letzten Stürmen zum Opfer fielen, sollen nun zum Teil wieder mit Reinkulturen aufgeforstet werden. Ein gutes Beispiel dafür ist die Douglasie. Das sehen wir schon sehr kritisch, weil man Fehler, die schon in der Vergangenheit gemacht wurden, mit anderen Baumarten vielleicht wiederholt."

Das Ziel heißt mehr Mischwald, der sei weniger anfällig für Umweltauswirkungen. Doch wie ökologisch darf oder muss die Waldbewirtschaftung sein? Diese Frage war auch bei der Reform des Bundeswaldgesetzes im Sommer vergangenen Jahres strittig. Der Naturschutzbund kritisiert das Gesetz noch heute.

"Wir möchten nicht nur eine nachhaltige Waldwirtschaft im Sinne der Ökonomie – dass man nur so viel Holz rausholt, wie auch nachwächst. Wir wollen auch eine ökologische Nachhaltigkeit. Wir brauchen somit auch mehr tote Bäume, die stehenbleiben dürfen. Wir brauchen auch viel mehr alte Bäume."

Ein urwüchsiger Wald jedoch ist in Deutschland so gut wie gar nicht mehr anzutreffen. Und die Anforderungen an die Bewirtschaftung steigen sogar – unter anderem weil Holz künftig vermehrt energetisch verwendet werden soll. In der deutschen Biodiversitätsstrategie wurde inzwischen festgeschrieben, dass rund fünf Prozent des Waldes wieder zur Wildnis werden sollen, eine Vorgabe, die die deutschen Waldbesitzer jedoch weiterhin ablehnen.

Dass die Vereinten Nationen 2011 zum Internationalen Jahr der Wälder erklärt haben, ist jedoch weniger der deutschen oder europäischen Perspektive geschuldet. Die UNO blickt vielmehr sorgenvoll in jene Länder, die derzeit noch über große Flächen tropischen Regenwalds verfügen. Dieser Urwaldtypus ist für den Erhalt der biologischen Vielfalt von existenzieller Bedeutung, zudem speichert er vergleichsweise hohe Mengen an CO2. Er ist somit ein Aktivposten gegen den Klimawandel. Das Abholzen zu stoppen deshalb ein globales Interesse. Innerhalb der Weltklimaverhandlungen soll künftig mit dem Programm REDD+ ein Mechanismus verankert werden, der es erlaubt, den Erhalt der Wälder lukrativer zu gestalten als bisher. Alois Vedder von der Umweltorganisation WWF:

"Das muss so funktionieren, dass das Geld letztendlich auch bei denen ankommt, die im und vom Wald leben. Die heutzutage auch teilweise gezwungen sind, Waldflächen einzuschlagen. All jenen müssen wir ein alternatives Einkommen ermöglichen."

Die Industrieländer als bisheriger Hauptverursacher der klimaschädlichen Emissionen sollen dafür Milliardenbeträge aufbringen. Dahinter steckt die Idee, dass der Wald, dass Natur auch einen finanziell zu berechnenden Wert hat. WWW-Waldexperte Vedder:

"Die Schätzung lautet, dass wir so ungefähr im Jahr 2020 20 bis 30 Milliarden Euro dafür brauchen werden. Auf der anderen Seite stehen dem aber auch rund 3,7 Billionen Euro an Wert gegenüber. Das heißt, rein volkswirtschaftlich und global gesehen, geht die Rechnung auf."

2011 könnte für den REDD+ - Mechanismus den Durchbruch bedeuten, hoffen zumindest Umweltverbände. Erste Weichen seien auf dem Weltklimagipfel in Cancun Ende 2010 gestellt worden.

Nach UNO-Vorstellungen soll die Entwaldung bis 2020 weltweit gestoppt werden. Die Zeit drängt – denn noch immer gehen jedes Jahr rund 13 Millionen Hektar verloren – das entspricht einer Fläche von Österreich und der Schweiz zusammen.

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